Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kurioser Doppelroman, 12. September 2006
Katzenromane gibt es in der zeitgenössischen Literatur ja so einige. Doch die Idee ist nicht neu: Schon in den "Lebens-Ansichten des Katers Murr" von E. T. A. Hoffmann, einem fast 200 Jahre alten Text, tritt ein Kater höchstselbst als Autor auf und überliefert der Nachwelt seine Biografie. Dummerweise verwendet er dafür bereits beschriebenes Papier, nämlich ein Manuskript, das er bei seinem Besitzer, dem Kapellmeister Kreisler, findet. Durch einen vermeintlichen Fehler bei der Drucklegung ergibt es sich, dass sich die Lebensgeschichte des schriftstellernden Katers mit der Biografie des Kapellmeisters auf kuriose Weise vermischt. E. T. A. Hoffmann hat mit diesem Roman ein Kunstwerk hinsichtlich Form und Komposition geschaffen. Es gelingt ihm, zwei voneinander weitgehend unabhängige Geschichten parallel zu erzählen und trotzdem die beiden Handlungsfäden geschickt miteinander zu verweben. An den Leser stellt das hohe Anforderungen, zumal die Kreisler-Biografie nur aus Fragmenten besteht und für sich schon eine recht komplizierte Struktur besitzt. Aber gerade darum ist der Roman auch heute noch ein ungewöhnliches Lesevergnügen.
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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Perfekt verulkt und bespöttelt ..., 24. Januar 2003
E.T.A. Hoffmann schrieb mit seinem Katzen-Roman eine Parodie auf Goethes Lehrjahre des Wilhelm Meister; eine inhaltliche als auch schreibtechnische Ironie: verquirlt sind bei Hoffmann die (angeblichen) Ansichten einer Katze und die eines Kapellmeisters. Die fast ans Schizophrene erinnernde Vorgehensweise Hoffmanns hat nachhaltig die Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud und C.G. Jung beeinflusst. Hoffmann selbst, der erst Komponist hatte werden wollen, fühlte sich seinerseits sehr von Beethoven inspiriert. Als Meilenstein der romantischen Epoche sind die "Lebensansichten des Katers Murr" in die Welt-Literatur-Geschichte eingegangen. Es gibt vom Murr natürlich verschiedene preiswerte Taschenbuch-Ausgaben. Eine bibliophile Kostbarkeit ersten Ranges aber ist der 31cmx20cm messende Band des Verlages C.H. Beck, der mit den berühmten Katzen-Illustrationen des Michael Mathias Prechtl versehen ist. Prechtl sattelt visuell auf die Hoffmannsche Goethe-Parodie auf und ironisiert die berühmtesten Malstile der Kunstgeschichte: Rembrandt, Dürer, Picasso, Manet, Francisco Goya, Toulouse-Lautrec, Leonardo da Vinci, Pieter Bruegel - sie alle werden mit den phantastisch detailreichen Katzen-Porträts, die sich natürlich allesamt auf den Hoffmann-Text beziehen, perfekt verulkt, bespöttelt, durch den Kakao gezogen ...
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Katzen würden Prechtl kaufen, 12. Juni 2005
Von den Zeitgenossen im 19. Jahrhundert verkannt und missachtet, wurde E. T. A. Hoffmanns romantischer Roman mit seiner kühnen Poetik erst viel später als Vorläufer der Moderne gewürdigt. Die ineinander verflochtenen Geschichten des zwischen Genie und Wahnsinn schwankenden Musikers Kreisler und des mit Geist, Verstand und scharfen Krallen ausgestatteten Katers Murr bieten noch heute eine vergnügliche Lektüre. Satire, Parodie und Montage sind Hoffmanns bevorzugte literarische Verfahren. Mit analogen Mitteln hat der deutsche Grafiker M. M. Prechtl 180 Jahre später kongeniale Bilder geschaffen. Sein Geschick bei der Darstellung von Tieren mit allzu menschlichen Eigenschaften hat er schon bei der Illustration von Goethes "Reineke Fuchs" und Thomas Morus" "Utopia" bewiesen. Mit virtuos altmeisterlicher Technik portraitiert er nun die Katzenwelt. Den Umschlag ziert Murr selbst, der mit Brille, Feder und Tintenfass nach Meinung des Autors "frappant getroffen" ist. Es folgt eine Reihe berühmter Samtpfoten aus der Kunstgeschichte von Leonardo bis Picasso und aus der Weltliteratur von T. S. Eliot, der die Vorlage des Musicals "Cats" geliefert hat, bis zu Edgar Allan Poe, dessen einäugige schwarze Katze gar gruselig die Zähne bleckt. Eingestreut in den Text sind dazu noch Schwarzweißillustrationen, die tief aus dem Fundus der Überlieferung schöpfen. Da kommt einem beim Betrachten doch manches sehr bekannt vor. E. T. A. Hoffmann, selbst ein Meister der offenen und versteckten Zitate und Anspielungen, hätte an Prechtls prächtigen Bildeinfällen gewiss seine helle Freude gehabt. - Augenschmaus und Lesefutter für höchste Ansprüche.
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