Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Drama, 28. Juni 2004
Dieses nicht sehr berühmte Buch dieser durchaus sehr berühmten Autorin, ist den meisten wohl durch die Verfilmung von Volker Schlöhndorf bekanntWährend der Wirren der Russischen Revolution begegnen sich zwei Männer und eine Frau in einem baltischen Schloß. In dieser Atmosphäre des Krieges, der Not und des Zusammenbruchs der geistigen Welt entwickelt sich eine Geschichte voll erotischer Spannung zwischen den drei ungleichen, wurzellos gewordenen Menschen, die in einen ausweglosen Konflikt von Liebe und Haß, Stolz und Einsamkeit führt. Nicht spannend aber fesselnd ( ich habs nun in 2 Tagen durch), nimmt einen die Geschichte gefangen. Eine tolle Wiederentdeckung der SZ-Redaktion, in einer tollen Ausgabe. Zugreifen !
|
|
|
9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
In der Literatur seltene Perspektive, 30. Juli 2004
Marguerites Yourcenars Roman „Der Fangschuß", der mit weniger als neunzig Seiten mit der Bezeichnung Kurzroman deutlich treffender klassifiziert ist, bietet eine in der Literatur seltene Perspektive.Zum Inhalt: Die Hauptfigur, Erich, ein preußischer Offizier mit französischem Namen, Ich-Erzähler, beschreibt in einer Zeit während des 1. Weltkrieges sein Verhältnis zu einem Geschwisterpaar, Sophie und Konrad. Sophie versucht Erich für sich zu gewinnen, Konrad dagegen fühlt sich jedoch zu ihrem Bruder hingezogen. Dieses Dreiecksverhältnis ist zum Scheitern verurteilt und scheitert auch tragisch. Zur Perspektive: Der Autor eine Frau, der Ich-Erzähler ein Mann, diese Kombination ist in der Literatur wahrlich selten anzutreffen. Dazu ist die Handlung geprägt durch die Gräulichkeiten des Krieges, auch Kriegsstrategien werden beschrieben. Dies habe ich von einer Autorin so noch nicht gelesen. Anna Seghers schreibt in „Das siebte Kreuz" ähnliches. Beiläufig sei erwähnt, wenn ich einen der beiden Romane empfehlen sollte, dann ist es definitiv „Das siebte Kreuz", ein hochbeachtetes und zurecht gerühmtes Meisterwerk über den Nationalsozialismus. Ein Meisterwerk ist „Der Fangschuß" aus meiner Sicht nicht. An der ein oder anderen Stelle bildete ich mir ein, vielleicht ist das auch nicht überraschend?, daß jeder männliche Autor Konrads Gedanken anders beschrieben hätte. Yourcenar hilft sich über die Schwierigkeit, aus männlicher Perspektive zu schreiben mit dem Detail hinweg, daß der Protagonist homoerotische Neigungen hat, die zweite Hauptperson, Sophie, dagegen stark männliche Züge aufweist. Nichts ist in diesem kurzen Buch demnach wie gehabt. Und das macht es auch lesenswert. Darüber hinaus sicherlich auch der schnelle, kalte (nicht kalt beschriebene) Schluss. Yourcenar schreibt: „Frauen nehmen nichts wichtig, nur sich selber. Jede andere Wahl ist in ihren Augen entweder ein chronischer Wahnsinn oder eine vorübergehende Verirrung." Eine Autorin darf so etwas schreiben, auch wenn es angeblich die Gedanken eines Mannes sind.
|
|
|
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Düster, tragisch, hervorragend, 12. März 2009
Marguerite de Crayencour, die ihre Werke stets unter der Pseudonym Marguerite Youcenar veröffentlichte, wurde vor allem durch ihre historischen Romane wie "Ich zähmte die Wölfin", in denen sie psychologisch fundiert das Leben historischer Persönlichkeiten wie des römischen Kaisers Hadrian nacherzählte, einem größeren Publikum bekannt. In ihren früheren Werken jedoch war sie eine Meisterin der Verflechtung von Dichtung und Wahrheit in intensive, mit eindringlicher Sprache erzählte Geschichten, von denen der 1939 erschienene Kurzroman "Der Fangschuß" nur ein beeindruckendes Beispiel ist.
Der Korpsführer Erich von Lhomond erholt sich von einer Verwundung im Spanischen Bürgerkrieg in Italien und berichtet seinen Kameraden von einem unvergeßlichen Erlebnis aus der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als er während der russichen Revolutionswirren als Anführer eines Korps der Weißgardisten mit seiner Truppe sein Lager im Schloß eines Jugendfreundes in Katovice aufgeschlagen hatte. Das Schloß wird bewohnt von Erichs Freund Konrad und dessen Schwester Sophie, die sich verzweifelt in den Korpsführer verliebt. Immer wieder von diesem zurückgewiesen, ergibt sie sich wahllos sexuellen Eskapaden, mit der Hoffnung, Erich eifersüchtig zu machen. Dieser fühlt sich jedoch zu Konrad hingezogen und so entsteht eine ebenso heftige wie quälende Dreiecksbeziehung und eine fesselnde Geschichte über Hingabe, Enttäuschung und ungestilltes Verlangen.
In intensiver, subtiler Erzählweise schafft Marguerite Yourcenar hier ein kleines Meisterwerk. Vor dem Hintergrund den hin und herwogenden russischen Bürgerkriegs und der düsteren Kulisse des verfallenden Schlosses entsteht ein kammerspielartiger, psychologisch meisterhafter Roman über menschliche Begierden und seelische Abgründe. Die drei Hauptfiguren sind in unentwirrbaren Verstickungen gefangen und können gar nicht anders, als sich stets gegenseitig aufs Neue seelische Qualen zuzufügen, Yourcenar zeichnet ein genaues psychologisches Bild, der von wirklich lebenden Vorbildern inspirierten Hauptfiguren und schafft abseits der üblichen Kriegsliteratur einen kurzen, aber umso intensiveren Roman, der noch immer durch seine hervorragende Charakterisierung der Figuren und die tragische, allzu menschliche Geschichte, in der alles auf die unanbwendbare Katastrophe zuzusteuern scheint, den Leser gefangen nimmt.
Ein ausgezeichnetes Buch, das man, einmal angefangen, kaum mehr aus der Hand legen kann.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|