oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
 
 
Alle Angebote
79 Angebote ab EUR 10,00

Möchten Sie verkaufen?
Hier verkaufen
 
   
Die wilden Detektive: Roman
 
Größeres Bild
 

Die wilden Detektive: Roman (Taschenbuch)

von Roberto Bolaño (Autor), Heinrich von Berenberg (Übersetzer)
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 12,90 Kostenlose Lieferung. Siehe Details.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.

Noch 4 Stück auf Lager.

Lieferung bis Dienstag, 24. November: Wählen Sie an der Kasse Overnight-Express. Siehe Details.
76 neu ab EUR 12,90 3 gebraucht ab EUR 10,00

Wird oft zusammen gekauft

Kunden kaufen diesen Artikel zusammen mit 2666 von Roberto Bolano

Die wilden Detektive: Roman + 2666
Preis für beide: EUR 42,80

Verfügbarkeit und Versanddetails anzeigen

  • Dieser Artikel: Die wilden Detektive: Roman von Roberto Bolaño

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • 2666 von Roberto Bolano

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung. Details


Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch

Telefongespräche: Erzählungen

Telefongespräche: Erzählungen

von Roberto Bolaño
5.0 von 5 Sternen (1)  EUR 9,90
2666

2666

von Roberto Bolano
3.9 von 5 Sternen (9)  EUR 29,90
Der unerträgliche Gaucho

Der unerträgliche Gaucho

von Roberto Bolano
5.0 von 5 Sternen (1)  EUR 16,90
Chilenisches Nachtstück

Chilenisches Nachtstück

von Roberto Bolano
5.0 von 5 Sternen (1)  EUR 17,90
Exil im Niemandsland: Fragmente einer Autobiographie

Exil im Niemandsland: Fragmente einer Autobiographie

von Roberto Bolano
EUR 19,00
Weitere Artikel entdecken

Produktinformation

  • Taschenbuch: 784 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. März 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423131829
  • ISBN-13: 978-3423131827
  • Originaltitel: Los detectives salvajes
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 18.364 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"... ein wunderbares Zeugnis seiner Generation und aller Generationen, die Literatur mit der gleichen Leidenschaft genießen, mit der sie das Leben genießen." (J. A. Mysoliver Radenos, La Vanguardia)

"Es wird ein Bolano-Fieber geben bei denen, die das Lesen als Abenteuer begreifen." (Matthias Matussek, Spiegel)

"Ein originelles und wunderschönes Buch, unterhaltsam, bewegend, wichtig." (Ignacio Echevaria, El Paes)

"Roberto Bolano steht für eine junge Generaton südamerikanischer Autoren, die aus den poetischen Gehäusen des Mythos wie des Logos ins Offene aufgebrochen sind." (Andreas Breitenstein, Neue Züricher Zeitung)


Kurzbeschreibung

»Sie haben mich eingeladen, am viszeralen Realismus teilzunehmen. Natürlich habe ich ja gesagt... Ich weiß nicht genau, was das eigentlich ist«, vertraut Juan Garcia Madero seinem Tagebuch an. Sie: das sind die Köpfe jener literarischen Avantgarde, Ulises Lima und Arturo Belano. Um Definitionen ihrer Bewegung sind die beiden indes wenig bemüht, und auch dem frühreifen Jurastudenten ist das letztlich egal.

Freimütig erzählt er von seiner literarischen und sexuellen Initiation: vom fiebrigen Künstlerleben in verrauchten Cafes, von ersten Liebesabenteuern, erbitterten literarischen Feindschaften, von den Auswüchsen eines beginnenden Wahnsinns.

Was als Farce begann, wird zu einem irren Unternehmen: Denn als sich Lima und Belano auf die Suche nach einer geheimnisumwobenen Dichterin, der Urmutter des Real-viszeralismus, machen, gehen die beiden zwielichtigen Gestalten dem Leser verloren. Das Detektivische doppelt sich: In Lissabon, Barcelona, Paris, Wien, Tel Aviv wurden sie gesehen.

Unzählige Literaten, Dealer, Huren, Psychopathen und Lebenskünstler wissen immer wieder eine neue Geschichte zu berichten, um das abenteuerliche Leben der wilden Detektive zu rekonstruieren. Sind sie zu greifen?


Was kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?

