Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Leben wir im Gödeluniversum?, 27. März 2005
Palle Yourgrau ist Wissenschaftsphilosoph an der Brandeis University. Er beschäftigt sich schon geraume Zeit mit der philosophischen Rezeption der Allgemeinen Relativitätstheorie und hat darüber vor dem nun vorliegenden populärwissenschaftlichen Buch insbesondere auch zur Gödelschen Lösung der Einsteingleichung verschiedene Artikel und Bücher veröffentlicht. Das hier vorliegende Buch gibt einen interessanten Einblick in die "Männerfreundschaft" zwischen Albert Einstein und Kurt Gödel. Dabei werden verschiedene biographische Details in der deutschen Literatur erstmals vorgestellt, die ein interessantes Licht auf Einstein und Gödel werfen. Bei aller ihnen eigenen Genialität scheint als Fazit durch, dass beide - Einstein und Gödel - menschlich gescheitert sind: Einstein in seinen verunglückten Beziehungen zu seinen Ehefrauen und Kindern, Gödel aufgrund seines paranoiden Verhältnisses zu seiner gesamten Umwelt. Genialität und menschliches Unvermögen scheinen nahe beieinander zu liegen. Allein für den Mut, dies im Einsteinjahr 2005 mit der fast schon unerträglichen Überhöhung des "Heroen" Einstein deutlich zu machen, muss man Yourgrau dankbar sein. Neben den biographischen Aspekten stehen Gödels Unvollständigkeitssätze und seine kosmologische Lösung der Einsteingleichung im Mittelpunkt des Buches. Yourgrau scheint hier eine Lanze für Gödel brechen zu wollen, denn er verrennt sich ein wenig in eine Art Verschwörungstheorie, als habe die Physikerwelt Gödels Universum mehr oder weniger absichtlich ignoriert. Physik ist (Gott sei Dank!) immer noch Erfahrungswissenschaft. Wenn es im Gödeluniversum zeitartige, geschlossene Bahnen gibt, d.h. Zeitreisen möglich sind, so widerspricht das nun einmal (bisher) allen Beobachtungen. Yourgrau folgert nun mit Gödel aus der Möglichkeit, in seine eigene Vergangenheit reisen zu können, dass die physikalische Zeit nichts Reales sein kann, da man ja nur dann an einen Zeitpunkt zurückkehren kann, wenn dieser immer existiert. Dies bedeutet aber, dass die Gegenwart niemals Vergangenheit werden kann, dass Zeit also schlichtweg nicht existieren kann. Dem steht die Tatsache gegenüber, dass wir (jeder für sich) mit unseren Uhren aber so etwas wie Zeit messen und diese auch subjektiv erleben. Ist "Zeit" also unser eignes psychisches Konstrukt, eine Schimäre, die wir selbst produziert haben? Wie man das philosophisch unter einen Hut bekommt, bleibt jedem selbst überlassen. Gegenwärtig (auf der Grundlage aller kosmologischen Daten) erscheint das Gödeluniversum bei allen akademisch reizvollen Aspekten eben doch nicht dasjenige zu sein, was in der Natur realisiert ist. Auf den letzten zehn Seiten fällt das Buch ein wenig aus dem Rahmen. Da geht es sehr detailiert mehr oder weniger um einen philosophischen Grabenkampf, indem der etablierten Philosophie vorgeworfen wird, den armen Gödel völlig ignoriert zu haben, weil er sich nicht zu einer der gängigen philosophischen Schulen bekannt hat. Sieht man von diesen paar Seiten ab, habe ich das Buch mit großem Vergnügen gelesen und kann es nur weiterempfehlen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gödel und das Wesen der ZEIT, 13. Dezember 2005
Dem Autor Palle Yourgrau verdanken mit diesem Werk wir einen wichtigen Einblick in das Dilemma der modernen Weltsicht. Kurt Gödel, der geniale österreichische Mathematiker und Logiker, befasste sich nach WWII in seinem Exil in Princeton/USA mit dem Wesen der Zeit auf Basis seiner platonistischen Denkweise. Gödels überraschende Schlussfolgerung: Wenn Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, gibt es keine ZEIT; d.h. jene Zeit, die wir in unserer Alltagserfahrung empfinden, ist Illusion. Gödel bewies dies durch vollständige Geometrisierung der Einstein`schen Raumzeit, wobei er ein Modell eines Universums zeigte (das sog. "Gödel-Universum") - das sowohl mit der speziellen als auch der allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar ist - in der ZEITREISEN in die Vergangenheit möglich sind. Gödels Schluss von einer solchen