Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Der Kirschblütenmord, 17. November 2006
Zufällig stieß ich auf die Romane von Laura Joh Rowland und las gespannt die positiven sowie negativen Rezensionen, wobei dann meine Neugierde überwog und ich mir dachte, dass eine Romanreihe von der es so viele Bände gibt eigentlich nicht so schlecht sein kann, weshalb ich mir dieses Buch dann auch bestellte. Was mich jedoch dann verwundete war, dass die Autorin eine Amerikanerin mit koreanischen und chinesischen Wurzeln ist. Was bewog sie wohl, ausgerechnet über Japan zu schreiben? Fast befürchtete ich schon, die negativen Stimmen hätten Recht bei dem Roman, was ich dann aber tatsächlich fand war ein netter Unterhaltungsroman den man zwar nicht zu ernst nehmen darf, der aber auch seine Stärken hat. Er liest sich über die erste Hälfte hinweg wie eine Bilderreihe, jedes Kapitel ein Einzelbild und doch zusammengehörig, das ist recht simpel gemacht, aber tut dem Unterhaltungsfaktor keinen Abbruch. Doch kommen wir endlich zur Geschichte:
Sano Ichiro (oder besser Ichiro Sano, wen das verwirrt sei verraten, dass man in Japan den Nachnamen (Sano) vor dem Vornamen (Ichiro) nennt) wird Yoriki, Bezirksvorsteher der Polizei von Edo. Er ist nicht grade beliebt bei seinen Kollegen, da er doch eigentlich Lehrer war und nur in das Amt kam, weil sein Vater noch einen Gefallen bei einem höher gestellten Samurai offen hatte und nicht wie die anderen Yoriki durch Erbschaft auf seinen Posten gelangte. Schon bald bekommt er einen ersten Fall, ein Doppelselbstmord einer höher gestellten jungen Frau und eines Künstlers. Durchaus nichts ungewöhnliches in Japan, erlauben die Konventionen doch keine Liebesheirat von so unterschiedlich gestellten Menschen. Ichiros Vorgesetzter drängt auf schnelle Erledigung, aber Ichiro ist gewissenhaft bei seiner Arbeit. Da sein Vorgesetzter schon selbst die Leiche der Frau zu ihrer Familie zurückgeschickt hatte, bleibt Ichiro nur noch der Künstler als Anhaltspunkt. Er geht also in das Gefängnis, welches auch die Leichenhalle beherbergt und bald stellt sich heraus, dass der Künstler ermordet wurde.
Die nächsten "Einzelbilder" werde ich mal kurz anreißen: "Gefängnis und Leichenhalle, dazu ein nach der verbotenen holländischen Lehre ausgebildeter Arzt der eine verbotene Leichenöffnung vornimmt", "Ergebnisloser Besuch bei der Familie der Toten", "Ichiros Suche im Künstlerviertel", "Yoshiwara, das Vergnügungsviertel (wobei bei Frau Rowland leider wieder alle auftauchenden Frauen Prostituierte sind), es stellt sich heraus, dass der Künstler mehr Jungen als Frauen zugetan war und nicht selten sein Geld mit Erpressungen verdiente", "Verdächtige: Ein berühmter Kabuki Schauspieler der Frauenrollen spielt (Onnagata) und ein Straßen-Sumo Kämpfer der geistig zurückgeblieben ist aber zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigt".
Da alle Nachforschungen nicht so recht was bringen, muss Sano sich doch wieder an Familie Niu halten, die hochgestellte Familie der Ermordeten, die eigentlich die Sache unter den Tisch kehren möchte, jedoch weiss die kleine Schwester der Ermordeten wohl doch mehr, wie sie Ichiro andeuten konnte, aber sie wurde geschickt aus dem Weg geschafft - in ein Kloster. Hier beginnt die eigentliche Geschichte, während der Ichiro alles verliert, Amt und Würden und so manches Mal fast sein Leben, weil er sich von seiner Rechtschaffenheit geleitet mit zu hoch gestellten Leuten anlegt um am Ende nichts geringeres als die Ermordung des Shoguns zu vereiteln.
