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Baruch de Spinoza
 
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Baruch de Spinoza (Taschenbuch)

von Wolfgang Bartuschat (Autor)
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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406389368
  • ISBN-13: 978-3406389368
  • Größe und/oder Gewicht: 17,9 x 12,1 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 1.073.222 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Bifokale Vernunft

Eine Einführung in Spinozas Denken

Wenn das Diktum Nietzsches, wonach manche Autoren postum geboren werden, ausser auf ihn selbst noch auf jemand anderen zutrifft, dann gewiss auf Baruch de Spinoza. Wer die Vita des verfemten Philosophen kennt, weiss, dass die Umstände weder seiner Person noch seinem geschriebenen Werk günstig gesinnt waren. Mit vierundzwanzig Jahren wurde er aus der Amsterdamer jüdischen Gemeinde verbannt und seither von der religiösen und politischen Öffentlichkeit mit Argwohn beobachtet. Das einzige Werk, das zu Spinozas Lebzeiten (unter Pseudonym) erschien, der «Theologisch-politische Traktat», wurde vier Jahre nach seinem Erscheinen in den Niederlanden verboten. Erst mit den «Opera posthuma» also, deren Drucklegung der Verfasser noch zu Lebzeiten vorbereitet hatte, wurde Spinoza in den Augen einer breiteren Öffentlichkeit zu dem, was seit Platon einen Philosophen auszeichnet: zum Autor eines Werkes. Doch auch diese postume Geburt ging nicht ohne Komplikationen vonstatten, und der «Ethica», dem spröden und gewichtigen Hauptwerk Spinozas, war eine ebenso wechselvolle wie widersprüchliche Rezeption beschieden. Während die einen sie als atheistisches Machwerk, als Ausdruck eines gottlosen Pantheismus geisselten, wurde ihr von anderer Seite gerade ihre Weltlosigkeit, ihr Akosmismus, vorgeworfen.

Wolfgang Bartuschat, ein ausgewiesener Kenner Spinozas, hat nun in einer äusserst lesenswerten Einleitung zu zeigen versucht, dass beiden historisch gewachsenen Vorwürfen ein wenn auch relatives Recht in der Sache zukommt. Der Grundgedanke, von dem er sich in seinem Parcours durch die Definitionen, Axiome und Lehrsätze des mos geometricus leiten lässt, ist der, dass sich das Eigenste der Ethik nur demjenigen erschliesst, der bereit ist, sie in ihrer Doppelgestalt als «ontologische Strukturtheorie des Absoluten» und als Reflexion auf die Stellung des Menschen in der Welt zu lesen. Zwar sind die theoretischen Kosten dieses Versuchs, die beiden Brennpunkte der Ethik in ihrem Zugleich zu erfassen, keineswegs gering; sie sollten jedoch, so Bartuschat, nicht übersehen lassen, dass die geläufigen Lesarten Spinozas zumeist einem Reduktionismus geschuldet sind, während sich umgekehrt für die von Spinoza vorgeschlagene Lösung starke Argumente anführen lassen. Bartuschat zuspitzend könnte man sie wie folgt formulieren: Eine Ethik ohne eine die (Affekt-)Natur des Menschen berücksichtigende Metaphysik bleibt ebenso reines Sollen wie umgekehrt eine metaphysische Ontologie, welche die Frage nach dem Guten unterschlägt, nur Monstrositäten gebiert. Metaphysik, wie sie Spinoza betreibt, ist darum mit einem Wort Bartuschats stets «funktionale Metaphysik». Ihre Aufgabe ist es, das Wesen des Menschen und seine Stellung in der Welt aus Strukturen des Absoluten rational so zu beschreiben, dass sie den Menschen auf seine eigenste Möglichkeit, die Erlangung der Glückseligkeit, hin freigibt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wie schreibt doch Spinoza im letzten Satz der Ethik? – «Alles Erhabene ist ebenso schwer wie selten.»

Andreas Cremonini

Kurzbeschreibung

Baruch de Spinoza (1632-1677) hat ein philosophisches System entworfen, das wie kein anderes einem absoluten Rationalismus verpflichtet ist. Es ist sein Ziel, über eine vollständige Begründung von Weltzusammenhängen dem Menschen zu einer vernünftigen Weltorientierung zu verhelfen. Das gelingende menschliche Leben hängt demnach von klarer und deutlicher Erkenntnis ab. Spinoza hat deshalb sein Hauptwerk, das sein philosophisches System enthält, unter den Titel "Ethik" gestellt. Dieses zentrale Werk steht im Mittelpunkt von Wolfgang Bartuschats Darstellung, doch werden auch die übrigen Werke Spinozas dem Leser vorgestellt. Eine Leitfrage ist dabei, in welcher Weise für Spinoza theoretische Begründungen eine zugleich praktische Bedeutsamkeit haben. "Ich erhebe nicht den Anspruch, daß ich die beste Philosophie gefunden habe, sondern ich weiß, daß ich die wahre begreife. Wenn Sie aber fragen, woher ich das weiß, werde ich antworten: geradeso wie Sie wissen, daß die drei Winkel eines Dreiecks gleich zwei rechten sind. ... Denn das Wahre ist der Probierstein seiner selbst und des Falschen." Baruch de Spinoza.

