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Jean-Dominique Baubys erschütternder Bericht
Spätestens seit Fritz Zorns «Mars» und Hervé Guiberts Krankenhausjournal «Cytomégalovirus» kennt man jene erschütternden Dokumente über tödlich verlaufende Krankheiten, die durch ihre Niederschrift gleichsam zu letzten Reflexen der eigenen Auflösung wurden; das Buch von Jean-Dominique Bauby, «Schmetterling und Taucherglocke», gehört zu dieser Gattung, zeichnet sich aber zusätzlich durch sein äussert ungewöhnliches Zustandekommen aus.
Ein Gehirnschlag beendete Ende letzten Jahres das alltägliche, das «normale» Leben des vierundvierzigjährigen Jean-Dominique Bauby, der bis dahin Chefredaktor der Zeitschrift «Elle» war und von da an nur noch vier Monate zu leben hatte. Bauby nutzte seine Zeit, um alles, was ihn bewegte, zu Papier zu bringen. Doch er selber sollte dazu gar nicht mehr in der Lage sein, war er doch vollständig gelähmt und dazu verdammt, nur noch mit dem linken Auge zu blinzeln. Das rechte Auge wurde ihm wegen der Gefahr der Geschwürbildung zugenäht. Mittels eines Spezialalphabets, das sich an der Häufigkeit der Vokale und Konsonanten im Französischen orientierte, diktierte er der Lektorin Claude Mendibil fortan alles, was ihn bewegte mittels Lidschlag: Aus seiner abgeschirmten Taucherglocke heraus funkte bzw. blinzelte er auf diese Weise empfindsame letzte Nachrichten an eine Welt, die für ihn schon unerreichbar weit weg war.
Bemerkenswert sind nun aber nicht nur die sisyphushaften Produktionsbedingungen dieses Buches, sondern seine unbestreitbar hohen literarischen Qualitäten, seine Poesie und sein Witz. Bei aller Tragik, bei aller Erschütterung, die den Leser anrühren muss, ist «Schmetterling und Taucherglocke» auch eine höchst luzide Auseinandersetzung mit dem eigenen, vermeintlich eingeschränkten Sehen. Dabei kommt es zu keiner perspektivischen oder irgendwie mitleidheischenden Verengung auf das persönliche Leid. Bauby versucht im Gegenteil, seine Wahrnehmung zu schärfen, ist hochempfindlich gegenüber den Abläufen in seiner Umgebung, ortet in bitterbösen Kommentaren die inhumanen Reflexe des in Routine erstarrten Krankenhauspersonals mit seinem unausgesprochenen Kasten- und Segregationsdenken. Und selbst in der introspektiven Aufbereitung seiner Vergangenheit, die er benutzt, um den Schock des «Andersseins» zu begreifen, überantwortet er sich keiner nostalgischen Weinerlichkeit, sondern zeigt das, was er die «Asche seiner Erinnerung» nennt, als einen Auflöseprozess, der ihn zu eher staunenden Erläuterungen veranlasst.
Ein wegen der ganzen Umstände sehr trauriges Buch ist dabei herausgekommen, gewiss, aber es ist auch eins, das einem die unglaublich dehnbaren Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit vor Augen führt. Dieses Buch ist ein Geschenk.
Thomas Laux -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Er war 43 Jahre alt, Vater zweier Kinder und erfolgreicher Redakteur, als ihn am 8.12.1995 ein Gehirnschlag all seiner bisherigen Lebensmöglichkeiten beraubte. Von diesem Tag an blieb er vollständig gelähmt, unfähig zu sprechen, zu schlucken oder auch nur ein Glied zu rühren, und die einzige Möglichkeit, sich verständlich zu machen, war das Blinzeln mit einem Auge. Fünfzehn Monate später beendete er ein Buch, das er allein mit dem linken Augenlid diktiert hatte.
Ein einzigartiges Dokument: zum ersten Mal berichtet ein Opfer des Locked-in-Syndroms, was in einem Menschen vorgeht, der äußerlich zur Statue erstarrt, doch innerlich quicklebendig geblieben ist. Bauby selbst hat die Hoffnung nie aufgegeben. Die Krankheit hat ihn zu einem Schriftsteller gemacht, der nicht nur mit bewundernswertem Humor seine Situation analysiert, sondern Phantasie und das Schreiben als das beste Gegenmittel begreift.
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