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Mercedes-Benz: Aus den Briefen an Hrabal Roman
 
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Mercedes-Benz: Aus den Briefen an Hrabal Roman (Taschenbuch)

von Pawel Huelle (Autor), R. Schmidgall (Übersetzer)
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423133023
  • ISBN-13: 978-3423133029
  • Originaltitel: Mercedes-Benz. Listow do Hrabala
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 224.285 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit der Frage nach polnischen Schriftstellern kann man selbst belesene Zeitgenossen in Verlegenheit bringen. Das muss sich ändern, zum Beispiel wegen solcher Bücher wie Mercedes Benz, das neben einer poetisch-zarten Liebes- und Familiengeschichte aufschlussreiche Einblicke in die Befindlichkeit unserer östlichen Nachbarn bietet.

Pawel, der Erzähler, nimmt Unterricht beim deutlich jüngeren Fräulein Ciwle, der mutmaßlich schönsten Fahrlehrerin von Danzig. Ihr kleiner Fiat wird unversehens zur Zeitmaschine, denn während Pawel sich durch die "grässlich verstopfte Stadt" lotsen lässt, gibt er Anekdoten aus seiner autoverrückten Familie zum Besten: Wie Großvater Karol dank einer Verkettung unglücklicher Umstände glücklich in den Hafen der Ehe einlief; wie er mit seinem Mercedes 170 jede Ballon-Jagd gewann; wie er das gute Stück schließlich an die Rote Armee verlor. Und wie der Vater jahrelang lieber Bus als Trabbi oder Syrenka fuhr, bis es für einen aufgemöbelten Mercedes -- nach 1945 ein Skandal ("Gestapo, Gestapo!") -- reichte.

Genial beiläufig erzählt Huelle so die wechselhafte Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, von der ahnungsvollen Idylle vor 1939 ("das wiedergewonnene Chaos"), der Leidenszeit unter Nazis und Kommunisten und der Ernüchterung über die postsozialistischen Zustände, wo die "Arithmetik des bloßen Gewinns, reingewaschen vom Schmutz überflüssiger Ideen" herrscht. Man flüchtet also ins kleine Glück, hofft -- vorsätzlich naiv -- auf die "Kommunion des Wortes, die die Menschen jenseits von Geschlecht, Politik und Herkunft verbindet" -- durchaus unter Einwirkung mehr oder weniger legaler Drogen.

Süchtig werden kann man auch nach dieser ganz eigenen Prosa, die mit erstaunlich eingängigen Endlos-Sätzen das Geplänkel zwischen Pawel und der Ciwle ebenso überzeugend inszeniert wie den sozialkritischen Blick auf ostmitteleuropäische Verhältnisse. Der schlanke Roman ist eine meisterhafte Geschichtslektion ohne moralischen Zeigefinger und nicht zuletzt eine berührende Hommage an Bohumil Hrabal, den tschechischen "Erzähler, vor dem ich verstummen muss". Aber zum Glück erst nach 160 Seiten! --Patrick Fischer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2003
Für einen ausgesprochen lesevergnügten Rezensenten Richard Kämmerlings konzentriert Pawel Huelle in seinem neuen Roman "nicht weniger als das Schicksal Polens im zwanzigsten Jahrhundert". Zugleich ist der Roman für Kämmerlings durch und durch aus literarischen Anspielungen gefertigt, so wie der titelgebende Mercedes-Benz-Oldtimer des Vaters des Erzählers schließlich nur noch aus Ersatzteilen bestehe. Außerdem sei dieser Roman eine "offene Hommage" an den "großen Tschechen" Bohumil Hrabal, sein erzählerischer Rahmen "ein posthumer Brief an das bewunderte Vorbild". Für den Rezensenten ist dies Buch, das man wegen der "pikaresken Form, in der satirische Skizzen der postsozialistischen Realität mit der Familiengeschichte Huelles" verschränkt werden, leicht unterschätzen könne, zudem "eine Erforschung des Mysteriums Erinnerung, der poetischen Produktivkraft schlechthin". Im organisierten Chaos des Danziger Stadtverkehrs erkennt der Rezensent das erzählerische Modell dieses leichten und wendigen Buchs: "oft scheinen die einzelnen Worte seiner oft über eine halbe Seite reichenden Sätze dreispurig dahinzugleiten, sich im Kreisverkehr zu drehen und waghalsige Wendungen zu vollziehen". Für den hochbeglückten Rezensenten aber sind die Bremsen das wichtigste Ausstattungsstück dieser erzählerischen S-Klasse: "S wie Schelmenroman".

