Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura
OA1974 Form Roman Epoche Gegenwart
Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz ist der erste Teil einer auf drei Bände angelegten anspruchsvollen Romanfolge von Irmtraud Morgner. 1983 erschien mit Amanda. Ein Hexenroman der zweite Teil; den dritten Band konnte die Autorin vor ihrem Tod nicht mehr vollenden.
Inhalt: Die altprovenzalische Minnesängerin Beatriz de Dia leidet darunter, als Frau in der von Männern beherrschten Domäne des Minnesangs selbst das Objekt jener Liebe zu sein, die sie doch als deren Subjekt besingen will. Sie entzieht sich dieser Situation durch einen Zauberschlaf, aus dem sie 800 Jahre später während der Pariser Maiunruhen erwacht. Nach schrecklichen Erfahrungen mit dem Chauvinismus französischer Männer gelangt sie in die DDR, das ihr angepriesene Land der realisierten Frauenemanzipation. Ihre Hoffnungen werden enttäuscht, doch findet sie Trost in der Freundschaft mit Laura Salman. Die komplementären Perspektiven der Frauen, der utopischen Sicht der Naiven aus der Welt des Mittelalters und der Pragmatikerin aus der Gegenwart, reflektieren die historischen Leistungen der DDR, aber auch ihre Defizite und aktualisieren den utopischen Anspruch auf eine Versöhnung von Sozialismus und Feminismus.
Nach einer Reise kehrt Beatriz in die DDR zurück, in der Überzeugung, dass die sozialistische Gesellschaft die Emanzipation der Frau energischer betreibt als andere europäische Länder. Sie übernimmt deshalb die von Laura so vorbildlich verkörperte Rolle der praktischen DDR-Bürgerin und stirbt in Übereinstimmung mit diesem Selbstverständnis durch einen Sturz beim Fensterputzen. Laura hingegen wird der Sitz von Beatriz in der Tafelrunde angeboten, die jene versammelt, die sich um die Emanzipation der Menschen verdient gemacht haben.
Struktur: Der Kritik an der verfälschenden Energie eines von Klassen- und Geschlechtergegensätzen bestimmten Diskurses entspricht die Absage an eine konventionelle Erzählweise mit ihrer herrschenden männlichen Perspektive und ihrer konventionellen linearen Struktur. Stattdessen verbindet der Roman Textsegmente ganz unterschiedlicher Gattungen wie Reportage und Märchen, Sagen und Lieder, Satiren und Zeitungsannoncen zu einem komplexen Textgewebe und erzählt seine fantastische Geschichte in einer Vielzahl von Episoden, in der unterschiedliche Figuren aus z. T. widersprüchlichen Perspektiven ihre Sicht der Ereignisse mitteilen. Das Spielen mit den Elementen von Mythen und Legenden zeigt den mutwilligen Irrationalismus der Autorin, die der vom Sozialismus entmachteten Kraft von Fantasie und Traum wieder zu ihrem Recht verhelfen will.
Wirkung: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz wurde von den Lesern im Osten wie im Westen als literarisches Ereignis gleichermaßen gefeiert, war hier doch ein völlig neuer literarischer Ton vernehmbar, der Sozialismus, Feminismus und Subjektivität integrierte. H. R. B.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Die altprovenzalische Minnesängerin Beatriz de Dia leidet darunter, als Frau in der von Männern beherrschten Domäne des Minnesangs selbst das Objekt jener Liebe zu sein, die sie doch als deren Subjekt besingen will. Sie entzieht sich dieser Situation durch einen Zauberschlaf, aus dem sie 800 Jahre später während der Pariser Maiunruhen erwacht. Nach schrecklichen Erfahrungen mit dem Chauvinismus französischer Männer gelangt sie in die DDR, das ihr angepriesene Land der realisierten Frauenemanzipation. Ihre Hoffnungen werden enttäuscht, doch findet sie Trost in der Freundschaft mit Laura Salman. Die komplementären Perspektiven der Frauen, der utopischen Sicht der Naiven aus der Welt des Mittelalters und der Pragmatikerin aus der Gegenwart, reflektieren die historischen Leistungen der DDR, aber auch ihre Defizite und aktualisieren den utopischen Anspruch auf eine Versöhnung von Sozialismus und Feminismus. Nach einer Reise kehrt Beatriz in die DDR zurück, in der Überzeugung, dass die sozialistische Gesellschaft die Emanzipation der Frau energischer betreibt als andere europäische Länder. Sie übernimmt deshalb die von Laura so vorbildlich verkörperte Rolle der praktischen DDR-Bürgerin und stirbt in Übereinstimmung mit diesem Selbstverständnis durch einen Sturz beim Fensterputzen. Laura hingegen wird der Sitz von Beatriz in der Tafelrunde angeboten, die jene versammelt, die sich um die Emanzipation der Menschen verdient gemacht haben.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.