Die wilden Detektive: Roman
55% kaufen den auf dieser Seite vorgestellten Artikel:
Die wilden Detektive: Roman 4.0 von 5 Sternen (4)
EUR 12,90
2666
22% kaufen
2666 3.9 von 5 Sternen (9)
EUR 29,90
Telefongespräche: Erzählungen
9% kaufen
Telefongespräche: Erzählungen 5.0 von 5 Sternen (1)
EUR 9,90
2666
8% kaufen
2666 4.3 von 5 Sternen (3)
EUR 10,25

Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden

 (Was ist das?)
Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
 

 

 

Kundenrezensionen

4 Rezensionen
5 Sterne:
 (3)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
4.0 von 5 Sternen (4 Kundenrezensionen)
 
 
 
 
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel:
Die hilfreichsten Kundenrezensionen

 
11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wer versteht Bolano?, 7. Juni 2004
"Los detectives salvajes" war nach langer Zeit ein Roman, der wirklich beeindruckt: in seiner Fülle - zunächst - und mit seiner Phantasie und Poesie. Bolano ist es gelungen die Stimmung und das Lebensgefühl der jungen (Möchtegern)Dichter zu beschreiben, ihre Illusionen, ihre Träume, ihre Wege und ihr Scheitern, ihre Rückkehr ins Bürgerliche und ins europäische Exil. Ausserdem beschert Bolano sozusagen einen Überblick der süd- und mittelamerikansichen Literatur (natürlich entlang seiner Vorlieben und Antipathien) und über lateinamerikanische Geschichte v.a. der jüngeren Vergangenheit. Und die Detektive verweigern sich dem wohlgeordneten europäischen Denken und wohl den Vorstellungen wie ein Roman sein muss. Eine wunderbare Überraschung. Schade, dass Roberto Bolano letztes Jahr verstorben ist!
Kommentar Kommentar | Kommentar als Link | War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein (Rezension unzumutbar?)



 
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Auf der Jagd, 16. September 2009
Ich lernte Arturo Belano und Ulises Lima nur durch Zufall kennen. Es war im Sommer 2009, in einem kleinen Antiquariat in Berlin. Man hatte sie beide längst für tot gehalten, man hatte sie längst vergessen. Deutschland vergisst gerne, denke ich. Warum? Tja, das habe ich selbst nie begriffen.

Die wilden Detektive rund um Cesárea Tinajero oder nein, rund um Roberto Bolaño, oder: um Belano & Lima, sind mehr als nur wild: sie sind unkontrollierbar, - ihrer Fährte zu folgen ist ein Hindernisparkur, ein Gewaltakt, eine Frage der Aufmerksamkeit. Ich, der ich unschuldig war, unwissend, einer, der wirklich nie begriffen hat, was ein Tetrastichon ist (eine Strophe aus vier Versen), oder ein Glyconeus (ein in der klassischen Metrik gebräuchlicher Vers, der sich als vierfüßiger katalektischer Logaeder in syllabam definieren lässt), einer, das sei allen gesagt, der von mexikanischer Geschichte oder Geographie nichts wusste, - Hermosillo auf der Karte zu finden?, sicher, aber Caborca?, - einer, der von sich behauptet hatte, er lese gerne auch mittelamerikanische Literatur, & der in Wirklichkeit doch keine Ahnung davon hatte, ich, ja, also ich! griff zu den wilden Detektiven, um den Realviszeralismus, den viszeralen Realismus (oder wie auch immer) zu begreifen. Habe ich ihn begriffen? Ich befürchte es.

Dieses Buch, ja, denn darum geht's ja eigentlich, dieses Buch ist ein episches, ein mühseliges, ein kompliziertes Buch. In drei Teile gegliedert, chronologisch durch den letzten gebrochen, vermittelt es eine unpräzise Präzision von Wahrheit & Fiktion, etwas, das sich, selbst jetzt, 24 Stunden nach dem letzten Wort, schwer benennen lässt. Zumindest für mich. Dennoch sei's gewagt: Es geht um Mexiko, ja. Es geht um Menschen in Mexiko, hauptsächlich um Dichter & Schriftsteller. Es geht um mexikanische Literatur. Südamerikanische um genau zu sein. Es ist eine Kritik, eine Satire auf den Akt des Kritikerlebens, des Schriftstellerlebens im allgemeinen. Es ist nichts davon. Was als Komödie beginnt, endet als Horrorfilm.

Im ersten Teil schildert der siebzehnjährige Juan García Madero sein Eintreten ins Erwachsenenleben unter dem Aspekt der Avantgarde des Realviszeralismus. Soweit so klar. Juan schreibt Tagebuch, seine Einträge sind präzise. Mitte der siebziger Jahre eilt er wie viele andren durch Mexiko Stadt, er verliebt sich, hat Sex, - aber es bleibt nicht normal, es ist nicht diese schlichte Geschichte von der Jugend, oder dergleichen. Juan gerät immer tiefer in ein Netzwerk des viszeralen Realismus, den er zu fassen versucht, & kommt dabei in die Gravitation von Lima & Belano, die ihn ebenso verschlingen wie seinen Verstand. Ein Schrecken zeichnet sich leise & dunkel ab, langsam. In schlichten Nebensätzen, die angeschnitten & noch im Anschneiden fallen gelassen werden. Etwas furchtbares wird geschehen, aber dann, ja, verlassen sie zu später Stunde doch noch die Party.

