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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Maerchen voll ueberspruehender Phantasie, 14. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Dieses wundervolle Maerchen von E. T. A. Hoffmann ist voll ueberspruehender Phantasie und toller Einfaelle. Die Geschichte handelt vom tolpatschigen, aber netten und liebenswerten Studenten Anselmus, der sich in die Tochter des Zauberers verliebt und sie sich natuerlich erst erkaempfen muss. Was klingt wie die Geschichte aus einem x-beliebigen Roman ist aber in Wahrheit so unglaublich und kreativ, dass es in keinster Weise damit zu vergleichen ist (was es natuerlich sowieso nicht ist, da Hoffmann kein x-beliebiger Autor, sondern ein sog. Klassiker. Und auch noch ein wirklich guter!). Redende Schlangen mit smaragdgruenen Augen, in Kristallflaschen eingesperrte Menschen und Haeuser, die innen groesser sind als aussen, sind hier als relativ normal anzusehen. Hoffmann springt in einer Geschwindigkeit von seltsamer Szene zu unglaublicher Szene, von realistischen Momenten zu absoluten Phantasiegebilden, dass man manchmal Schwierigkeiten hat zu folgen und zu verstehen, wo in der Geschichte man sich gerade befindet. Dies, zusammen mit der alten Sprachweise Hoffmanns, macht aber gerade den Reiz dieses Buches aus. Hoffmann haelt sich weder streng an Zeit und Ort, noch an Naturgesetze oder Logik, sondern lediglich an die Vorstellungskraft des Lesers. "Der goldene Topf" ist sicherlich ein Lesevergnuegen fuer alle, die Lust und Freude daran haben, ihre Vorstellungskraft so richtig ausgenutzt zu sehen und sich an bunten und schoenen Schilderunegn in etwas altmodischen deutsch ergoetzen koennen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Nirgends, Geliebte, wird Welt sein, als innen". (Rilke, Duiniser Elegien), 11. November 2007
"Hast Du Verstand und auch ein Herz, so zeige nur eines von beiden. Beides verdammen sie dir, zeigest du beide zugleich." (Hölderlin, 1770-1843)
Candide (Voltaire, 1759), Wilhelm Meister (Goethe, 1795); Heinrich von Ofterdingen (Novalis, 1802) sind die Vorreiter dieser wunderbaren Erzählung des E.T.A. Hoffmann (1788-1836) aus dem Jahre 1814. Eichendorffs Taugenichts folgt im Jahre 1826, Büchners Stücke bis 1838.
Anselmus, ein Student in Dresden, oszilliert zwischen den Welten des Traums und der Realität. Auf dem Wege am Himmelsfahrtstag läuft er einem Apfelweib in die Körbe und bringt ihre Habe auf die Strasse. Den Schaden mit all seinem Geld zahlend, muss er auf ein Fest just an diesem Tag verzichten, da ihm nichts blieb für die üblichen Feiern. Unter einem Holunderbusch traurig sitzend hörte er ferne Stimmen, wohlige Klänge, die sein warmes Innerstes berühren, sieht drei grüne Schlangen, die ihn durch das Grün bezirzen und er nichts schöner wähnt, als eine träumend andere Welt. So spürt er, dass neben seiner realen Welt, der profanen Wirklichkeit, es eine andere gibt, die sich in grenzenlosem Blau zeigt, wunderbare Gefühle erzeugend sich dem Phantastischen, dem Irrealen, dem Idealen hingibt. Wenn man die blaue Blume (Novalis, 1772-1801) findet, findet man auch die Liebe. Die Blume ist eine Repräsentation von einer noch unbekannten Geliebten. Und er fühlt sich enthoben und gleichzeitig neu geboren in dieser Welt, die er in dieser Erzählung mannigfach und auserwählt zu durchstehen hat. Ob nun Trunkenheit oder ob reiner Wahnsinn, die wunderbaren Kräfte mag man benennen wie es beliebt, doch erst das beseelt Übernatürliche, die holden Träume, die leuchtenden Phantasmen als Teile des Gesamten führen zum hegelschen Weltgeist. Zufall treibt auch hier das Spiel wie im Candide oder später im Taugenichts. Zusätzlich weist dieses Stilmittel bereits auf eine 100 Jahre spätere Zeit hin, denn hier wie dort ist der Surrealismus nicht zu verkennen.
Hoffmann lässt einen Erzähler in 12 Nachtwachen, seinen Vigilien, von all dem Märchenhaften berichten, von den Menschen, Feen, und Fabelwesen. Sein Bericht richtet sich direkt an den Leser, fordert ihn auf, sich seiner eigenen Phantasie zu öffnen, damit er wahrnimmt, welche Pole das Leben bereit hält und wie man sich zwischen diesen bestens positioniert. Neben Anselmus gibt es fünf weitere Hauptpersonen, die sich direkt gegenüberstehen, so gegenüberstehen, wie das reale Leben, die Wirklichkeit dem Irrealen, dem Idealismus, dem Traum. Und nichts anderes ist zu erfahren in dieser Konstellation, wo Glaube und Liebe zu positionieren sind und wo letztendlich Hoffnungen dazu zur biblischen Trias werden (vgl. 1KOR, 13). Diese Personen sind Anselmus gegen Lindhorst, Paulmann gegen Heerbrand und die beiden Frauen Veronika gegen Serpentina. Die jeweils erstgenannten repräsentieren die Welt der Vernunft, die Welt der Wirklichkeit, die jeweils Zweitgenannten sind dem Phantastischen, dem Traum, der vorgestellten Welt zugewandt. Paulmann und Heerbrand sind Freunde, Veronika ist Paulmanns Tochter, Serpentina ist eine der Schlangen, zugleich Tochter von Lindhorst, einem Antiquarius aus einer anderen Welt. Anselmus ist nach dem unerwarteten Treffen unter dem Holunderbuch in eine der Schlangen, Serpentina, verliebt und er versucht sie zu erreichen. Veronika ihrerseits möchte Anselmus heiraten, falls er Hofrat wird. Anselmus mag Veronika sehr, doch beide verkörpern die jeweilige Welt, die jeweilige Einstellung, die jeweiligen Einbildungen.
