Ein Chefarzt klagt an: Von der Profitgier der Klinikbetreiber von Frank König |
von Fred Sellin
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von Markus Grill
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von Werner Bartens
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Auf Kosten der Patienten. Wie das Krankenhaus uns krank macht von Werner Bartens |
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Ein Mann klagt nach einer Herzoperation über Bauchkrämpfe und bemerkt Blutungen, die nicht von der OP her rühren können. Als der Patient seine Beschwerden äußert, können die behandelnden Ärzte nichts feststellen und stufen sein Verhalten als Herumjammern ein. Dem Sohn des Patienten empfehlen sie, den Vater entsprechend zurechtzuweisen. Nach Tagen der Qual stirbt der Mann an einem durchgebrochenen Magengeschwür. Am Ende seines Lebens hat er nicht nur furchtbare Schmerzen, sondern auch die völlige Einsamkeit ertragen müssen, die darin liegt, als Todkranker wie ein Simulant behandelt zu werden.
Auch wenn Fälle wie dieser nicht an der Tagesordnung sind: Es gibt sie. Und dass es sie gibt, hat Gründe. Diesen spürt der Autor nach, und seine Diagnose ist extrem beunruhigend. Durch Kostendruck und Personaleinsparung wird eine kunstgerechte Behandlung immer unwahrscheinlicher. Gleichzeitig fließen enorme Beträge in Hightech-Untersuchungen, deren Sinn sich einem erst bei einem Blick auf das Konto des verantwortlichen Mediziners erschließt. Die Abrechnung über Fallpauschalen statt über Tagessätze belohnt das Durchschleusen von Patienten. Die daraus resultierende Überlastung ist eine der systematischen Fehlerquellen, mangelnde Kompetenz eine andere.
Gerade Kliniken in wirtschaftlich schwächeren Gegenden müssen oft mit Operateuren vorlieb nehmen, die schlicht nicht das Können besitzen, bestimmte Eingriffe durchzuführen. Der hilfreiche Austausch von Erfahrungen ist unter Medizinern oft tabu. Wer etwa als junger Arzt bei einer komplizierten Geburt drei Mal den Chef aus dem Bett klingele, der kann seine Karriere vergessen, so ein auf Medizinschäden spezialisierter Anwalt. Und bei all dem gilt: Versäumnisse treffen zuerst die Schwachen und die besonders Kranken, die sich nicht wehren können, und die womöglich auch keine Angehörigen haben, die sich in ihrem Sinne zu Wort melden können.
Trotz einiger Stilblüten (Und das Geheimnis dieses Skandals liegt dann unter Kränzen und Blumenbouquets.) ist Tatort Krankenhaus ein wichtiges, weil aufrüttelndes und konstruktives Buch. Denn nicht nur Politiker, Behörden, Ärzteverbände und Kassen, auch Patienten erfahren hier, was sie tun können, um Qualität und Transparenz zu verbessern. Denn eines ist sicher: Krankenhäuser sind viel zu wichtig, als dass man sie sich selbst überlassen darf. --Roland Große Holtforth, Literaturtest
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