Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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37 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Stretching fürs Seelengebein, 24. August 2009
Otto und Sophie Bentwood sind seit etwa fünfzehn Jahren verheiratet. Er ist Mitinhaber einer Anwaltskanzlei, sie hat sich früher mit Übersetzungsarbeiten beschäftigt, macht nun aber nichts mehr. Kinder besitzen die beiden nicht, dafür aber ein Wochenendhaus auf dem Land.
Wie man es oft bei gut situierten Paaren im mittleren Alter antrifft, kommen sie ganz gut zurecht, leiden aber zunehmend an einer Art gsteigerter aversiver Empfindsamkeit gegenüber den Eigenarten des anderen. Die Abneigung, so heißt es auf Seite 167 muss manchmal "wie ein peinlicher Verwandter in die Rumpelkammer" gesteckt werden, weil er sonst einen Eklat heraufbeschwören würde.
Das ist der Stand der Dinge, als der Roman einsetzt und eine Reihe von scheinbaren Kleinigkeiten das Lebend der Bentwoods erschüttern. Zuerst wird Sophie von einer sträunenden Katze gebissen, dann verwickelt sich Otto in einen beruflichen Konflikt mit seinem Anwaltspartner Charlie, schließlich wird das gemeinsame Landhaus der beiden einem Einbruch verwüstet. Ein Schwarzer (um im Buch heißt es noch treuherzig "Neger") dringt in die Wohnung ein, um zu telefonieren und die Bentwoods anzubetteln. Im Gesicht des Hausmeisters erkennen sie plötzlich "die Gemeinheit, die wie einen Stein unter Wasser" liegt". (S. 188)
Ob es sich dabei um Anzeichen wirklicher Bedrohungen handelt oder um die Folge einer erhöhten Sensibilität, wird nicht deutlich. Auf jeden fall empfindet Sophie ein zunehmendes Gefühl der Verunsicherung, verbunden mit einem schlechten Gewissen gegenüber ihrem biederen Otto, der alles in allem gar nicht so übel ist, aber allein schon durch seine permanente eheliche Gegenwärtigkeit einfach nervt.
Erst nach einem Drittel des Buches erfährt der Leser von Francis Early, mit dem Sophie vor einigen Jahren eine Affäre durchlebte. Für eine kurze Zeit erhoffte sie sich damals "ein neues Leben" (der biedere Otto ahnt und merkt natürlich nichts ), dann ist aber schon alles vorüber. Die Trennung stürzt Sophie an den Rand einer Depression, dann in eine große Verdrossenheit, aus der heraus die Geschichte des vorliegenden Buches erzählt wird. Das Ende ist offen. Der genervte Otto wirft aus nichtigem Anlass ein Tintenfass an die Wand, Sophie, in einem Moment der Zuneigung, steht ihm zur Seite. Das wars.
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen - nicht wegen der Handlung, denn sonderlich viel passiert nicht, sondern wegen der unterschwelligen Stimmung des Ehe-Endes, das die beiden am Horizont ihres Alters auftauchen sehen, ohne dass sie es wahrhaben wollen. Die ganze, beinahe anthropologisch zu nennende Misere der etablierten Ehe, in der nichts mehr geschieht, wird eindrucksvoll dargestellt (nur einmal schlafen die beiden zusammen, gleichsam beiläufig wie ein Dieb in der Nacht besteigt Otto seine Frau) - aber einen Rat gibt es nicht. Am ehesten scheint die Intention der Autorin dahin zu gehen, dass man diese Misere aushalten muss, denn sie gehört zum Lauf der Welt "und man hat ohnehin keine Wahl mehr". Der Roman ist in einer geschliffenen, teilweise poetischen, teilweise melancholischen Sprache geschrieben, die herrlich zur Grundstimmung des Buches passt.
Genau die richtige Lektüre, wenn man sich über seinen Partner geärgert hat und zugleich gegen sein schlechtes Gewissen ankämpft. Stretching fürs Seelengebein.
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22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Am Ende bleibt eine Bereicherung für jedes Bücherregal, 24. Juni 2000
Von Ein Kunde
Wie so oft bei amerikanischen Schriftstellern fasziniert in "Was am Ende bleibt" die treffende Darstellung einer dekadenten saturierten Gesellschaft, in der die Menschen, materiellen Nöten enthoben, nur noch an sich selbst scheitern können. Das Leben des Ehepaares Bentwood gerät aus den Fugen. Sie leben miteinander, haben sich aneinander gewöhnt, in etwa so lieb gewonnen, wie ein altes Sofa. An einem Scheidepunkt in ihrem Leben stellt sich die Frage einer möglichen Trennung. Sie sind sich so fremd geblieben wie Menschen sich eben nur in einem gewissen Maß kennen lernen können. Der Biß der Katze ist dabei im Grunde nur ein die Symptome eskalieren lassender Anlaß, er gibt der Beziehung wie dem Leben den Geschmack der Vergänglichkeit. Die Schilderung der inneren Zerwürfnisse und deren äußerer Ausbruch geschieht dabei sehr subtil. Es sind Reaktionen auf Begegnungen mit der Umwelt, wie die voyeuristische Beobachtung eines Penners, es sind Sophies Stimmungsschwankungen, die so schnell abebben, wie sie scheinbar grundlos explodierten, es ist Ottos pure Verzweiflung am Leben, dessen unzweifelhafte Rechtschaffenheit von seinem moralisierenden Unterbewußtsein untergraben wird, das wundersame getrieben sein, in dem von Paula Fox weder Fragen gestellt noch Antworten gegeben werden, sondern deren Fähigkeit im Verschweigen liegt. Otto und Sophie als Figuren wird man im Grunde nur emotional gewahr, es formt sich ein Bild vom Entstehen und Vergehen menschlicher Beziehungen, vom Leben, in dem es nie ein richtig oder falsch geben kann. Es gibt nur Entscheidungen, die so oder so getroffen werden. "Was am Ende bleibt" ähnelt auf der Gefühlsebene (wenn auch kaum im Stil) sehr den Kurzgeschichten von Raymond Carver, da auch dort viel mehr gesagt wird, indem es unterbleibt. Die Geschichte ist wunderschön, melancholisch und flüssig lesbar. Wahrscheinlich ist sie am besten beschreibbar mit Sophies Katzenbiß. Die süß schmerzhafte Verletzung von einem zarten Wesen, die zu eitern anfängt, Ängste verursacht und Wahrheiten belebt, und dennoch irgendwann abklingt. Zurück bleibt ein Kratzer und eine verschwimmende Erinnerung. So wie bei jeder menschlichen Beziehung auch.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zeiten ändern sich, aber nicht immer, 4. Januar 2003
Wie auch schon in den vorherigen Rezensionen bemerkt wurde, ist das Buch von 1971(meinem Geburtsjahr). Die Geschichte liest sich aber, als ob sie in heutiger Zeit verfasst wurde. Szenen einer Ehe, einer Beziehung, die zeigt, daß im zwischenmenschlichen Bereich sich nicht wirklich viel geändert hat. Das Buch ist gut geschrieben(bzw. gut übersetzt) und ist etwas für einen, wenn man sich für das alte Thema Mann und Frau interessiert, daß ja doch immer mit das spannendste Thema ist. Fazit:Ein qualitativ gutes Buch - den Stern Punktabzug gibt es von mir, weil mich andere Bücher etwas mehr berührt haben. Aber das ist hier wohl wirklick sehr subjektiv. Also einfach eine eigene Meinung bilden...
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