notwendigerweise möglichen Welt auf die real existierende Welt war eine intellektuelle Meisterleistung: Da nicht sein kann, dass es in UNSEREM Universum "ZEIT" gibt, während sie in diesem möglichen Universum NICHT existiert, kann es auch in unserer Welt keine ZEIT geben. "Das zu leugen", schloss Gödel, "wäre so, als würde man behaupten, dass die Frage, ob es einen objektiven Zeitverlauf gibt (d. h. ob eine ZEIT im gewöhnlichen Sinne des Wortes existiert oder nicht), von der besonderen Weise abhängt, in der Materie und Bewegung in der Welt angeordnet sind". Er gibt zu bedenken, dass "eine philosophische Anschauung, die zu solchen Konsequenzen führt, kaum als befriedigend erachtet werden kann". Leider hat es Gödel unterlassen, zu erörtern, WARUM eine solche Weltsicht "nicht befriedigend" wäre, und WELCHE Konsequenzen eine derartige Behauptung, basierend auf eventuellen späteren neuen Erkenntnissen, mit sich ziehen würde.. Nach Gödel können wir demnach eine Welt haben, in der es eine Zeit gibt, oder eine Welt, in der es Existenz gibt - beides aber nicht. Und da "Existenz" ein nicht-relativierbarer Begriff ist, bleibt nur letzteres... Damit relativiert sich aber der Platonismus, der von allem Anfang darauf bedacht war, "alles auch nur entfernt >Zeitliche< aus der Mathematik herauszustellen" (so Yourgrau) selber. Klar; denn die Kluft zwischen Alltagserfahrung und mathematisch begründbaren Ergebnissen wird UNÜBERBRÜCKBAR. Das Buch ist ein MUSS für jedermann, der sich mit dem Grenzbereich zwischen Mathematik und Physik auf der einen Seite, und Philosophie und Erkenntnistheorie auf der anderen Seite, befasst. Unbedingt zu empfehlen!
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20 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Wenig informativ, in jeder Hinsicht., 8. Juli 2005
Von Ein Kunde
Einstein und Gödel: zwei schillernde Persoenlichkeiten. Ersterer hat unser physikalisches Weltbild erschüttert (spezielle und allgemeine Relativitaetstheorie), letzterer hat ein Erdbeben in der Mathematik ausgeloest (Gödelscher Unvollständigkeitssatz). Um so faszinierender, dass beide Maenner eine Freundschaft verband, die zu einer kuriosen Entdeckung Gödels fuehrte: nach den von Einstein formulierten Gesetzen der allgemeinen Relativitaetstheorie kann ein "rotierendes" Universum existieren, in welchem Zeitreisen in die Vergangeheit moeglich sind. In einem kurzen Aufsatz vertrat Gödel spaeter sogar die Auffassung, allein diese theoretische Moeglichkeit von Zeitreisen wuerde das Konzept einer "vergehenden" Zeit insgesamt in Frage stellen.Das klingt spannend und wirft sofort Fragen auf wie: wogegen rotiert ein Universum, wenn es nicht ausserhalb desselben gibt? Wieso und wie genau koennen in einem rotierenden Universum Zeitreisen realisiert werden? Und was waeren die Konsequenzen solcher Zeitreisen? Doch wer in der Hoffnung naeheres zu erfahren zu dem Buch von Palle Yourgrau greift, duerfte mit ziemlicher Sicherheit enttaeuscht werden: der Autor ist Philosoph und unternimmt in seinem Buch keine Versuche, die naturwissenschaftlichen Zusammenhaenge von Gödels Entdeckung zu erhellen: mehr physikalisches, als ich oben geschrieben habe, ist auch in dem Buch kaum zu finden. Im Gegenteil: schon bei den elementaren Grundlagen der Relativitaetstheorie scheint der Autor verloren - so behauptet er beispielsweise, die spezielle Relativitaetstheorie waere fuer die Beschreibung beschleunigter Bewegungen generell ungeeignet - ein krasser Irrtum. Doch auch wenn es an die philosophischen Fragestellungen geht, rezitiert der Autor viel und erklaert wenig. Wieso zum Beispiel die Denkbarkeit von etwas - zumindest aus Sicht des Philosophen - dessen Existenz erzwingt, waere schon einiger Erlaeuterungen wuerdig. Doch auch hier bleibt alles im Raume stehen. Bleibt noch der biographische Gehalt des Buches, der auch nur sehr fragmentarisch ist, so dass der Leser mit einer der zahlreichen Einstein oder Gödel Biographien sicher besser bedient ist. Fazit: ein interessantes Thema, aber leider ein Buch das die Neugierde nicht befriedigt. Schade.
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