Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Exotisches Kopfkino..., 9. Februar 2007
.... trifft auf dieses Buch aufs Wunderbarste zu. Ein ausladender Schmöker, fast 800 Seiten stark, eine epische Geschichte, exotisch, laut, schillernd bunt, chaotisch und anstrengend.... wie die Stadt Mumbai (Bombay), die in diesem Roman neben einigen zentralen menschlichen Figuren die Hauptrolle spielt.
"Der Gott von Bombay" hat mir einiges an Durchhaltevermögen abverlangt. Manchmal fast zuviel an Geschichten und Nebengeschichten, will das Buch richtiggehend erkämpft werden. Irgendwann aber hakte es bei mir richtig ein und liess mich nicht mehr los. Eigentlich erlebte ich das Buch so wie meinen eigenen, längeren Indienaufenthalt. Zuerst fragte ich mich: "Was mache ich eigentlich hier? Ich gehöre nicht hierher." Und dann wurde ich gepackt und hineingetaucht in eine fremde Welt, die mich fast nicht mehr loslassen wollte.
Das korrupte indische System, religiöser Wahn, Erpressung und Entführungen, Armut und Gewalt, eine klassische Detektivgeschichte, einen Gesellschaftsroman, der das Kastenwesen Indiens beschreibt, sämtliche Zutaten eines Bollywood-Movies (vom Kitsch abgesehen) - das alles verwebt Chandra zu einem grossartigen Epos.
Mit dem desillusionierten, melancholischen Sikh-Kommissar Sartaj Singh hat Chandra die internationale "Bande" der Verbrechensbekämpfer in der Literatur um eine originelle Figur bereichert. Sartaj Sing wird durch widrige Umstände genötigt, selber Bestechungsgelder anzunehmen und bei der Wahl der Mittel, sich Informationen zu verschaffen, schreckt auch er, wie seine Kollegen nicht vor Handgreiflichkeiten zurück. Trotzdem bleibt er, im Gegensatz zu vielen anderen, immer auch Mensch und versucht, seinen Werten und Moralvorstellungen treu zu bleiben.
Um zu veranschaulichen, dass in diesem Roman alles ein bisschen anders als bei uns verläuft möchte ich auf eine kleine Szene verweisen: Sartaj unterhält sich mit einem Informanten und während dem Gespräch pisst er an die nächste Hauswand. Wie gesagt, eine kleine Szene. Aber sie ist durchaus typisch für diesen Roman. Wir sind in Indien und in Indien verhält man sich nicht westlichen Wertmassstäben entsprechend.
800 Seiten haben mich nichtsdestotrotz zeitweise überfordert, 150 Seiten weniger hätten den Roman gestrafft und der Geschichte die Spannung nicht genommen - im Gegenteil. Was mich auch störte war die Einblendung unzähliger indischer Wörter die den Lesefluss beeinträchtigten (weil man immer wieder im Glossar nachschlagen musste, was das jetzt wieder heissen soll). Naja, wer seinen Vulgärwortschatz in Hindi erweitern will wird hier aufs beste bedient, da 50% der Wörter aus diesem Bereich kommen. Aber was der Sinn des Ganzen war, ist mir nach wie vor unklar...
Und noch ein Wort zum Verlag: Ich hab selten ein Buch gelesen, in dem ich so viele Rechtschreibefehler entdecken musste! Das nächste Mal bitte vor dem Druck von einem professionellen Korrektor lesen lassen!
Übrigens: Interessenten sollten sich im Klaren sein, dass dieses Buch mitten in der Geschichte aufhört. Die Fortsetzung folgt in "Bombay Paradise".
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein spannendes Buch, 21. November 2006
Vikram Chandra erzählt in seinem Roman zwei Lebensgeschichten. Die eine ist die des Polizisten Sartaj Singh, der seine tägliche Polizeiarbeit in einer weitgehend korrupten Gesellschaft verrichtet. Alle bereichern sich, und auch Singh bildet dabei keine Ausnahme dass er keine größeren Summen an sich nimmt, unterscheidet ihn schon von seinen Kollegen. Parallel dazu erzählt der Autor den Aufstieg des Gangsterbosses Ganesh Gaitode, der sich die Unzulänglichkeiten des indischen Systems skrupellos zu nutze macht: innerhalb von wenigen Jahren baut er eine riesige Organisation auf, die mit Schutzgeldern, Waffen- und Drogenhandel viel Geld und Macht gewinnt.
