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Blaue Brillenschlange für Braz und Oz
tin. Der diesjährige Kinder- und Jugendbuchpreis Die Blaue Brillenschlange geht an Júlio Emílio Braz, Kinderbuchautor aus Brasilien, und Amos Oz, den vor allem seiner Romane für Erwachsene wegen bekannten israelischen Schriftsteller. Am Mittwoch wird der Preis im Schweizerischen Jugendbuch-Institut in Zürich verliehen. Die ausgezeichneten Bücher spielen in auf den ersten Blick komplett verschiedenen Welten im Brasilien der Gegenwart und in Palästina anno 1947. Und doch weisen die beiden Geschichten, die des Strassenmädchens Rolinha und jene des zwölfjährigen Juden Profus, gewisse Ähnlichkeiten auf. «Kinder im Dunkeln» und «Panther im Keller» handeln beide in einer von Gewalt und Misstrauen geprägten Umgebung. In beiden Büchern lassen die Autoren ihre Hauptfigur aus der Dunkelheit und der Verborgenheit hervortreten, und es gelingt ihnen, die Situation der jungen Helden in kindlicher, aber nicht naiver Perspektivik erzählt ans Licht zu bringen.
Genau darum geht es auch den Trägerinnen der Blauen Brillenschlange, der «Erklärung von Bern», Terre des hommes Schweiz und der Stiftung Bildung und Entwicklung. Seit 1985 werden jährlich ein bis drei Kinder- oder Jugendbücher ausgezeichnet, die zu einem vorurteilsfreien Bild von Menschen aus fremden Kulturen beitragen und denen es ausserdem gelingt, das Thema Rassismus auf differenzierte Art und Weise umzusetzen. So verkörpert Profus, der Panther in Amos Oz' Geschichte, anfänglich gar nicht etwa ein Ideal von Demokratie und Nächstenliebe, sondern führt mit seinen Freunden tägliche Panzerschlachten gegen die Besatzungsmacht der Briten auf der Strohmatte durch. Erst als er sich von Neugier getrieben mit einem Engländer einlässt, verblasst Profus' Feindbild. Zwischentöne drängen sich in das klare Schwarzweissbild des jungen Helden. Humorvoll und einfühlsam schafft Amos Oz ein eindrückliches Plädoyer für Toleranz.
Eine wichtige Leistung wird mit der Blauen Brillenschlange ebenfalls belohnt diejenige der Übersetzerinnen. Einen Teil des Preises können deshalb am Mittwoch Bettina Neumann, Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling entgegennehmen. Anschliessend werden sie über ihre Arbeit erzählen, ohne die der Inhalt der beiden Bücher, der uns «das Fremde» unverfälscht näherbringen soll, für viele wohl im dunkeln bliebe. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Profus hat einen solchen Menschen kennen gelernt. Einen der weder etwas gegen ihn persönlich noch gegen die Juden hat. Im Gegenteil, Sergeant Dunlop ist fasziniert vom Land, von den Menschen, von der Sprache. Alles ist unklar, alles bedrohlich. Und dann wird Sergeant Dunlop versetzt. Profus sieht ihn nie wieder. Und es bleibt in ihm das bedrückende Gefühl zurück, auf eine ganz andere Weise zu einem Verräter geworden zu sein. Zu den politischen Hintergründen im Roman
Es ist 1947/48. Immer mehr Juden kommen nach Palästina und erheben Anspruch auf die ihnen von der britischen Regierung in der Balfour Deklaration vom 2. November 1917 versprochene nationale Heimstatt in Erez Israel, dem Heiligen Land.
Warum ausgerechnet in Palästina? Hier im Sinai lagen die Reiche Juda und Israel, auf die die Geschichte der Juden zurückführt. Und hier ist das Land, das Gott den Israeliten in der Bibel verheißen hat. Doch die Juden sind weit über die Welt verstreut. Sie besitzen seit der Zeit um Christi Geburt keinen eigenen Nationalstaat mehr. In Palästina leben vornehmlich Araber. Erst die Balfour-Deklaration räumt auch den Juden wieder die Aussicht auf einen eigenen Staat in Palästina ein.
Aber Palästina steht ab 1920, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs der Türken, unter britischem Mandat. So hat es der Völkerbund beschlossen. Und die Engländer gelten den Juden als araberfreundlich, nicht zuletzt nachdem sie den östlich des Jordan-Flusses gelegenen Teil Palästinas 1923 als Transjordanien (ab 1950: Jordanien) der arabischen Dynastie der Haschimiten unterstellen und damit mehr oder weniger den 1917 im Unklaren gelassenen Verlauf der Westgrenze des arabischen Staats zu seinem künftigen jüdischen Nachbarn präjudizieren. Das verschärft einerseits die Feindschaft der Juden zu den Arabern, denen ohnehin nichts an der Errichtung eines jüdischen Staats in dem von ihnen beanspruchten Palästina liegt.
1929 kommt es deshalb zu den ersten blutigen Auseinandersetzungen. Aber nicht nur die Araber erscheinen den Juden als Feind ihrer nationalen Ziele. Natürlich bildet sich auch und erst recht gegen die Briten, die als Besatzungsmacht empfunden werden, massiver Widerstand. Als aber am 14. Mai 1948 das Mandat der Briten in Palästina erlischt und die britischen Schutztruppen abziehen, jubeln die Juden und rufen sofort den unabhängigen Staat Israel aus, was jedoch gleich in den Palästinakrieg (1948/49) mündet. Bis heute gibt es noch immer keinen umfassenden Friedensvertrag, der die nationalen Rechte von Israelis und Arabern in Palästina regelt. Doch die Ereignisse im vorliegenden Roman enden mit dem Abzug der Briten aus Palästina.
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