Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Solides Werk, aber weit im Schatten von "Perdido Street Station", 5. Oktober 2007
Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich vorher "Perdido Street Station" (auf deutsch 2 Bände: "Die Falter" und "Der Weber") vom gleichen Autor gelesen hatte und ich unheimlich begeistert von dem Roman war (siehe meine Rezension dort). Die Geschichte gehört mit zu den besten, die ich in den letzten 20 Jahren gelesen habe. Vor allem der unglaubliche Erzählstil des Autors, der fast schon poetisch schön ist, hat mich gefesselt. Nun kaufte ich mir dieses Buch und habe (natürlich) eine ebenso schöne wie spannende Geschichte erwartet. Doch ich wurde enttäuscht.
Die Geschichte entwickelt sich unheimlich langsam und zäh, ich möchte fast sagen langweilig. Auf den ersten 200 Seiten passiert fast gar nichts, die ganze Zeit frage ich mich "ja und? Wann geht denn die Geschichte endlich los?" Freilich entfaltet das Buch schließlich seine ganze Pracht und entwickelt sich zu einer fantastischen (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschichte, aber eben leider erst nach 250 Seiten...
Die Charaktere sind allesamt sehr fein und plastisch gezeichnet. Obwohl die Protagonistin sehr sperrig und eigen (mit meiner Meinung nach eher fragwürdigen Ansichten) ist, gelingt es dem leser doch rasch, sich mit ihr zu identifizieren. Das ist nicht zuletzt eine Leistung des hervorragenden und unglaublich inspirierten Erzählstils des Autors. Auch die Welt, in der diese Geschichte spielt, ist sehr lebendig und farbenfroh. Ich will nicht ständig mit "Perdido Street Station" vergleichen, aber die dortige Stadt (New Crobuzon) fand ich um einiges interessanter, die Einwohner waren in ihren Formen und Arten schillernder, hier in dem vorliegenden Band sind die Bewohner doch teilweise etwas zu flach und gelegentlich auch zu stereotyp und klischeebeladen. Alles in allem muss ich feststellen, dass der Erzählstil, die Sprache nicht an "Perdido Street Station" herankommt; manch einer würde sagen, Mieville hat sich weiterentwickelt, die Sprache ist "reifer" und ausgeformter geworden. Aber mir gefiel der jugendlich-frische, geradezu unbekümmerte Sprachstil im Vorgänger-Roman besser, dadurch wurde das Buch gewissermaßen zu etwas Besonderem".
Unterm Strich liefert der Autor hier eine solide Leistung ab. Ein (halbwegs) spannender Roman, wieder an der Grenze zwischen Fantasy, Science Fiction und Horror mit interessanten Charakteren und einer interessanten, glaubwürdigen Welt. Mehr aber eben auch nicht. Das Buch ist eben nicht so herausragend, wie "Perdido Street Station", kein solcher Meilenstein. Formal macht der Autor ja alles richtig, aber das reicht mir diesmal nicht. Freilich bin ich beeinflusst, da ich zuerst den anderen Roman gelesen habe und jetzt natürlich immer wieder vergleiche. Würde ich "Perdido Street Station" nicht kennen, hätte mich "Die Narbe" vielleicht weitaus mehr gefesselt und begeistert. So bleibt aber lediglich eine durchschnittliche Geschichte, ohne den bestechenden und betörenden Charme des Vorgängers. Und nicht zuletzt wird auch der äußerst lahme Anfang quasi zum Stolperstein für den Autor; wenn die Geschichte erst auf Seite 200 losgeht und anfängt, interessant zu werden, so strapaziert das doch die Nerven des Lesers. Wer es schafft, sich durch den ersten Teil durchzubeißen, wird freilich mit einer außergewöhnlichen Geschichte belohnt. Aber es zählt ja der Gesamteindruck ;-)
FAZIT:
