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45 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Faszinierend von der ersten bis zur letzten Seite, 16. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Christa Wolfs "Medea.Stimmen" steht in der Tradition ihres Werkes "Kassandra", das ebenso fesselnd ist. Für manchen Leser wirkt das Buch eher befremdlich. Aber für Leser, die sich für griechische Mythologie und die Rolle der Frau damals und heute interessieren und die nicht vor Wolfs ungewöhnlichen Stil zurückschrecken, ist dieser fragmentartige Roman ein Genuß. Wolf baut eine Spannung von Anfang bis Ende auf, die den Leser nicht mehr losläßt. Medea ist eine umstrittene Figur der griechischen Mythologie, für die einen ist sie eine Heilerin, für die anderen eine Intrigantin und Kindsmörderin. Diesem Mythos geht Christa Wolf in ihrem Roman, der immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln die Geschichte erzählt, nach. Die stolze Königstochter Medea hilft dem Argonauten Jason,das goldene Vließ ihres Vaters zu stehlen, und flüchtet mit ihm in das reiche Korinth. Die Korinther reagieren befremdet auf die stolzen Flüchtlinge, die trotz Armut erhobenen Hauptes durch Korinth ziehen. Medeas Stolz und ihre wundersamen Heilkräfte verstärken mit der Zeit das Mißtrauen der Korinther gegen sie und ihre Landsleute. Als Medea schließlich einem schrecklichen, wohl gehüteten Geheimnis des Korinther Königshaus auf die Spur kommt, und sie alle Warnungen in den Wind schlägt, bahnt sich die Katastrophe an. Eindringlich beschreibt Wolf die scheinbar unaufhaltsame Entwicklung. Da sie alle Hauptcharakteren in eigenen Kapiteln zu Wort kommen läßt, bleibt es dem Leser überlassen zu entscheiden, ob Medea ihr Schicksal hätte abwenden können oder nicht. Der Roman schildert nicht nur die Begebenheiten in Korinth, sondern läßt sich auch auf unsere Zeit übertragen. Schließlich mögen sich die Umstände verändert haben, der Mensch an sich nicht. So greift der Roman mehrere Themenbereiche auf. Die Lage der Flüchtlinge und wie diese zu Sündenböcke gemacht werden, ist auch heute noch ein Problem. Medea, als Frau mit einem eigenen starken Willen, kämpft mit dem gleichen Mißtrauen, das noch heute manchmal erfolgreichen und selbstbewußten Frauen entgegengebracht wird. Die Rolle der Berater des Könighauses erinnert an Politthriler der heutigen Zeit. Wolf stellt ein erbarmungslosen Psychogramm der Mächtigen dar. Wie Macht oder allein der Gedanke an Machterlangung den Menschen verändert und zu Grausamkeiten befähigt, ist ein zentrales Thema dieses Buches. Und ein Blick über die Schlagzeilen unserer Zeit zeigt, dass diese Verhaltensweisen nicht zur Vergangenheit gehören, sondern noch traurige Wirklichkeit sind. Wer also Lust auf ein Leseabenteuer der anderen Art hat und seine sowie die antike Welt mit anderen Augen sehen will, sollte dieses Buch lesen. Denn Christa Wolf schafft es, den Leser in eine faszinierende Welt, über Kampf, Liebe, Intrigen, Glauben, Macht und Tod, zu entführen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nach Kassandra Medea, 13. Juli 2006
Ich habe diesen Roman gelesen, weil mir "Kassandra" sehr gefallen hat, es ist eines meiner Lieblingsbücher. "Medea" ist sprachlich ähnlich, allerdings wird hier die Geschichte aus mehreren Perspektiven geschildert. Die Figur, die dabei entsteht, wirkt sehr lebendig und faszinierend und auch die verschiedenen Erzählstimmen können eingermaßen überzeugen-einigermaßen deshalb, da es der Autorin sichtlich schwerer fällt, die unsympathische, opportunistische Agameda zu zeichnen, ohne sie zu überzeichnen, als Medea oder Leukon, die ihr offenbar sympathisch sind. Dennoch ist es ein Buch, das ich wiedergelesen habe, vor allem, weil es sich mit der Frage auseinandersetzt, wer die Schuldigen (Menschentypen) sind, wenn ein ganzes Volk sich selbst belügt und aufzeigt, welche Alternativen es gibt, die allerdings allesamt unbefriedigend scheinen.
Dass die Mythengestalt von Christa Wolf so neu gestaltet wurde, dass sie kein "wildes Weib" und keine Kindsmörderin ist, finde ich legitim, zumal der Gedanke einleuchtend ist, man habe ihr den Mord an den eigenen Kindern nachgesagt, um sie für alle Zeit zu entehren. Diese Art der Propaganda hat es ja häufiger gegeben.
Es gibt keine mehr oder weniger "echte" Medea und diese Neuerschaffung wirkt überzeugend, auch wenn sie manchmal dem Leser ebenso fremd und faszinierend-eigenwillig erscheint wie den erzählenden Figuren. Meiner Meinung nach lohnt es sich, den Roman zu lesen, allein schon wegen der Sprache, mit der die Autorin so gut umzugehen weiß.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Alter Mythos als Politthriller, 23. Februar 2003
Christa Wolf hat mit Medea einen Stoff aufgearbeitet der auf den ersten Blick staubtrocken ist. Bei Euripides ist Medea noch die skrupellose Mörderin, die mehere Menschen aus dem Weg räumt, bis sie zum Schluss ihre eigenen Kinder mordet und dann in den Himmel auffährt. Wolf erzählt diese Geschichte neu. Medea ist, nachdem sie mit dem Argonauten Jason aus Kolchis geflohen ist, eine Aussenseiter in der neuen Umgebung, Korinth. Eines Tages entdeckt Medea das dunkle Geheimnis ihrer neuen Heimat. Um zu Verhindern, dass Medea auspackt werden schnell Gerüchte in die Welt gesetzt, sie habe ihren Bruder ermordet....... Aus der Sicht der tragenden Akteure wird die Geschichte wie ein moderner Politthriller erzählt. Teilweise schwer zu lesen, wenn beispielsweise die fiebernde Medea erzählt, was das Gesammtbild aber nur sehr wenig trübt. Lesenswert.
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