Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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101 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wenn das Selbst verloren geht..., 9. September 2002
...gelangt Gehorsam und Anpassung an die Macht - in uns, dort wo eigentlich die Eigenverantwortung unser Handeln bestimmen sollte.Welche Werte sind uns wichtiger als die Anerkennung, der Lob und damit die Teilhabe an der Macht? Was taten wir als Kinder nicht schon (wider besseren Wissens oder Fühlens!), weil wir "brave" und "gute" Kinder sein wollten? Diese Lektion haben wir gelernt: Wenn du dir der Anerkennung der "Großen" gewiss sein willst, tue das, was sie wollen. Der Mensch plündert, mordet, raubt, misshandelt und übt körperliche und seelische Grausamkeiten gegen andere aus, wenn es ihm an anderer Stelle Anerkennung einbringt. Mancher nennt es "blinden Gehorsam" andere nennen es "Pflichterfüllung". Wie auch immer: Die eigene Identität geht verloren. Diese Art des Seins ist "Normalität". Wer sich nicht anpasst und/oder gute Miene zum bösen Spiel macht, ist wahnsinnig, verrückt. Diese Menschen verlieren ihren Job, ihre Familien, manchmal gar ihre Mündigkeit. Und sie erhalten sich (nur?): ihre Aufrichtigkeit, ihren Stolz, ihr wahres Selbst. Arno Gruen legt mit erschütternder Deutlichkeit dar, welche abscheulichen und grausamen Folgen der Verrat am eigenen Selbst und der Verlust der Beziehung zum eigenen Inneren hat. Drittes Reich, Balkankrieg, Terror in New York - aber auch Antisemitismus, Fremdenhass und Völkermord werden möglich, weil es Menschen gibt, die diesen Wahnsinn mitmachen, weil es für sie normal ist - gedeckmantelt von vermeintlicher Menschen- und Nächstenliebe. Gruen zeigt auf, warum gerade die Menschen, die sich diesem Wahnsinn widersetzen, die Wahnsinnigen zu sein scheinen - und leider immer noch als solche bezeichnet werden. Alle, die sich ein stückweit ihrer eigenen Destruktivität stellen und mit Menschlichkeit die Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen wollen, müssen sich der Lektüre dieses Buches stellen. Es ist nicht immer schmerzfrei, aber befreiend.
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33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Spaltung der Seele als Symptom der Zeit, 6. Mai 2007
Es scheint, dass mein Vorgänger da etwas nicht genau nachgelesen hat. "Wer sich nicht anpasst, wird wahnsinnig", das sei doch ganz klar, meint er da.
Leider hat Arno Gruen genau das Gegenteil beschrieben: Anpassung heißt, das eigene Selbst aufzugeben und sich der herrschenden Ideologie von Macht und Unterwerfung zu beugen. Die Normalsten von uns, die Führer und Erfolgreichen sind es, die ihr eigenes Selbst perfekt abgespalten und keinen Zugang mehr zu ihren eigenen Bedürfnissen und Gefühlen mehr haben. Eingebildete Gefühle ersetzen nun die echten.
Für den Autor sind diese Menschen die eigentlich Wahnsinnigen, die nur deshalb nicht auffallen, weil dieser Wahnsinn gesellschaftlich akzeptiert ist. Diejenigen, die wir gemeinhin als verrückt bezeichnen, die Schizophrenen, versuchen ohnmächtig und letztlich zum Preis des seelischen Todes, den Kontakt zu ihrem Inneren nicht aufzugeben.
Nun kann man annehmen, dass Gruen in beliebter Manier gesellschaftskritische Argumente aneinanderreiht und es dabei belässt. Dies trifft hier glücklicherweise nicht zu. Mit den Bedingungen, wie im Kindesalter Autonomie entsteht und sich ein lebendiger Austausch zwischen der Welt und dem Kind anbahnt, beschreibt der Autor die psychologischen Ursachen einer gesunden oder eben fehlgeleiteten Entwicklung des Menschen. Gruen ist Psychoanalytiker, und ihm diesen Umstand, der sich natürlich auch in seinem Schreibstil äußert, negativ anzukreiden oder als "Geltungsdrang" auszulegen, halte ich, gelinde gesagt, für nicht sehr geglückt. Manche mögen sich doch besser mit "Do-it-yourself Rezepten zum glücklichen Leben" beschäftigen, ist vielleicht besser so.
Gruen zieht häufig Beispiele aus der Literatur und der deutschen Kriegsvergangenheit heran, um das Bild des anscheinend Normalen zu illustrieren. Ein besonderes Augenmerk legt er auf den recht selten kommentierten Umstand, dass die Deutschen recht schnell und reibungslos die Ideologie des Faschismus mit der neuen Ordnung der Demokratie vertauschten und sich so eine neue Identität überstülpten.
"Der Wahnsinn der Normalität" ist ein ganz hervorragendes Buch geworden. Jeder von uns kann sich hinterfragen, wie viel echtes Gefühl im Laufe der eigenen Sozialisation auf der Strecke geblieben ist und wo die Anpassung erfolgte. Wer sich nicht hinterfragen will, soll es dagegen einfach bleiben lassen.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut empfehlenswert, 6. Februar 2006
Auch dieses Buch von Arno Gruen kann ich nur jedem ans Herz legen. Es knüpft an "Der Verrat am Selbst" an und erklärt die Ursprünge von Grausamkeiten, Machtspielchen, Manipulationen, die ein grundsätzliches Übel in früheren Epochen waren und in unserer heutigen Gesellschaft immernoch weit verbreitet sind. Arno Gruen legt diese krankhaften Machenschaften schonungslos offen dar.Absolut empfehlenswert!!!
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