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35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Aus der Innenansicht eines Sterbenden, 22. März 2005
Im Augenblick des Todes will Johan Stetten keinen mittelmäßigen Roman lesen, er will keinen Kalender sehen und auch keine Morphiumspritze. Der Augenblick des Todes, so denkt er, ist „die Zeit für Meisterwerke" - für „Macbeth", „Krieg und Frieden", für die Zauberflöte und die Bach'schen Choräle. Doch in Wahrheit ist der Augenblick des Todes für Johan Stetten nur der Abschluss eines mittelmäßigen Lebens, dessen Durchschnittlichkeit in letzter Konsequenz zu erkennen fast so schlimm ist wie das Sterben selbst. Das ist die eine, die erzieherische und anspruchsvolle Seite des Todes. Die andere Seite besteht aus Angst und Kopfschmerzen, aus Schlaflosigkeit und Einsamkeit, einer schrecklichen Eiterwunde im Gesicht und misslungenen Operationen. Diese Seite des Sterbens hat nichts Erzieherisches oder Anspruchsvolles, sie ist einfach nur ein grauenhaftes Ungeheuer, das ihn jeden Tag ein Stück mehr überwältigt. So weit das Schicksal, das Johan Stetten, der Durchschnittliche, stellvertretend für jeden andren Menschen auf der Welt durchleidet. Aber neben dieser anspruchsvollen und kreatürlichen Todesthematik erlebt er noch ein drittes: die „Gnade", das Geschenk der Liebe seiner Frau Mai, die nicht nur die letzten dreiundzwanzig Jahre sondern auch die letzten Monate das Leben von Johan Stetten erleuchtete. Diese Liebe, „die wie klares Wasser ist, von dem man ständig trinken möchte", war über Johan Stetten gekommen wie ein unverdientes Geschenk, begleitet von einer tagtäglichen, leicht verwunderten Freude darüber, warum gerade er es ist, der so geliebt wird. Als die kreatürliche Seite des Sterbens immer schrecklicher wird, als Johan „die Kontrolle verliert", vollbringt Mai ihren letzen Liebesdienst und verabreicht ihrem Mann die Todesspritze, um ihm einen Tod mit einem letzten Rest von Würde zu ermöglichen. Es ist eine traurige und ergreifende Geschichte, die Linn Ullmann aus der Perspektive des sterbenden Johan Stetten mit vielen zeitlichen Rückblenden erzählt, ein Roman, dem es gelingt, den Leser schon auf den ersten Seiten für die Hauptperson zu interessieren und in eine Entwicklung einzubeziehen, an deren Ende der Tod stehen wird. Als dieses Ende eingetroffen ist, weiß, man plötzlich gar nicht mehr so recht, ob man eine Tragödie oder ein Märchen gelesen hat, denn so schrecklich wie Johans Sterben war so gnadenvoll und wunderbar war die Liebe, die ihm in Gestalt seiner Frau zuteil geworden ist. Ein Buch nicht unbedingt für Sterbende, wohl aber für die Zurückgebliebenen, die das Beste getan haben, einen Gatten, einen Freund, ein Elternteil auf dem letzten Weg zu begleiten.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kleine Gesten, 13. Juli 2004
Von Ein Kunde
Es gibt nicht viele Punkte in seinem Leben, auf die Johan Sletten rückhaltlos stolz sein kann. Seine erste Ehe war eine lieblose Angelegenheit, das Verhältnis zu seinem Sohn ist feindselig, seinen bescheidenen Ruf als Journalist hat er durch eine ungeschickte Aktion endgültig ruiniert. Aber wenn er seine Frau Mai ansieht, dann fühlt er sich stolz und glücklich, kann immer noch nicht glauben dass diese junge Frau ausgerechnet ihn ausgewählt hat, mit ihm zusammen sein will. Sie ist seine Gnade, das sagt er ihr immer wieder. Und nun hat er von seinem Arzt erfahren, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat; die Erinnerung an das unwürdige Ende seines Vaters hat sich ihm nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt, und er weiß eines: so will er nicht enden, er will sein Leben anders beenden. Und Mai soll ihm dabei helfen... Es ist die stille, schöne Geschichte eines Rückblicks auf ein Leben, in dem nicht viel passiert ist; eine ganz alltägliche Geschichte, ein durchschnittlicher Mann, der nichts außerordentliches geleistet hat, der sich mit Problemen herumschlägt, die wohl jeder kennt. Auch ich habe mich beim Lesen dieses kurzen Romans - eigentlich mehr eine Erzählung - immer wieder gefragt, worauf die Autorin eigentlich hinauswill. Als ich das Buch mit einem Schulterzucken und "nätt, aber überflüssig" weglegen wollte, kamen mir aber ein paar Szenen wieder in den Sinn, die ganz beiläufig ziemlich tief unter die Haut gehen. Eine davon zeigt Johan im Gespräch mit seinen Arbeitskollegen; voller Stolz will er ihnen ein Foto seiner Frau zeigen, die für ihn einfach wunderschön ist. Er zieht das Foto aus der Tasche, aber noch bevor er erklären kann, um wen es sich dabei handelt, kommen schon die ersten abschätzigen Kommentare seiner Kollegen, die sich über ihre Pummeligkeit lustig machen. Für mich zeichnet sich dieses Buch durch viele dieser kleinen Momente aus, die gerade durch ihre Belanglosigkeit so genau zeigen, was uns abseits von den sonst so gern präsentierten großen Gesten und Gefühlen eigentlich wirklich ausmacht. Wer keinen mitreißenden Plot sucht sondern sich auf eine kleine Geschichte einlassen will, der wird an diesem Buch sicher seine Freude haben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bis dass der Tod ....., 15. August 2006
Johan Sletten muss sterben. Mit dieser Tatsache wird der Leser direkt zu Beginn des Buches konfrontiert und er begleitet den Journalisten während der wenigen Monate bis zu seinem Tod.
Mit einfachen, kurzen aber eindringlichen Sätzen versteht es die Autorin, eine fesselnde Geschichte um das aktuelle Thema der aktiven Sterbehilfe zu weben.
Nach dem Tod seiner ersten Frau, mit der Johan eine langjährige, unglückliche Ehe führte, lernt er die um etliche Jahre jüngere Mai kennen und lieben.
Als Johan unheilbar erkrankt, bittet er Mai um Hilfe, sein Leben würdevoll beenden zu können.
Bei aller Dramatik des Themas bleibt bei mir kein schales Gefühl zurück.
Johan hatte viele Jahre eine liebende Frau an seiner Seite. Eine Frau, von der er selbst sagt, dass sie gute und ruhige Hände habe. Diese Hände hat sie ihm nicht nur während der schönen gemeinsamen Jahre, sondern auch im Moment seines Todes gereicht.
Ein lesenswertes Buch!
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