Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein geniales Kunstwerk!Aber nur eingeschränkt empfehlenswert, 17. März 2006
Für meine Begriffe ist dieses Buch ein absolutes Meisterwerk. Den Autor kannte ich vorher nicht, habe mir das Buch nur gekauft, weil sich die Geschichte irgendwie so schräg anhörte, dass ich mir dachte, sie könnte interessant sein. Und genauso ist es auch gekommen, ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll…Welt, die hier beschrieben wird, ist so bizarr, so fremd, die Lebewesen, die sie bevölkern auch so fremdartig und surrealistisch. Gleichzeitig kommt einem aber alles auch verdammt vertraut und bekannt vor. Die Welt (eigentlich spielt sich alles nur in einer einzigen Stadt ab) wird überaus detailliert und lebendig beschrieben. Dabei sprießt sie geradezu über von tollen Ideen und Einfällen. Das ganze wird in einer derartig poetisch-schönen Sprache beschrieben, dass man mühelos für mehrere Stunden einfach in dieser Welt versinken kann. Mir fallen nur zwei Bücher ein, die ein vergleichbares ideenreiches, geniales und so schön systematisiertes Universum beschreiben: Der Herr der Ringe von J.R.R. Tolkien und der Wüstenplanet von Frank Herbert. Eins muss man allerdings dazu sagen: Sämtliche Vorstellungen über unsere Realität, unsere Naturgesetze und unsere Physik finden hier keine Anwendung. Es handelt sich um einen Roman, der irgendwo zwischen Science Fiction, Fantasy und Horror schwebt und alle drei Teile perfekt miteinander verbindet. Es gibt „normale“ Menschen mit „normalen“ Berufen, aber auch sehr fremdartige und skurille Lebewesen, wie z. B. die Kepri (ein Mischmasch aus Mensch und Insekt) oder die Garuda (halb Mensch, halb Vogel), aber auch sehr fremdartige „Künste“, wie z.B. die Thamaturgie (eine Art Magie) oder das Remaking (eine monströse Abart der plastischen Chirurgie). Die Geschichte an sich entwickelt sich nur sehr langsam und teilweise etwas schleppend. Lange Zeit passiert auch mal gar nichts. Wirkliche Spannung (im engeren Sinne) kommt eigentlich erst so im letzten Drittel des Buches auf. Aber ich finde das gar nicht so schlimm. Dieses Buch lebt von den eindringlich, wortgewaltig beschriebenen Stadtszenen und den Bewohnern. So gibt es viele unterschiedliche Stadtteile, jedes Viertel hat aber seine eigene Geschichte, seine eigene Architektur, seine eigenen Bewohner und auch seinen eigene Charme. Auch die verschiedenen Völker, die in der Stadt leben sind sehr unterschiedlich und haben auch alle ihre eigene zivilisatorische Geschichte. Auch die Eigenheiten und Eigenarten aller Völker wird sehr schön herausgearbeitet. Es gibt sehr schöne Momente und sehr schöne, stille Orte, aber auch düstere, schmutzige Viertel. Dabei schreibt der Autor in einer derartig schönen, ich möchte fast sagen, perfekten Schreibart, dass ich gebannt mehrere Stunden am Stück lese und gar nicht merke, wie die zeit vergeht. Die Sprache ist derartig reich an bunten Bildern, an Farben, mir fehlen fast die Worte :)Es ist geradeso, als ob man ein Kunstwerk betrachtet. Ich kann mir aber vorstellen, dass dieser Schreibstil nicht jedem liegt. Es ist am Anfang recht anstrengend zu lesen, der Autor benutzt viele Fremdworte und auch Neologismen. Bis man einen Überblick über die Stadt und ihre Bewohner sowie die merkwürdigen Naturgesetze bekommen hat, ist schnell mal das halbe Buch rum. Manche Gewaltszenen sind recht extrem, was sich meiner Meinung nach aber gut ins Gesamtbild fügt – die Welt ist so brutal! FAZIT: Ein geniales Meisterwerk, dessen wahre Bedeutung sich einem erst nach mehreren Tagen erschließt. Wer sich darauf einlassen kann, mal alle Naturgesetze und Wahrheiten unserer Welt zu vergessen, wird hier eine wunderbare, fantastische Welt erleben, die einen erbarmungslos in seinen Bann zieht. Wer sich auf den etwas avantgardistischen Schreibstil des Autors einlassen kann, wird eine wunderbare farbenfrohe und sehr lebendige Welt erleben, wie man sie noch nie vorher gesehen hat. Von mir auf jeden Fall volle fünf Sterne – aber mit den oben genannten Einschränkungen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut empfehlenswert, 20. April 2003