Das Buch ist nicht wirklich Glaubhaft, da Ichiro wirklich nur in "Tabuthemen" herumschnüffelt, die Frau Rowland recht ausgeschmückt präsentiert, was dadurch wiederum zu konstruiert wirkt. Trotzdem ist es recht Unterhaltsam zu lesen, denn in jedem der angehäuften Tabuthemen steckt tatsächlich auch ein Fünkchen Wahrheit. Wirklich gut dargestellt ist der Zwiespalt in dem sich Ichiro befindet und der sich aus dem "Bushido" dem Ehrenkodex der Samurai ergibt. (Bushido: Rechtschaffenheit, Respekt, Mut, Ehre, Mitleid, Ehrlichkeit und Pflicht.) Einerseits ist er seinem Vorgesetzten verpflichtet und darf sich nicht über seine Anweisungen den Mord als Selbstmord abzutun hinwegsetzen, zumal seine Entlassung seinem Vater Schande bereiten würde, der sich so für ihn eingesetzt hat, und Ichiro somit als respekt- und ehrlos gelten würde, aber er darf auch nicht den Mord unter den Tisch kehren, das liefe zuwider der Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit. Wie soll er es also schaffen, dem Bushido gerecht zu werden? Nur mit dem Mut der Verzweiflung, bei dem er alles aufs Spiel setzt und auch alles verliert um die Wahrheit ans Licht zu bringen, schafft er es dann doch den Fall zu lösen. Das Ende ist schon ab der Hälfte des Buches abzusehen, das stört die unterhaltsame Geschichte aber nicht zu sehr. Das Glossar am Ende des Buches erklärt die japanischen Begriffe die im Buch auftauchen zwar zweckdienlich, aber teilweise nicht genau genug, was für das Buch selbst allerdings nicht schlimm ist.
Zusammenfassend ist es ein gutes Buch, trotz der offensichtlich übertriebenen Anhäufung von Tabuthemen, der man eine gewisse Klischeehaftigkeit nicht absprechen kann, ist es unterhaltsam und gut recherchiert. Der Schreibstil ist noch ausbaufähig, aber trotzdem packend und zum Ende hin deutlich besser als am Anfang. Wer also gerne in ein farbenprächtiges Japan des auslaufenden 17. Jahrhunderts eintauchen möchte ist hier durchaus gut und vor allem unterhaltsam bedient. Für Leute die ein historisch exaktes Bild von der Zeit erwarten, ist er allerdings nur halbwegs geeignet.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
mal etwas anderes, 27. Oktober 2003
Sicher kenne ich mich was das Genre des japanischen Kriminal-oder Historienromanes betrifft nicht so gut aus wie manch eingefleischter Fan..., jedoch möchte ich gern kurz meine Meinung zu diesem Buch abgeben: Ich habe es für sehr wenig Geld auf einem Schnäppchenmarkt ergattert..und eigentlich waren mir die Autorin und die Thematik recht unbekannt...nur weil ich vor einiger Zeit einen sehr spannenden Historienroman über Geishas gelesen hatte (Athur Golden, "die Geisha")entschied ich mich den "Kirschblütenmord" zu meiner Ferienlektüre zu machen. Bereut habe ich es nicht-obwohl sicherlich auch Kritikpunkte in Schreibstil und Handlung zu finden wären...Aber ich habe mich eingelassen auf die Atmosphäre des Buches und jener Zeit...ich bin sozusagen mit Sano Ichiro durch die dunklen Gassen Edos geschritten, habe mit ihm recherchiert, gegrübelt, gekämpft und gefühlt. Auch seinen starken inneren Konflikt zwischen seinem Wahrheits-und Wissensdrang und dem Weg des Samurai, sowie seinen Verpflichtungen gegenüber seiner Familie und den Vorgesetzten konnte ich dank der Autorin gut nachempfinden. In meinen Augen ist