So wie das Apfelweib zu Beginn den Anstoß für den Ausstoß aus dem Paradies der Feiern gibt, denn Anselmus hat nur unter dem Holunderbusch sitzen können, anstatt sich der weltlichen Freude nach Wein, Weib und Gesang widmen zu können, so ist das Unweltliche, das Träumerische, das Ideale unter dem Holunderbusch entstanden, das Gefühl der unendlichen Sehnsucht, das der Liebe. Es beginnt der romantische Teil dieser Hoffmann Erzählung sich der scheinbar übernatürlichen doch tatsächlichen Sprache der innersten Natur zu widmen. Diese Erzählung zeigt in der wunderbaren Sprache der Romantik das Auf und Ab unendlicher Sehnsucht, berichtet von feenhaften Reichen voll herrlicher Wunder, die die höchste Wonne sowie das tiefste Entsetzen in gewaltigen Schlägen hervorrufen. Und der Erzähler weiß den zugeneigten Leser jederzeit und bravourös in den Kontext einzubetten. Er spürt direkt die tiefe Verzweifelung der Liebenden, spürt den Glauben an das Neue und empfindet gleiche Hoffnung wie die Protagonisten der Erzählung, die am Ende, die Liebe zum Idealen siegen lässt, Anselmus bekommt Serpentina, mit ihr den goldnen Topf, der auf seiner metallischen Oberfläche die Wunder der Sprache der inneren Natur spiegelt, es ist die Sprache des All-Eins, der romantischen Liebe. Wo beide Frauen anfangs gleich erscheinen, gewinnt Anselmus erst in der achten Vigilie echte Identifizierung seiner Serpentina. Die Schlange zeigt sich als "holdes Mädchen", Anselmus entdeckt die Gleichheit von Ideal und Wirklichkeit, von Poesie und Leben. Veronika wird verschmolzen mit der Vision Serpentina.
Hoffmanns Märchen erschien 1814, gerade zwischen beiden Märchenbänden der Brüder Grimm, die in 1812 und 1815 veröffentlicht wurden. Hoffman nennt es ein Märchen für eine neue Zeit, >es war einmal< ist nicht seine Intention. Gleichzeitig hat er die Welt des Idealen, des Irrealen, der Liebe als eine poetische dargestellt, die nicht tendenzielle Sachlichkeit wie Wilhelm Meister (Candide der Poesie; Novalis an Tieck), die nicht überschwängliche und reine Poesie wie Novalis' Heinrich von Ofterdingen präsentiert, sondern eine Welt, in der Erkenntnis, beiden Seiten eine richtige weil notwendige Präsenz in diesem Leben geben zu müssen, von Bedeutung wird. Diese Erkenntnis im Zusammenhang von Glaube und Liebe erzeugt den Blick in die "innere Natur". Hoffmann zeigt sich als Dialektiker, der die für ihn sichtbaren Unterschiede wieder neu vereinen möchte. Unterstützt wird diese Absicht durch die zwölf Vigilien in einer Erzählung, wobei die ungeraden den Part der Vernunft, die geraden den der Traumwelt aufzeigen. Die geraden Zahlen verkörpern in der Zahlenmythologie das Vollkommene. Anselmus wird wie Rilkes Orpheus, auch er geht "in der Verwandlung aus und ein". Anselmus, als sinnlicher Doppelgänger, offenbart das Wandern zwischen den Welten, er pendelt zwischen "[...] Weg und Wendung. Doch ein Druck verständigt / Neue Weite - und die zwei sind ein." (Rilke: aus Sonette an Orpheus); er ist jemand, der sich den Fragen beider Seiten stellen muss und doch am Ende eine Entscheidung zu treffen hat. Diese trifft er, frei allen Voraussetzungen, zu Gunsten des Traumes, zu Gunsten des Idealen, denn in diesem sind beide Perspektiven enthalten. Hegels Phänomenologie, nach der das Vollkommene durch Einschluss aller Perspektiven (negative Dialektik) gebildet ist, steht deutlich Pate.
In der zwölften Vigilie kommt der Erzähler in die Geschichte, mit ihm der Leser und wird bereits wie in Vigilie 7 so deutlich einbezogen in die literarischen Kommunikation. Hoffmann will, dass alle begreifen, das die Poesie selig macht, dass diese Seligkeit, die Anselmus erfährt, uns allen zusteht, als das Leben in der Poesie, in der sich der "heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur" offenbart. Anselmus lebt von nun an in Wonne und Freuden auf einem Rittergut in Atlantis (übernommen von Novalis). Auch wenn der Erzähler glaubt, dass er niemals die Lilie schauen wird, belehrt ihn und uns Lindhorst eines besseren. Der Beschluss dieses Märchens lautet: Leben in der Poesie bewirkt Seligkeit. Über die Poesie ist die romantische Lilie für jedermann. Anselmus: "Ja, ich Hochbeglückter habe das Höchste erkannt".
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