Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein frischer Wind weht ..., 2. Juli 2003
Von Ein Kunde
Windy besitzt einen Friseursalon in Austin. Auf dem Stuhl nimmt auf der ersten Seite des Romans ein Professor Platz, von dem wir weder den Namen erfahren noch seine Lehrbefugnisse, doch es wird deutlich, dass er Professor für Literatur oder Philosophie sein muß, oder doch eher für Physik. Dieser Professor ist wohl schon lange ein Kunde von Windy, denn Windy kommt ins Plaudern und erzählt ihre Geschichten: wie sie mit ihren beiden Kindern in einem Wohnwagen wohnt, wie ihr Freund sie verlassen hat und wieder zurückkehrt ist, wie der Dekan der Universität alles weiß und alle beherrscht, und Richter Caldwell eine dunkle Seite besitzt. Dass es in der Gegend eine Höhle gibt, in der man in die Unterwelt steigen kann. Dass sie in die Zukunft schauen kann, und dass sie mit den Toten spricht. Und Windy philosophiert, angeregt durch die TV-Dokumentationen aus dem Discovery Channel. „Ich glaube übrigens, dass es alle künftigen Ereignisse schon gibt. An ihrem Platz in der Zeit...Man muss nur die Zeichen richtig deuten ... Sie erinnern sich an Moses. Er ist draußen unterwegs. Und er wandert zwischen Büschen umher. Und da ist ein Busch, der brennt ganz ruhig vor sich hin, ohne zu verbrennen. Und aus diesem Busch kommt eine leise Stimme. So sehen die wahren Zeichen aus. An wie vielen brennenden Büschen geht man in seinem Leben vorbei, wenn man nicht aufmerksam ist. Und also gelernt hat, die Zeichen zu deuten...." Auf der letzten Seite der Erzählung steigt der Professor mit geschnittenem Haar aus dem Stuhl und verlässt den Friseursalon; er verspricht, Windy einmal zu besuchen. - Lars Gustaffson ist ein kluger, philosophischer Kopf und ein konzentrierter, geistreicher, doch nicht geschwätziger Erzähler. Dass die Geschichte aus dem Mund von Windy erzählt wird, macht die Erzählung frisch und einfach, zugleich aber sprachlich nicht so kunstvoll; so mancher Satz ist nicht vollständig ausformuliert. Dennoch ist der Roman sehr lesenswert, ich habe das Buch mit seinen 132 Seiten an zwei Nachmittagen mit großer Lust durchgelesen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Friseure, lasst das Philosophieren sein!, 1. November 2008
Wurde ja auch Zeit, dass sich jemand eines solch gewitzten Themas annimmt: Friseurgespräche. Normalerweise pflegen die Fachkräfte der "beschneidenden" Zunft Kundenkonversationen nicht über einen recht einfältigen thematischen Rahmen hinaus zu führen. "Musst du noch zur Schule?", "Und, wohin solls denn gehen, nächsten Urlaub?", "Nein, das Wetter ist doch heute wieder furchtbar!" Puh. Wär ja alles noch erträglich, aber da uns die Frau Friseurin auch wirklich jedes Mal mit den gleichen tiefenpsychologischen Fragestellungen zu ergründen sucht, langweilen wir uns mit der Zeit dann doch ein wenig während der "Mattenkürzung".
Ganz anders ist das natürlich bei Lars Gustafsson. Der lässt seine Friseur-Protagonistin Windy Mal eben einen Monolog über 132 Seiten aufsagen, der selbst ihrem Kunden, einem gebildeten Professor, noch die gekürzten Haare zu Berge stehen lässt. Bar jeder Struktur, jeder Dramaturgie, ja selbst jeder Handlung, flickt der schwedische Romancier hier einen Text aus Klatsch und wirren Kindheits-Anekdoten Windys zusammen - nur scheinen diese chaotisch gereihten Versatzstücke kein Ganzes zu ergeben. Brauchen sie wohl auch nicht. Angeblich sollen doch bereits die losen Einzelteile fürchterlich bedeutungsschwer sein: "Windys Erzählung umkreist Themen, über die Philosophen Traktate schreiben", schwadroniert der Klappentext. Also das Einzige, was hier kreist, ist mein Kopf! Welche Bedeutung hat es denn, wenn unsere Erzählerin ihre Kindheitsnächte neben einem defekten Erdgasofen verbringen und ausströmende Dämpfe inhalieren musste? Jawohl, die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, soll unsere paranoide Psycho-Friseuse dadurch erhalten haben!
Zwischen schwach gezeichneten Charakteren, einer regelrechten Nicht-Handlung und platter Sprachgestaltung ist "Windy erzählt" weder als Roman noch als philosophische Abhandlung gewinnbringend, denn nichts von beidem ist das Buch, das sich liest wie das Stichwortverzeichnis eines Philosophie-Lehrwälzers. Fragen ohne Antworten. Über "Windy erzählt" vergeht einem glatt die Lust auf solch haarige Geistesergüsse - und wir denken genügsam: sollen sie nur kommen, die angenehm bescheidenen Gespräche beim Real-Friseur!
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