Fangen wir mit dem negativen an: Das Buch wurde in 2 Teile gespalten, was wohl marketingbedingt ist, nachvollziehbar, aber für den Leser eher störend. Die Titel "Die Falter" und "Der Weber" sind allerdings nicht nur selten dämlich sondern charakterisieren das Buch völlig falsch. Wer hat sich das bloß ausgedacht... Dann doch lieber Perdido Street Station 1 & 2. Und jetzt das positive, das bei weitem überwiegt: China Mieville gelingt es, eine eigene Welt zu erschaffen mit allem drum und dran. Rassen (mein favorite sind die Vodyanoi), die Stadt New Crobuzon, alles wird bald ganz vertraut. Einzigartige Charaktere wie der Weber oder Vielgestalt. Das Buch bricht Tabus. Sex mit Insektenwesen... gewöhunungsbedürftig, aber wenn man die Charaktere kennengelernt hat, absolut nachvollziehbar. Ich fands sogar erotisch. Die Story entwickelt sich recht langsam. Mitte des ersten Buchs war ich unsicher, ob noch etwas daraus wird. Bis dahin interessant aber nicht wirklich spannend. Aber dann steigert sich die Spannung stetig. Das zweite Buch hat gleich mehrere Höhepunkte. Die Übersetzung ist - bis auf die oben erwähnte völlig danebenliegende Titelgebung - absolut Spitze. Meiner Ansicht nach ist der Drahtseilakt eine Sprache mit Spezialausdrücken einer eigenen Welt in eine andere Sprache zu übersetzen. Das ist wirklich gut gelungen (elyktrisch, chymisch etc.). Alles in allem absolut lesenswert !
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
aussergewöhnlich, brilliant!!, 23. September 2003
Willkommen in New Crobuzon, einer Stadt voller verschiedenartiger Spezies, in der alle Gesellschaftsschichten vertreten sind. Slums und Ruinen, vornehme Geschäftsviertel, belebte Märkte, Industrie - all das formt sich zu einem riesigen, fremdartigen Gebilde, dem einzigartigen Setting der "Perdido Street Station"-Reihe. Die Story an sich ist schnell zusammengefasst: Isaac Grimnebulin ist ein Wissenschaftler, der alle erdenklichen Aufträge annimmt. Als ein Garuda - ein Vogelmensch - auftaucht und ihn beauftragt einen Weg zu finden, das Fliegen für ihn wieder möglich zu machen, nimmt er an - nicht zuletzt wegen der vielversprechenden Entlohnung. Isaac scheut sich nicht davor in New Crobuzons Unterwelt nach Forschungsmaterial zu suchen, und so ist das Ergebnis seiner Untersuchungen weitreichender, als ursprünglich geplant - unabsichtlich befreit er fünf mächtige und ziemlich hungrige Wesen, die selbst dem Botschafter der Hölle persönlich Respekt einflößen... Fantasy ist Prosa, deren Setting eine unbekannte, fremdartige Welt ist. Auf der Grundlage dieser Definition kann man getrost behaupten, dass China Miévilles "New Crobuzon"-Romane einige der wenigen 'wahren' Fantasy-Bücher sind (vielleicht abgesehen von Terry Pratchett), auch wenn der Verlag sie in die Kategorie Science-Fiction einordnet. Ob Science-Fiction oder Fantasy ist aber letztendlich völlig gleichgültig - Liebhaber beider Genres, die sich von Andersartigem nicht abschrecken lassen, werden "Perdido Street Station" mögen. Schon mit den ersten Seiten wird der Leser in eine Welt hineingestoßen, die