Der zweite Teil ist da schon wesentlicher härter, - er macht den wesentlichen Bestandteil des Buches aus. Nichts, was im ersten Teil geschehen ist, scheint im zweiten eine Bedeutung zu haben. Lima & Belano sind fort, & was sie zurückgelassen haben, ist Chaos. Charaktere, die man am Anfang zu kennen glaubte, sind verrückt geworden, - verrückter, müsste man sagen, - & was vorhin noch Liebe war, ist jetzt Einsamkeit. Dutzende Menschen im Umkreis (& noch darüber hinaus) berichten von beiden & ihrer Jagd nach Cesárea Tinajero, der geheimnisvollen, der Mutter aller Dichter, - dies geschieht im Stil von Interviews, die über Tage, Monate, Jahre! hinweg geführt werden. Dabei ist nicht nur einfach ein kultureller Querschnitt verschiedener Schichten entstanden, sondern ein Kaleidoskop einer Zeit im Zusammenbruch, Aufbruch, im Wahnsinn, im Exil. (Denn ja, um das Exil geht es letzten Endes). Als Leser verfolgt man Lima & Belano wie Schatten, ohne sie dabei je wirklich zu sehen zu bekommen; sie sind Teufel, sie sind Romantiker, sie sind besessen & unberechenbar, - was ist aus jenen geschehen, die man zu kennen glaubte, & wie entwickelt sich ihr Leben?

Der zweite Teil ist mühsam. Zugegeben. Ich denke, er wird für viele auch ausgesprochen langweilig sein. Weshalb? Menschen sind unterschiedlich, das sind sie auch bei den wilden Detektiven. Einer, ein Literat, reiht seitenweise Namen aneinander, Schriftstellernamen. Ein anderer rattert lateinische Sprichwörter herunter als ginge es um sein Seelenheil, - & vermutlich tut es das auch. Unzusammenhängend wirkende Einzelmomente werden vernäht, nur um wieder auseinander gerissen zu werden; es ist ein Flickenteppich aus zwanzig Jahren, - von Menschen aus verschiedenen Ländern getragen, Wien, Tel Aviv, Paris, Lissabon, Barcelona, Mexiko, etc. etc. Das kann ermüden, & es wird ermüden. Es als Roman für Zwischendurch zu lesen kann man in jedem Fall getrost vergessen. Vergessen, jaja.

Der dritte Teil knüpft da an, wo der erste endet, & was dort geschieht, in der Wüste Sonora, erklärt alles. Es lässt nicht unbedingt mit offenem Mund staunen, - ich bezweifle, dass viele Menschen heute noch zum Staunen in der Lage sind, - aber es weckt die Erinnerung an einen Schrecken, der vergessen war, ein Kindheitsalptraum sozusagen, nur aus einer so unermesslichen Ferne, dass man danach, nach dem Weglegen des Buches, fragen muss, was es bedeutet, das alles. Worauf der viszerale Realismus letzten Endes hinausläuft. Das Fenster, das zum Schluss geöffnet bleibt, macht den unbescholtenen Leser, den unwissenden, zu einem Verschwörer, der mit dabei war, der alles begriffen hat & der trotzdem nach immer mehr fragen muss. Nein, es ist nicht einfach. Nein, es ist nicht für jeden. Mich hat es jedoch wahnsinnig beeindruckt. Diese Realität ist es, in der wir leben. Diese Zeit, 2600 & ein paar zerquetschte, darauf läuft es hinaus: Du hast nichts begriffen, nichts, von allem.

Fazit? Die wilden Detektive ist ein böses, zynisches, ein düsteres Buch voller Dämonen, & Menschen, die sich als solche ausgeben. Es ist manisch, es ist traurig, es macht unglaublichen Spaß, es langweilt zu Tode. Großartig!, wie kann man so was nur aus den Augen verlieren?, wie kann man's nur vergessen? In diesem Buch steckt nicht nur ein Universum, sondern hunderte. Mehr Bolaño!


Kommentar Kommentar | Kommentar als Link | War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein (Rezension unzumutbar?)



