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26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Roman über Terroristen lange vor Osama Bin Laden, 27. Februar 2003
Spätestens seit dem 11.September 2001 muß das Thema dieses Romans als brisant anmuten. Schließlich ist die Festung „Alamut" der historische Keimpunkt für politisch motivierte Selbstmordattentate, die von fanatischen Glaubensanhängern ausgeübt werden. Die Geschichte handelt im Persien um 1090, welches von den Türken (genauer: Seldschuken) beherrscht wird. Der persische Gelehrte und charismatische Glaubensführer, Hassan ibn Saba, einst einer der Mächtigen am Hofe des seldschukischen Schah von Persien, hat sich das nationalistische Ziel gesetzt, sein Land von den Seldschuken zu befreien. Nach 20 Jahren der Verbannung und der Flucht vor den Häschern des Schah, konnte er die strategisch nicht weiter bedeutsame, aber praktisch uneinnehmbare Festung Alamut im nordiranischen Elburs-Gebirge einnehmen. Dort sammelt er seine Anhänger und dort beginnt er auch junge, kräftige, intelligente, tapfere, glaubensfeste aber im Leben noch unerfahrene Männer zu „Feyadins", zu Selbstmordattentätern auszubilden, die ihm willenlos gehorchen ..... Der Roman beschreibt zunächst ausgedehnt diese Ausbildung, welche die jungen Männer in wenigen Monaten in ihrem Wesen verändert. Er beschreibt, welchen verblendenden Einfluß Ehrgefühl, Authoritätsdenken, Religion und Gruppendynamik ausüben können. Und er beschreibt, wie es dem charismatischen Hassan ibn Saba, den die fränkischen Kreuzritter später ehrfürchtig als den „Alten aus den Bergen" bezeichneten, durch sein psychologisches Einfühlungs- und Täuschungsvermögen gelungen ist, ein Versprechen des Koran so glaubwürdig zu vermitteln, daß seine Feyadins dafür gerne in den Tod gegangen sind: das Versprechen von den paradiesischen Jungfrauen. Der Roman schildert eindrucksvoll und spannend die ersten Attentate und deren politische und gesellschaftliche Wirkung. Aus dem blühenden Persien wird ein Sumpf der Bürger- und Erbfolgekriege, welche den gesamten arabischen Raum erfassen. [Anm: Die Bezeichnung, welche später die Kreuzritter für diese Feyadins gewählt haben, nämlich „Assassinen" ist fest in den englischen Sprachgebrauch eingegangen. „To assassinate" bezeichnet die Ausübung eines politisch motivierten Mordes, bei welchem der Attentäter den eigenen Tod in Kauf nimmt. Die religiös den Schiiten nahestehenden Assassinen festigten über mehrere Generationen ihren Machtbereich und halfen somit, den Iran aus dem unmittelbaren Einflußbereich des (sunnitischen) Kalifates heraus zu lösen und in der Folge das Reich in einen Iran und einen Iraq zu teilen.] Der slowenische Autor Wladimir Bartol hat den Roman 1938 fertiggestellt. Wenngleich er in seiner feinen und intelligenten Charakterzeichnung den Leser sogar dazu verleitet, Verständnis für Hassan ibn Saba, seine Motive und seine Methoden aufzubringen, muß der Roman doch als Warnung vor der Methodik der (religiös motivierten) politischen Verblendung aufgefaßt werden. Zahlreiche Dialoge widmet der Autor nämlich der Entlarvung den Fanatismus als Ergebnis einer kalt berechnenden und skrupellosen Methodik, die deren Urheber auch noch als Heilsbringer erscheinen läßt. Gedacht mag Wladimir Bartol dabei vielleicht an Hitler und dessen arisch-nationalsozialistischen Fanatiker haben, beschrieben hat er aber das Regime der afghanischen Taliban, welches sich erst Jahrzehnte nach dem Tod des Autos gebildet hat: Auf Alamut war alles verboten, was Freude am Leben aufkommen läßt: Das reicht vom Zusammensein mit Frauen und sogar dem Träumen von Frauen, den Genuß guten Essens, dem Trinken von Wein bis hin zur Zerstreuung durch Spiele und sogar zur Musik, auf deren Spielen die Todesstrafe stand. Je freudloser das wirkliche Leben erscheint, desto sehnsüchtiger erhofft man die zügellosen Freuden des Paradieses im Jenseits. Ich gebe dem Roman vier Punkte. Den fünften mag ich nicht vergeben, weil die Ausbildungsphase meines Erachtens doch etwas zu ausgedehnt geschildert wurde. Auch fehlt es dem Roman ein wenig an Dichte, vielleicht empfinde ich dies aber nur deshalb so, weil mir die historischen Begebenheiten bereits bekannt waren und mir die dargelegten weltanschaulichen Gedankengänge längst vertraut sind. Wer an der Botschaft des Autors nicht interessiert ist, dem bietet sich immerhin ein phasenweise spannender exotisch-orientalischer Abenteuer-Roman. Aus meiner Sicht eignet dieses Buch, an welchem ich gerne bis spät in die Nacht gelesen habe, auch ideal als Jugendbuch für 13- bis 16-Jährige. Eine ideale Ergänzung zu der in diesem Roman vorliegenden Perspektive der historischen Ereignisse bietet die atemberaubend dichte und fast märchenhafte Erzählung „Samarkand" von Amin Malouf, die das Leben des Omar Khajjam schildert. Omar Khajjam war seinerzeit ein Freund und Mentor des ehrgeizigen Ibn Saba, ja sogar ein Verbündeter ehe Ibn Saba die Flucht vor dem Schah ergreifen mußte. Aber anders als Ibn Saba war er den Freuden des Lebens sehr zugetan, die ihm mehr bedeuteten als die Macht, die ihm am Hofe mehrmals aufgedrängt wurde und die ihm als Berater des Großwesirs auch eine ständige Quelle von Bedrohung war. Wer hingegen mehr über die unmittelbaren politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Assassinen in der arabischen Welt wissen möchte, dem kann ich das beinahe romanhaft zu lesende Sachbuch „Die Geschichte der arabischen Völker" von Albert Hourani empfehlen. Die Festung Alamut überstand unbehelligt die über ein Jahrhundert herrschenden Bürger- und Erbfolgekriege, den Mongolenstürmen aber konnte sie nicht mehr widerstehen. Den ersten mongolischen Einfall in den Iran beschreibt in selten erlebter Intensität Malcolm Bosse unter anderem in seinem eindrucksvollen Roman „Der Khan".