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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5.0 von 5 Sternen bezaubernde Prosa, ein Blick nach Polen, 8. März 2003
Von Martin Stauder - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Mercedes Benz (Gebundene Ausgabe)
Pawel Huelle hat einen Roman über seine Familie geschrieben. Er wirft einen Blick auf die polnische Geschichte des 20.Jahrhunderts und erzählt über die Autos, die in der Familie gefahren wurden.
Vater träumte von einem Mercedes, und eines Tages tuckerte er mit einem Mercedes 170 DS die Straße hinauf. Zwei Jahre lang wurde in einer Werkstatt an dem Unfallwagen herumgeflickt, denn Ersatzteile gab es nicht, und als die Familie in den Urlaub fuhr, war er glücklich, wenn er von morgens bis abends an dem Auto reparieren konnte. "...nichts machte ihm mehr Vergnügen als irgendein Zwischenfall". Wenn das Auto auf einer Strecke nicht kaputtging, "fuhr er schweigend, offentsichtlich gelangweilt von der Monotonie..." Das Auto war sein ganzer Stolz. Die Nachkriegsjahre waren schwer. Großvater, als Volksfeind verrufen, wurde wegen Provokation inhaftiert, nur weil er nachfragte, warum seinen Forschungen als Ingenieur reaktionär gewesen seien. Großvater Karol fuhr auch einen Mercedes-Benz. Damit er nicht kaputtging, "mußte man nach fünfhundert Kilometern die Spannung vom Keilriemen des Lüfters prüfen, den Stand des Öls und der Kühlflüssigkeit und schließlich die Brenmsen aller Räder, alle eintausendfdünfhundert Kilometer mußte man..."usw. Pawel Huelle zählt über eineinhalb Dutzend Maßnahmen zur Fahrzeugerhaltung auf, und der Wagen ging nie kaputt, wurde allerdings von der Roten Armee konfisziert, und damit Großvater nicht sagen brauchte, die Rote Armee stehle, bekam er vom pockennarbigen Oberleutnant einen Requisitionsschein.

Pawel, Großvaters Enkel und Erzähler des Romans, nimmt in Danzig Fahrstunden bei Fräulein Ciwle. In der ersten Fahrstunde bleibt er nach vierzig Metern auf einer lebhaften Kreuzung stecken und verursacht ein Verkehschaos. Der kleine Fiat stand auf der Kreuzung und Pawel beginnt, Fräulein Ciwle seine Familiengeschichte zu erzählen: "Wissen Sie, als meine Großmutter Maria 1925 mit einem Citroen auf einem Bahnübergang stehenblieb und von rechts...schon der Eilzug Wilna - Baranowicze - Lemberg hinter der Kurve hervorkam..." Ihr Fahrlehrer "erfaßte die Situation blitzschnell und sagte: 'Fräulein Maria, wir springen sofort raus oder wir kommen um'- also sprangen sie,..."

Der Roman ist einfach bezaubernd. Die Sätze sind sehr lang aber wirken nie konstruiert, diese Prosa ist sehr genüsslich zu lesen. Der Autor legt einen glänzenden Humor hin, fädelt geschickt politische Geschichte ein und gewährt Einblicke in das Leben der Menschen - Glück, Suche nach Glück, Unglück. Ein sehr bewegender Roman, auch eine Hommage an den tschechischen Erzähler Bohumil Hrabal.

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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Mein Buch des Jahres, 15. Dezember 2007
Dieses Buch ist unglaublich gut geschrieben, es ist wie ein einziger Satz: Die Geschichte, die auf mehreren Ebeben erzählt wird, packt den Leser, der nie aufhören will zu lesen und ist nicht nur für Danziger oder Freunde der polnischen Literatur ein wahrer Kunstgenuss. Ich werde dieses Buch bald wieder lesen, auch weil es spannend ist und auf so leichte Weise die Geschichte Polens und das Wesen seiner Menschen vermittelt! Noch selten habe ich so gerne darin gelesen und das Lesen so ungern unterbrochen.
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