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5.0 von 5 Sternen Gegen die Windmühlenflügel parteilicher Religiosität ..., 20. Januar 2006
Von FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
Spinoza hat wie ein niederländischer Voltaire mit seinem Schreiben für die Einführung der Neuzeit gekämpft - in einem noch stärkstens von Religionen und diktatorischen Gemütern beherrschten Land.
Amsterdam war zu Lebzeiten Spinozas zwar wohl die lebendigste, freieste und vielleicht erste wirklich multikulturelle Großstadt Europas - die wahrhaftige Mutter Nieuw Amsterdams / New Yorks. So frei allerdings, dass man ungestraft philosophieren konnte, wohin einen der Gedanke nur trieb - so frei war Amsterdam damals noch nicht.
Viele der notgedrungen heimlichen Unterstützer Spinozas (Verleger, Buchhändler, Schreibende) landeten im Gefängnis oder in der Verbannung. Am krassesten erging es den Brüdern Johan und Cornelis de Witt, die am stabilsten für Spinozas materielle und juristische Unterstützung gesorgt hatten: Ein aufgebrachter Pöbel aus Monarchisten und Calvinisten holte sie aus dem Gefängnis und vollzog ein Lynch-Gericht im damaligen Stil: Man zerfleischte die Körper und hielt voller Triumph ein herausgerissenes Herz in die Höhe. Eine basisdemokratische Abart aztekischer Sitten. Die Aristokratie sah in Kutschen sitzend genüsslich zu. Nur mit Mühe konnte Spinoza von seinen Betreuern davon abge-halten werden, anderntags am Tatort ein Schreiben aufzuhängen mit der Überschrift "Ultimi barbarorum" (allerletzte Barbaren, ihr!).
Spinozas Familie, jüdisch, war der Zwangskatholisierung in Spanien entflohen - Richtung Stadtstaat Amsterdam. Spinozas erste Denkergebnisse, welche die Bibel als historische Schriftensammlung verschiedener Menschen ansah (also keineswegs als von Gott verfasst), - sie brachten ihm den unerbittlichen Bannspruch seiner eigenen jüdischen Gemeinde ein:
"Nach dem Urteil der Engel und der Aussage der Heiligen verbannen, verfluchen, verwünschen und verdammen wir Baruch de Spinoza. Hütet euch: dass niemand mündlich noch schriftlich mit ihm verkehre, niemand ihm die geringste Gunst erweise, niemand eine von ihm gemachte oder geschriebene Schrift lese..."
Wie eine frühe Vorstufe der Amsterdamerin Anne Frank versteckte sich Spinoza fortan zumeist in kleinen Grabkammern von Zimmern, verlor den Reichtum seines Familiengeschäftes, wurde von Freunden heimlich unterstützt, verdiente sich sein Zubrot durch Schleifen optischer Gläser [frühe Todesursache: Glas-Staub in der Lunge] - und schrieb beharrlich und lästig weiter, von der Richtigkeit seines Denkens überzeugt, - allerdings anonym. Wie ein Giordano Bruno in Rom wollte er nicht enden. Spinoza war vom Pantheismus Giordano Brunos fasziniert und definierte, seine Thesen ausbauend, Gott als in aller Natur (und in jedem Menschen) waltende Kraft.
Weder die damaligen Juden noch die Christen waren bereit, solcherlei gedankliche Änderungen in ihr Weltbild aufzunehmen oder dergleichen wenigstens zu tolerieren. Eine Großstadt ist - heute wie damals - gekennzeichnet durch die Ungleichzeitigkeit der auf verschiedenen Entwicklungsstufen stehenden soziologischen Teilstücke. Das aristokratische, bürgerliche, intellektuelle, belesene Lager, welches mit Spinoza sympathisierte, war schon auf einem anderen Entwicklungsstand als die dogmatischen Konfessionsapparate jüdischer oder calvinistischer Prägung.
Da Spinoza sich, von Hobbes inspiriert, auch an die Formulierung demokratischer Staatsideen heranwagte, geriet er unverzüglich auch in Konflikt mit der herrschenden Oranier-Sippschaft. Der ungebildete Pöbel, von Predigern genauso wie von Prinzen zu Marionetten gemacht, war durch die sensiblen Überlegungen Spinozas nicht sehr abbremsbar.
Für Spinozas Beharrlichkeit müssten wir uns, wenn wir es denn könnten, zutiefst bei ihm bedanken. Durch ihn geschult, könnte unser Verstand zügiger die restlichen Wurmfortsätze seines Jahrhunderts auch in unserem gegenwärtigen Zeitalter schneller identifizieren: New York, das legale Kind Amsterdams, wurde am 11. September 2001, scheinbar fern von jedem Religionskrieg, zum Zielpunkt islamistischer Indoktrination, welche genau weiß, wie auch heute noch Marionetten mit ultimativem Barbarismus in Gang zu bringen sind - nur technologisch ist man erheblich besser ausgerüstet als die marodierenden Horden des Mittelalters...
Trotz all seiner Beharrlichkeit ist Spinoza jedoch schon fast in Vergessenheit geraten - über die Grenzen Hollands wurde sein Denkgebäude kaum hinaustransportiert. In islamische Länder scheinbar überhaupt nicht. Wer überhaupt von den westeuropäischen Philosophen? Die Macht der Religionsversprechungen auf ein ruhmvolles Jenseits als Belohnung für Kamikaze-Heroismus hat alle Jahrhunderte allerdings unangekratzt überstanden und - sie expandiert…
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