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Roman über den Fanatismus, 20. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Der Roman über die Assasinen-Sekte im Orient während des Mittelalters ist nicht nur eine spannende Geschichte, er eignet sich auch geradezu ideal, das Wesen des Totalitarismus darzustellen. Der Autor schaffte das Kunststück, nicht nur fesselnd zu schreiben, die Welt des alten Orients wiederauferstehen zu lassen, sondern auch politische Botschaften zu vermitteln. Die Herrschenden benötigen leichtgläubige Untergebene, und die Untergebenen benötigen die Illusion, einem vermeintlich höheren Ziel zu dienen. Selbst wenn dies frei erfunden ist. Daher ist die Geschichte von den fanatischen Kämpfern, die mit Haschisch betäubt in einen abgelegenen Garten der Lüste verschleppt werden und dort "erfahren", ihr Herrscher habe den Schlüssel zum Paradies, ein lehrreiches Stück. Als Leser erfährt man den Wechsel der Sichtweisen durch den Hauptakteur: vom fanatischen Gläubigen zum enttäuschten Gegner und dann zum Vertrauten, der das Ideengebäude des "Alten vom Berg" verinnerlicht. Auf jeden Fall eines der besseren Bücher der zahlreichen historischen Romane.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Von Hassan ibn Saba zu Osama bin Laden???, 11. Mai 2005
Gibt es eine Kontinuität des islamistischen Terrors, beginnend mit den Assassinen im späten 11. Jahrhundert bis hin zu den Attentaten vom 11. September? "Alamut", erschienen 1938, wusste noch nichts von einem Osama bin Laden, doch auf der Buchrückseite der 2002 erschienenen Neuausgabe wird Hassan ibn Saba, der Gründer der Assassinensekte, als "Vorläufer des modernen Terroristen" bezeichnet und somit, zumindestens implizit, mit bin Laden in eine Reihe gestellt.Ist dieser Vergleich legitim? Bartols Roman bietet in der Tat viel Platz für solch eine Interpretation. Hassan ibn Saba versammelt auf seiner Bergfesting Alamut, im nördlichen Iran gelegen, eine ausgewählte Anzahl junger Männer um sich. Diese müssen sich einer brutalen körperlichen Ausbildung unterziehen und werden ideologisch ganz auf ihren Führer eingeschworen. Dieser, so wird ihnen beigebracht, besitze die Schlüssel zum Paradies. Um den Schülern, Fedayin genannt, dies zu beweisen, lässt Saba diese mit einem Haschischtrank betäuben (Assassinen stammt von dem arabischen Wort "Haschaschin", was so viel wie Haschischesser bedeutet) und in einen seiner riesigen Gärten bringen. Erwachen sie dort, werden sie von einer großen Anzahl von junger Mädchen erwartet, die ihnen Wein und, natürlich, ihre Körper anbieten. Nach Stunden der Freude werden sie wieder betäubt und erwachen in der realen Welt mit dem fanatischen Glauben, dass Saba wirklich die Schlüssel zum Paradies besitzte und das man wieder dorthin gelangen werde, wenn man nur jeden seiner Befehle befolge. So manipuliert ziehen die Fedayin mit Freude ihren Attentaten entgegen, die gleichzeitig ihren eigenen Tod bedeuten. Außerdem springen sie auch, auf Geheiß Sabas, von den Mauern Alamuts in die Tiefe, mit der festen Überzeugung, sofort dannach im Paradies zu erwachen. Das Motiv Sabas, so wie in "Alamut" dargestellt, ist der unbedingte Wille zur Macht. Saba wird als atheistische Persönlichkeit interpretiert, für die Religion nur Mittel zum Zweck ist, um Menschen zu manipulieren und somit Macht zu erlangen. Diese Macht ist für ihn nicht Mittel zu einem bestimmten Zweck, sondern vielmehr das Ziel seiner Aspirationen. Historisch gesehen bedient sich Bartol der großen mittelalterlichen Erzählungen abendländischer Geschichtsschreiber. Das in "Alamut" gelieferte Bild des Hassan ibn Saba und der Assassinen beruht auf dem Bericht des Burckhard von Straßburg aus dem 13. Jahrhundert. Zuverlässige Quellen dieser abgeschottet lebenden Untergruppe der Schiiten gibt es so gut wie nicht, so dass diese Sichtweise jahrhundertelang, quasi bis heute, das westliche Bild über die Assassinen prägte. Doch "Alamut" beansprucht nicht ein historischer Roman mit wissenschaftlichem Anspruch zu sein und sollte auf keinen Fall so gelesen werden. Bartol liefert eine spannend geschriebene fiktionale, kurzweilig zu lesende Geschichte, die sich hervorragend als Bettlektüre eignet. Vergleiche mit der heute vorherrschenden politischen Realität sollen und müssen nach Lektüre dieses Romans unterbleiben!
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