 
20 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Die zahmen Wilden, 24. Juni 2002
Diese Rezension stammt von: Die wilden Detektive (Gebundene Ausgabe)
Der Plot des neuen, fast siebenhundert Seiten starken Romans von Roberto Bolano, der, 1953 in Santiago de Chile geboren, 1973 nach Mexiko ins Exil ging und seit 1976 in Spanien lebt, ist schnell erzählt: im ersten Teil schildert die Hauptperson, der 17-jährige García Madero, in Form eines Tagebuchs Lebens- und Denkweise um die Gruppe der „Viszerealisten" und ihre beiden dubiosen Köpfe Ulises Lima und Arturo Belano, die in Mexiko-Stadt des Jahres 1975 einerseits Anhänger um sich scharen, die-se aber andererseits bald wieder aus der Bewegung ausschließen und sich nach einem rauschenden Neujahrsfest auf die Suche nach der legendären Dichterin Cesárea Tina-jero begeben; diese Suche schildert García Madero im dritten Teil des Romans, der nahtlos an das Ende des ersten Teils anschließt, eine Suche, die die beiden Häupter der Bewegung zusammen mit dem Erzähler und der jungen Prostituierten Lupe quer durch die Sonora-Wüste führt, wo sie die gesuchte greise Dichterin zwar finden, sie aber im Kampf gegen den sie verfolgenden Zuhälter Lupes endgültig verlieren; zwi-schen diesen beiden Teilen findet sich eine Sammlung von fast hundert nicht chronolo-gisch geordneten „Augenzeugenberichten", die Auskunft geben über die Odyssee der beiden übrig gebliebenen Viszerealisten Lima und Belano quer durch Amerika, Afrika und Europa in den Jahren 1976 bis 1996, wobei Identität wie Abenteuer der beiden auf Grund der widersprüchlichen Aussagen fragwürdig bleiben.
Roberto Bolano erhielt für diesen Roman mehrere Preise, darunter den Premio Heralde sowie den Premio Rómulo Gallegos, zwei der größten Auszeichnungen der spanisch-sprachigen Welt; auch in deutschsprachigen Ländern brandete Beifall auf, der noch immer anhält. Ich denke, die mehr oder weniger ungeteilte Zustimmung beruht auf meh-reren Mißverständnissen und, vielleicht auch das, flüchtiger Lektüre. Denn in Wahrheit löst der Roman nicht ein, was Klappentext und manche enthusiasmierten Lobredner verheißen.
Da ist einmal die Konstruktion des Romans: warum das Tagebuch des jungen Studen-ten von einer Textsammlung unterbrochen wird, die einen Zeitraum umfaßt, der nach dem Ende des Tagebuchs (und des Romans) liegt, ist weder notwendig noch plausibel. Dazu kommt, daß nicht klar wird, wer diese Sammlung erstellte - der Autor? -, noch ist die Sprache dessen, der das Tagebuch verfaßt, authentisch, d.h. einem jungen Stu-denten gemäß: einmal ergeht sich dieser in oberflächlichen Notizen und pubertären Phantasmagorien, dann wieder in akribischen Wiedergaben von Gesprächen, wie sie kein menschliches Gehirn in dieser Genauigkeit behalten kann.
Damit bin ich beim zweiten, dem Haupteinwand: der Figur des jungen García Madero. Es handelt sich um einen halb- oder besser: ungebildeten, aber gleichwohl eingebilde-ten Studenten, der nur darauf aus ist, ein berühmter Dichter zu werden, und sich des-halb der Gruppe der Viszerealisten anschließt (von deren Idealen und Zielen - sofern überhaupt vorhanden - er nichts versteht), dessen eigentliches Interesse aber im Ver-lust seiner Jundfräulichkeit liegt und der, als ihm dies endlich glückt, von einem amou-rösen Abenteuer zum anderen jagt und - welch satirischer Einfall! - mit der Stoppuhr Zahl und Dauer seiner Orgasmen mißt. Statt ihn zum Mittelpunkt eines Entwicklungs-romans zu machen, beläßt ihn Bolano in seiner Eindimensionalität und Unveränderlich-keit (wenn man von dessen plötzlichem Wissenszuwachs in Sachen antiker Strophen-formen zu Beginn des dritten Teils absieht, mit dem er seine Mitreisenden und den Le-ser nervt) und nimmt sich damit die Möglichkeit, fundierte, glaubwürdige Kritik an Dich-tergestalten wie der Generation, der der Autor selbst angehört, zu üben.