mit unserer Realität so gar nichts gemein hat: fremdartige Spezies bevölkern eine groteske Stadt - da gibt es die insektoiden Khepri, die Vodyanoi (zu deutsch "Wassergeister"), ja sogar Kaktusmenschen und die entstellten "Remade". Die ersten zwei Kapitel lang fragt man sich, welche Drogen Miéville benutzt hat, um dieses Buch zu schreiben; nach dem dritten Kapitel beschränkt man sich nur noch darauf, den Kopf zu schütteln. Aber wirklich interessant wird die Leseerfahrung, wenn man auch damit aufhört; wenn der Wahnsinn New Crobuzons eine Art annehmbare Realität wird; wenn man irgendwann nicht mehr überrascht ist, dass Kakteen durch die Straußen laufen, dass dampfbetriebenene Putzroboter Gefühle entwickeln oder dass die Hölle eine Botschaft in New Crobuzon unterhält. Die wirkliche Leistung des Autors besteht nicht darin, diese fiktive Welt erschaffen zu haben - dazu hätten vermutlich gewisse bewußtseinserweiternde Substanzen gereicht - die wirkliche Leistung ist, diese fiktive Welt mit all ihren Absonderlichkeiten beinahe greifbar zu machen. Es ist die Beschreibung, die dem Leser das Gefühl gibt, diese Welt existiere. Und "Perdido Street Station" ist ein Lehrbuch guter Beschreibung. Viele mittelmäßige Autoren sind kaum in der Lage die Welt in der sie leben so treffend zu beschreiben, dass sie für den Leser real wird - China Miéville gelingt es mit einer seltsamen, surrealen Welt, gelegen irgendwo am Rande unseres Vorstellungsvermögens. Eine der interessantesten Ideen in "Perdido Street Station" sind die sogenannten Remades. Remaking ist eine perverse Kunstform, die in New Crobuzon gerne und oft praktiziert wird: Man verpflanzt Gewebe oder Maschinenteile auf die Körper lebender Wesen; einer Mutter werden als Strafe für den Mord an ihrem Kind die Ärmchen des Säuglings ins Gesicht verpflanzt; es entstehen entstellte Mischwesen. Hier kann man eine gewisse Analogie zum Roman herstellen - eine Montage und Collage aus Eindrücken, Situationen, Wahrnehmungen die uns bekannt sind, verzerrt, zerschnitten und wieder zusammengesetzt zu etwas anderem, fremdartigem, zu einer lebendigen Masse, die den Leser mit der ersten Seite verschlingt und auf Seite 558 wieder ausspuckt - mit dem unwiderstehlichen Drang, auch den zweiten Band zu lesen. Der Roman ist sehr vielschichtig, die Handlung spielt sich gewissermaßen an allen Orten und in allen Gesellschaftsschichten, die New Crobuzon bietet ab - vor allem in der Unterwelt, aber auch auf der Regierungsebene. So lernt der Leser im Verlauf dieses ersten Buchs die Stadt und ihre Bewohner von allen Seiten kennen und Miéville erschafft eine eigenständige Welt mit all ihren Details. Ein Glück, dass man Magier heutzutage nicht mehr verbrennt, sondern ihnen für solche Bücher Preise verleiht - den Arthur C. Clarke- und den britischen Fantasy-Award, zum Beispiel. Und wenn es Musen wirklich gibt und sie Schriftsteller mit ihren Küssen zu Inspiration verhelfen, dann hat Miéville einen ganzen Harem voll, und es drängt sich die Vermutung auf sie haben mehr getan als nur zu küssen. Ein großes Lob verdient übrigens auch die Übersetzerin, die den immensen Wortschatz und die teilweise fast lyrischen Passagen (des Webers) sehr gut ins Deutsche übertragen hat. Fazit: "Perdido Street Station: Die Falter" ist ein aussergewöhnlicher Roman, der vorallem durch seine Vielschichtigkeit und den Detailreichtum, aber auch durch die neuen Ideen besticht. Für Leser, die etwas mehr als nur die gewöhnliche, konventionelle und oft simpel gestrickte Unterhaltungs-Lesekost wollen ein absolutes Muss.
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