Eine solide Leistung des Autors. Bei weitem kein solches Meisterwerk wie Perdido Streeet Station", dennoch eine interessante Geschichte mit interessanten Figuren, ähnlich imposant und betörend erzählt. Fans von Mieville müssen eh jedes Buch besitzen ;-) Für alle anderen empfehle ich ganz klar "Perdido Street Station" als Einstieg in Mievilles Werk. Wer gehobene Fantasy/SF-Kost mag, wird hier mehr als fündig, dem eher durchschnittlichen Fantasy-Fan, würde ich abraten, dafür sind Mievilles Werk zu sperrig.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fremdartige Welt, 8. März 2005
China Mievielle hatte bereits mit Perdido Street Station zahlreiche Preise gewonnen und seine Leser mit einer fulminant ausgearbeiteten Alternativwelt, einem viktorianischen London, in dem Menschen mit Insektenköpfen, Kakteenleuten, fliegende Menschen-Garudas und dampfgetriebenen Computer nur ein kleiner Teil des fremdartigen Szenarios waren. Schnell hat das Buch sich zu einem Bestseller entwickelt, ebenso schnell wurden Rufe nach der Fortsetzung der Geschichte laut.Jetzt gibt es ein Nachfolgebuch, aber es ist keine Fortsetzung. Es spielt zwar auf derselben Welt, aber nicht in New Crobuzon und auch die Figuren sind andere. Diesmal erleben wir die schwimmende Armada, eine Stadt aus Schiffen, die zusammengekettet über die Meere zieht und von Piraterei lebt. Wieder bietet der Autor dem Leser eine Fülle fremder Lebensformen, sorgfältig ausgearbeitet und überzeugend dargestellt, darunter Anopheles-Menschen, deren Männer von Blüten leben, deren Frauen aber alles aussaugen, was Blut hat. Auf diesem Hintergrund entwickelt er die Geschichte von Bellis, die aus New Crobuzon fliehen muss, von Piraten in die Stadt Armada gebracht wird und, weil sie die Einzige ist, die die Sprache Hoch-Kettai kann, von den Piraten ausgewählt wird, um ... Aber nein, das verrate ich hier nicht. Denn Mieville entwickelt nicht nur eine faszinierende Welt, sondern lässt darauf eine Geschichte spielen, die dafür sorgt, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag, bevor er nicht die letzte Seite gelesen hat. Und auch dann möchte er weiterlesen, denn das ist der erste Band der Geschichte um die Narbe, der zweite „der Leviathan" ist gerade erst erschienen. Dabei widerspricht diese Geschichte mit ihren fremdartigen Rassen und ihrer spröden Heldin so sehr allen gängigen Bücher-Marketingregeln. Wenn es nicht im angloamerikanischen Raum bereits ein Erfolg gewesen wäre, hätte sich vermutlich kein deutscher Verlag für dieses Buch erwärmen können. Das zeigt einmal mehr, mit welcher Vorsicht diese „das verkauft sich nicht"-Regeln zu genießen sind. (C) Hans Peter Roentgen
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandioser Miéville mit leichten Übersetzungs-Eigenheiten, 13. Juni 2004
Wie diese Welt, die Miéville erschaffen hat, beschreiben? Vielleicht am ehesten mit "Die Differenzenmaschine" ([Gibson/Sterling] das Informationszeitalter beginnt bereits im viktorianischen England) meets "Shadowrun" (ein SF&F-Rollenspiel mit HiTech, Elfen&Co. und Magie). Ein genaues Einordnen in ein Genre ist nicht leicht, ich würde aber 'gefühlt' zu Fantasy tendieren. Nach dem grandiosen Auftakt "Die Falter" & "Der Weber", ein weiterer Doppelband von Miéville. Eine Protagonistin aus den beiden Bänden flieht aus 'New Crobuzon' per Schiff und landet auf einer schwimmenden Pirateninsel, die aus vertäuten Schiffen und Booten besteht. Miévilles Phantasie schlug wieder hohe Wellen, die Details und Nebenhandlungen sind ein Fest für jeden Phantasten, seine Gigantomanie ist ungebrochen grenzenlos. Nicht gelungen finde ich die Übersetzung der EIGENNAMEN. So wurde aus Bellis Coldwine eine Bellis Schneewein. Eigennamen werden imho einfach nicht (mehr) übersetzt, daß aus Tolkiens Bilbo Baggins ein Bilbo Beutlin wurde, reicht ja wohl ein für allemal. Fazit: Grandioses Werk. Mein Wunsch wäre allerdings, daß die nächsten zwei Bände wieder im Moloch 'New Crobuzon' spielen.
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