Damit komme ich zum immer wieder behaupteten „Vatermord", den der Autor mit die-sem Roman an den Großen der Literatur angeblich verübt: wie viele seiner Generation gefällt sich Roberto Bolano im Rundumschlag gegen alle Dichtergrößen nicht nur sei-nes Kulturkreises - hunderte Schriftstellernamen spanischer, französischer und anderer Sprachen werden genannt -, aber seine Kritik fällt - angesichts der Protagonisten sei-nes Romans muß man sagen: zwangsläufig - dürftig aus: da teilt einer der jungen Stürmer und Dränger DichterInnen in „echte Schwule, Tunten, Schwuchteln, Verrückte, Tatterschwuchteln, Schmetterlinge, Milchfaune und hellenistische Zwergtunten" ein, da versuchen andere den in Mexiko von den jungen Schriftstellern wohl meistkritisierten, meistgehaßten Dichter Octavio Paz von seinem Podest zu stoßen, aber statt dessen fragwürdige politische und übermächtige kulturpolitische Rolle in seinem Land zu kriti-sieren, fällt ihnen nicht viel mehr ein, als seine Diktion und Vortragsweise zu parodieren (ein in mexikanischen Künstlerkreisen bis heute beliebtes Gesellschaftsspiel). So ist Bolanos Roman kein Vatermord an den Großen der lateinamerikanischen Dichtung, sondern ein Abgesang auf eine Generation, die die von ihr kritisierten Vorbilder nach-ahmt und einen ultimativen Jahrhundertroman nach dem anderen zu schreiben ver-sucht.
Zuletzt noch eine Anmerkung zu Roberto Bolaos Sprache: auf die Widersprüchlichkeit im Stil des Tagebuchschreibers habe ich schon hingewiesen; was aber schwerer wiegt, ist die Langatmigkeit zahlloser Passagen: da führen seine Figuren seitenlangen, ermü-denden small-talk oder lächerliche poetische Diskurse, bei denen keiner etwas Essenti-elles zu sagen hat, verbreitert sich der Student García Madero ausführlichst und wie-derholt über seine sexuellen Eskapaden, bis man ungeduldig weiterzublättern beginnt, läßt Bolano, in offenkundiger genauer örtlicher Kenntnis, Namen von Straßen, Plätzen und Lokalen fallen, ohne sie aber mit Leben zu füllen, so daß dabei nicht viel mehr als ein name-dropping herauskommt, für Mexikaner und Eingeweihte vielleicht ganz nett und Anlaß, den eigenen Erinnerungen wieder einmal nachzuhängen, für Ortsunkundige aber ohne Reiz und Gewinn. Dasselbe gilt für die zahlreichen Anspielungen und Quer-verweise aus dem Bereich der Literatur (die bei der Mehrzahl der europäischen Leser ins Leere gehen werden und auf die hier genauer einzugehen der Platz fehlt).
Daß der Roman satirisch gemeint ist, liegt auf der Hand, aber ich fürchte, seine (reich-lich stumpfe) Spitze richtet sich gegen die Falschen, denunziert eine ganze Generation (Roberto Bolano stellt den aufgeblasenen Möchtegerndichtern keinen Widerpart entge-gen, so daß der Eindruck entstehen könnte, er sei der Meinung, den kritisierten - gleichzeitig aber auch imitierten - Dichtergrößen der Vergangenheit sei nichts Nen-nenswertes mehr nachgefolgt) und damit letztlich auch den Autor selbst.
Kommentar Kommentar | Kommentar als Link | War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein (Rezension unzumutbar?)


Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel: Eigene Rezension erstellen
 
 
 
Die neuesten Kundenrezensionen

5.0 von 5 Sternen Wenn der Leser zum Detektiv wird....
Ein Detektiv ist jemand, der die Welt und die Menschen um ihn herum mit einer unerschöpflichen Sichtweite aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet. Lesen Sie weiter...
Vor 15 Tagen von T. Coskun veröffentlicht

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen



Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen. Meinungen austauschen. Neues erfahren.
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
aus liebe wurde angst, enttäuschung oder hass... 20 Vor 13 Minuten
Suche harte und doch romatische Erotik 808 Vor 8 Stunden
Was haltet ihr von Poetry Slams? 9 Vor 8 Stunden
der dichtende saunameister 5 Vor 8 Stunden
Frohe Weihnachten? 1 Vor 10 Stunden
Kleine Gedichte... 503 Vor 11 Stunden
WANTED! Bücher, die faszinieren 52 Vor 12 Stunden
   
Ähnliche Foren
  • romane  (1023 Diskussionen)


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar


Für Sie dokumentiert

 (Was ist das?)

Sobald Sie sich Produktseiten oder Suchergebnisse angesehen haben, finden Sie diese Seiten zu Ihrer Information hier aufgeführt.