es eine spannende Alternative gegenüber europäischen Mittelalterromanen, deren Intrigen und Verwicklungen zwar nicht minder interessant, aber eben "europäisch" (also für mich normal-da ja Teil meiner Kulturgeschichte..)sind. Was mir auch gut gefallen hat, ist das die Hauptfigur des Buches-Sano Ichiro-viele unterschiedliche Seiten in sich vereint und ab und zu seine Gefühle zeigt und den Leser an seiner starken inneren Gedankenwelt teilhaben lässt. Er steht für mich somit im krassen Gegensatz zu den Ermittlern und Kriminalhelden der westlichen Welt, die bei ihrer Ermittlung oftmals von anderen Motiven geleitet werden bzw. die ja meist ganz andere Charaktäre verkörpern. Dieses Buch gibt dem Leser einen gewissen Einblick in die damalige Lebensweise, mit ihrer ganz eigenen Architektur undt raditionell geprägter Kultur. Es vermittelt aber nicht wie der Titel "Kirschblütenmord" vermuten lässt-eine kitschige, romantische Krimiatmosphäre unter den Blüten Japans. Der Leser bekommt Einblicke in die Gedanken und Gefühlswelt-aber auch in den Alltag und die Pflichten eines Samurais, der plötzlich mit einem ihm artfremden Beruf und einem völlig neuen Lebensumfeld konfrontiert wird. durch ihn kommt man manchmal direkt, manchmal indirekt in Kontakt mit den Sorgen und Nöten und dem Leben des einfachen Volkes, mit der Dekadenz und Machtbessenheit gewisser Beamter und Politiker der damaligen Zeit, sowie einen gewissen einblick in die ökönomische und politische Infrastruktur einer so grossen mitellalterlichen Stadt. Für mich war das interessanteste an diesem Buch, der Zusammenbruch der Fassade des Hochadels und mit Ihm das sichtbarwerden schockierender Tatsachen und einer fatalen Schwäche. Ich möchte dieses dabei Buch weder in den Himmel loben, noch es irgendwie kritisieren. Empfehlen würde ich es aber jedem, der die Mischung aus asiatischer Kulturgeschichte und Kriminalistik mag...
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein genialer historischer Krimi, 20. Juli 1999
Von Ein Kunde
Für jeden, der sich für das mittelalterliche Japan interessiert oder gerne einen spannenden Krimi liest, empfiehlt sich dieses Buch. Die Hardcover-Ausgabe ist wunderschön gemacht, wie man das beim Lübbe-Verlag oft findet. Aber auch inhaltlich bietet das Buch viel. Man taucht auf einen Schlag ein in eine mitreißende Geschichte, die einem auf besondere Art den Polizei-Apparat und die Bürokratie des feudalen Japan im 17. Jahrhundert näherbringt. Auf Schritt und Tritt begleitet man dann Sano Ichirô, den „Detektiv", der Hürde um Hürde zu überwinden hat um einen als Selbstmord getarnten Mord aufzuklären. Bis zum Schluß ist man sich aber nicht völlig sicher, ob Ichirô-san mit seinen Vermutungen richtig liegt oder einfach nur einer Wahnvorstellung verfallen ist. So werde ich mich auch hüten an dieser Stelle das Geheimnis zu lüften. Die Autorin Laura Joh Rowland schafft es dabei geschickt kulturelle Besonderheiten des Landes und der Zeit mit einer spannenden Kriminalgeschichte zu verspinnen, so wirkt die Location nie fehlplaziert oder aufgesetzt. Ein interessanter Anhang klärt über die wichtigsten Begriffe auf, die im Text verwendet wurden. Ein genialer historischer Krimi. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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