Chandra gelingt es in seinem spannenden Roman, die extrem gegensätzlichen gesellschaftlichen Verhältnisse Indiens zu beleuchten: hier Armut, dort schillernder Reichtum, hier modernes High-Tech-Business, dort strenge Kasten-Schranken und Reste britischen Kolonialgehabes. Immer wieder geht er dabei auch auf den pakistanisch-indischen Konflikt ein, der vom Religionskampf zwischen Hindus und Moslems überlagert wird und die Region bereits mehrfach an den Rand eines Krieges führte obwohl die Menschen untereinander oft gar keine Probleme miteinander zu haben scheinen. Ein spannender Krimi, nicht nur für Interessierte der schillernden Metropole auf dem indischen Subkontinent. Fortsetzung folgt.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Klasse - nur etwas zu lang!, 15. November 2009
Sartaj Singh und sein Gehilfe Katekar ermitteln in einem Mord in einem Viertel der Bangladeshi, als sie einen Tipp bekommen. Der gefürchtete Anführer der mächtigen G-Gang in Bombay, Ganesh Gaitonde, ist in der Stadt und allein in seinem zu einem Bunker umgebauten Haus. Der Sikh Singh und Katekar umstellen das Haus und versuchen, Gaitonde zum Aufgeben zu bewegen. Doch der gefürchtete Gangsterboss gibt nicht auf, niemals. Er erzählt Singh in der glühenden Hitze des Tages stundenlang aus seinem Leben. Breitet vor dem geduldigen Polizisten seine Ursprünge, seine ersten Morde und seinen Weg an die absolute Macht aus. Er redet über die Sprechanlage des Hauses mit Singh wie mit einem alten Freund. Doch gegen Abend, als schwereres Räumgerät eintrifft und es nur noch Minuten dauern wird, bis die Polizisten die Festung Gaitondes niederreißt, endet die einmalige Karriere eines der mächtigsten Verbrecher Bombays. Er ergibt sich nicht, sondern erschießt sich.
Singh kann nicht verstehen, warum Ganesh nicht den Kampf aufgenommen hat und versucht mehr über diesen Mann und seinen Werdegang herauszufinden.
Zu seiner Überraschung tritt Anjali Mathur, eine Agentin des staatlichen Nachrichtendienstes, an ihn heran und beauftragt Sartaj mit weiteren Ermittlungen. Er soll herausfinden, wer die junge Frau war, die man ebenfalls erschossen in dem Haus Gaitondes gefunden hat und warum der Gangsterboss in die Stadt zurückgekehrt war. Höchste Geheimhaltung wird ihm auferlegt und nur ihr soll er Bericht erstatten.
Singh ahnt nicht, worauf er sich bei diesen Nachforschungen einlässt und wie gefährlich sein Wissen für einige der mächtigsten Hintermänner Bombays, ja des ganzen Staates zu sein scheint.
Auf über 770 Seiten breitet Vikram Chandra ein Kaleidoskop Indiens vor dem Leser aus. Er schildert in einer fast epischen Breite Lebensumstände in einer Stadt, die so gigantisch, so einmalig, so verkommen ist, wie kein zweiter Ort auf Erden. Die riesige Metropole wird durch die metaphernreiche, lebendige und fast an ein Märchen erinnernde Schreibweise des Autors zu einem lebendigen Wesen, zu einem Gebilde aus Menschen und ihren Hoffnungen.
Unzählige Personen betreten die Bühne dieses Buches, werden ausführlich und erschöpfend charakterisiert und in das Geschehen eingeordnet. Mit bewundernswerter schöpferischer Kraft entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers eine völlig fremde Welt. Sie wird in hunderten, wenn nicht tausenden Facetten aus immer neuen Blickwinkeln betrachtet. Doch Chandra vermeidet längere Erläuterungen, Passagen der Erklärung oder seitenlange Berichte. Er vermittelt diese Stadt, ihre Gesetze und fremdartigen Mechanismen allein durch die Menschen, die er auftreten lässt. Allein durch die Lebensweise der einzelnen Charaktere, durch ihre Augen hindurch betrachtet der Leser Bombay. Durch den dauernden Perspektivwechsel vermeidet der Autor Langeweile, Wiederholungen und Redundanzen.
Leider setzt Chandra auch viel voraus. Er benutzt zahlreiche Worte der Landessprache und der unzähligen Idiome dort. Immer wieder stolpert man über Wörter, Teilsätze und Passagen, die unverständlich sind. Zwar gibt es einen erschöpfend ausführlichen Anhang, der alle Wörter, Personen und Ausdrücke erläutert, aber das andauernde Suchen und "Übersetzen" macht das Lesen - vor allem am Anfang des Buches - zu einer Fleißaufgabe. Hier wären eingedeutschte Wörter, Erklärungen in Klammern oder Fußnoten hilfreicher gewesen.
Doch Chandra gelingt es dennoch mit Leichtigkeit, den Leser gefangen zu nehmen von dieser Welt, die so fremd, so anders, so seltsam funktioniert und doch so verständlich und logisch vor dem Leser aufgebaut wird.
Chandra, der an der "University of California" Creative Writing unterrichtet, gelingt ein beeindruckender Blick auf "seine" Stadt. Bombay wird zu einem Kaleidoskop der Sehnsüchte und Machtgelüste, der Intrigen und der politischen Ränkespiele, wird zu einem lebendigen Lebensraum von Millionen von Menschen.
Fazit: Dieser Roman ist ein beeindruckendes Beispiel für Chandras Fähigkeit, viele einzelne Geschichten aus seiner Heimat zu einem großen Ganzen zu verweben. Das Ergebnis ist spannend, lehrreich und emotional mitreißend. Nur selten ärgert man sich über die verwendeten Begriffe, die im Anhang der Erklärung harren, nur selten ist eine Geschichte gar zu lang zu weit fortführend von dem zentralen Erzählstrang.
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