Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ordentliches Buch, schlecht übersetzt und falsch betitelt, 29. August 2007
Amartya Sen, indischer Nobelpreisträger für Wirtschaft und einer der weltweit führenden Entwicklungsökonomen und Armutsforscher, hat hier unter dem Originaltitel "Development as Freedom" ein Buch über die Messung von Entwicklung und Lebensstandard geschrieben. Kernthese ist, dass man von der starken Fixierung auf das Einkommen (Messgröße: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf) loskommen sollte zugunsten einer breiteren Sicht auf die Verhältnisse. Er spricht sich für eine Bewertung des Entwicklungsstandes eines Landes mittels direkterer Messzahlen des Wohlergehens aus (Säuglingssterblichkeit, Anzahl Hungertoter, Lebenserwartung, (Frauen-)Alphabetisierungsrate) und bezieht den Grad politischer Freiheit in einem Lande entschieden mit ein. Weiterhin verneint er ein sich gegenseitiges Ausschließen von Demokratie und Aufbruch zur wirtschaftlichen Entwicklung. Er führt den Begriff der "Verwirklichungschancen" ein und definiert Armut als Mangel solcher Verwirklichungschancen. Er beschäftigt sich u.a. eingehend mit dem Entstehen und dem Verlauf von Hungersnöten, die durchaus nicht mit einem flächendeckenden Mangel an Lebensmitteln einhergehen müssen. (Es reicht schon, wenn in einer kleineren Region eine Missernte geschieht, die dortigen Bauern ihre Feldfrüchte für sich behalten und die nicht Ackerbau treibende Bevölkerung keine Möglichkeit zur Lebensmittelversorgung mehr hat.)
Insgesamt also ein gutes, erfrischend ideologiearmes Buch, welches deutlich realitätsnäher erscheint und die Menschen in der "dritten Welt" ernster nimmt als so manche Kathederliteratur westlicher Ökonomen. Das Buch hat einen nicht zu unterschätzenden Anspruch an Geist und auch Leseausdauer.
Warum dann nur drei Sterne?
Erstens, weil man das Buch auch zutreffend unter einem Titel wie "Entwicklung und Freiheit" hätte veröffentlichen und mit einem entsprechenden Klappentext versehen können. Aber nein, für den tatsächlichen Inhalt des Buches hätten sich vielleicht zu wenige Leute interessiert. Deshalb griff man zu einem gerade bei in deutscher Ausgabe erscheinenden Wirtschaftsbüchern beliebten Kniff: Man orientiere Titel und Klappentext nicht am Inhalt des Buches, sondern daran, was die Leute lesen wollen - hat der Kunde das Buch erst einmal gekauft, ist der Verlag zufrieden und der Leser soll sehen, was er damit anfängt. Also wurde das Buch "Ökonomie für den Menschen" genannt und der Eindruck erweckt, da mache sich einer an eine Reform der Marktwirtschaft hin zu mehr Gerechtigkeit heran oder mache zumindest einige praktische Vorschläge. Hat der Leser das Buch gekauft, besitzt er nunmehr ein Werk über Entwicklungspolitik und -theorie. Ätsch!
Zweitens kann man die Übersetzung ins Deutsche getrost als misslungen betrachten. Eine gute Übersetzung zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Aussagen des Autors in eigener, lebendiger Sprache zum Ausdruck bringt und zwar idealerweise so, dass man vom Sprachlichen her die Übersetzung nicht als solche erkennt. Hier hat sich die Übersetzerin hingegen offenbar sklavisch an den englischen Originaltext gehalten und wohl das Ziel verfolgt, dass eine Rückübersetzung ins Englische möglichst genau den Originaltext ergäbe. Die englische Syntax wurde anscheinend fast eins zu eins abgebildet und der sich dabei ergebende Stil ist der deutschen Sprache nicht angemessen. Man hätte durchaus einmal aus einem im Original längeren Satz, der einen komplizierten Sachverhalt darstellt, zwei oder drei Sätze machen können, anstatt einen strukturlosen Patchwork-Bandwurmsatz zu bilden. Bei soviel sprachlicher Statik wurden auch viele englische Begriffe offenbar möglichst wörtlich ins Deutsche übersetzt, ohne auf Kontext und Lesefluss zuachten. All das macht die Lektüre unnötig mühsam, man quält sich teilweise über die Seiten. Ständig wird einem gewahr, dass es sich hier um eine Übersetzung handelt - man kann teilweise längere Sätze mühelos ins Englische zurückübersetzen, die sich dann natürlich viel besser anhören.
Fazit: Das Buch ist an sich gut, nur hat der deutsche Verlag (anscheinend aus Gründen der Profitmaximierung) ganz schlechte Arbeit geleistet.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gut, aber langatmig, 3. Juni 2005
Der Originaltitel "Development as Freedom" trifft den Inhalt viel besser als die deutsche Übersetzung. Der Autor entwirft zuerst ein Konzept, in dem die Freiheit ("Verwirklichungschancen") die Basis des ethischen Handelns und somit das eigentliche Entwicklungsziel ist. Die Steigerung des Bruttosozialprodukts ist nur das Mittel, diesen Zweck zu erfüllen. Daraus folgert der Autor die Wichtigkeit eines allgemeinen Bildung- u. Gesundheitssystems schon als ersten Schritt für Entwicklungsländer. Die Gleichberechtigung und Bildung der Frau ist ein Zweck an sich aber auch die Beste Geburtenkontrolle. Interessant auch der Zusammenhang zwischen Demokratie und Hungersnöten bzw. deren Bekämpfung. Allerdings stellt der Autor die Geduld des Lesers durch viele Wiederholungen ordentlich auf die Probe. Das sehr theoretisch-philosophische Kapitel zur Begründung der Freiheitsethik ist schwer nachvollziehbar. Der Utilitarismus, den Sen ablehnt, wobei er den "Nutzen"-Begriff sehr eng sieht, wäre da viel einleuchtender. Einige Kapitel sind überhaupt sehr philosophisch angehaucht und enthalten wenig konkretes. Alles in allem für Leser mit Ausdauer zu empfehlen.
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
genial, 11. Januar 2001
Von Ein Kunde
"Kaum jemand hat in den letzten Jahren so viel für die Rehabilitierung des schwierigen Gebietes der politischen Ökonomie getan als Amartya Sen. Die einzelnen Kapitel basieren auf Vorlesungen, die Sen vor der Weltbank gehalten hat, und verdeutlichen seine Vorstellungen von einer engagierten Entwicklungspolitik. Sen macht sich stark für die Unterstützung von Emanzipationsbewegungen ärmerer Bevölkerungsschichten, für ehrgeizige Bildungsprogramme und mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Seine Vorschläge sind stets auf eine Förderung substanzieller Freiheiten gerichtet. Eine solche Politik ist für ihn moralisch geboten und zugleich auch die einzige, die einen Strukturwandel in der Gesellschaft herbeizuführen vermag, der letztlich zu wirtschaftlichem Reichtum führt. Es gibt wohl nur wenige Autoren, die aus einer ähnlich umfassenden Perspektive eine Auseinandersetzung mit globaler Wirtschaftspolitik leisten können."
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