Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mehr bestätigung als Erkenntnissgewinnung, 18. Juni 2005
Eins vorweg: Robert Misik erzählt uns nichts wesentlich Neues. Aber das ist auch gar nicht sein Anliegen. Es geht ihm darum, die in letzter Zeit verstärkt auftretenden Protestströme hierzulande aufzuzeigen und zu erklären. Dabei schießt er manchmal über sein Ziel hinaus - ein Song von "Wir sind Helden" macht noch keinen neuen Trend zur Kommerzkritik. Im Endeffekt gelingt es ihm jedoch, zu erklären, warum diese Kritik trotz allem ernst genommen werden kann und muss. Er wehrt sich gegen die Behauptung, Kapitalismuskritik sei ein Trend, eine jugendliche rebellische Geste oder eine Schwärmerei Ewiggestriger und begründet statt dessen, wie der Kapitalismus die Kritik gegen ihn selbst erzeugt. Dabei bedient er sich einer leicht nachzuvollziehenden Logik und Sprache. Damit bietet das Buch eine gute Hilfestellung für alle, die sich einen Überblick verschaffen wollen und Argumente brauchen, die nicht auf komplizierte theoretische Gerüste bauen, sondern im Alltag evident sind.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genial Dagegen - Oder doch nicht?, 13. Juni 2006
Marxism sells. In unserer schnelllebigen Zeit sind die Schrecken des real existierenden Sozialismus in Europa schon längst vergessen. Staaten wie China sind geografisch sehr weit entfernt und betreffen uns nicht unmittelbar als Nachbarn. Daher lässt sich um das Thema Marxismus, ultralinkes Denken, usf. bereits ein Mythos des Legendären errichten. Allerdings bietet Robert Misik mehr an, als eine Datensammlung linker Literatur und modernen Revolutionären. Entlang des roten Fadens: Wie manifestiert sich revolutionäres Denken nach der realsozialistischen Orthodoxie?, entwirft Misik, zumindest anregende Denkansatze, vielleicht sogar Thesen. Wenn "Amerika Gottes ureigenste Versuchsstation" ist, dann trifft M's Formulierung über die marxistisch-soziale Utopie der Sowjetunion ebenfalls den Nagel auf den Kopf: "Die Sowjetunion war das Laboratorium des historischen Experiments". Derartige Sätze machen das Buch trotz der häufig zu komplizierten Formulierungen seiner Sätze absolut lesenswert. Wer Misik durch seine div. Aufsätze aus den unterschiedlichen Qualitätszeitungen kennt weiß, dass er ein pointierter Denker ist, der jedoch seinen Schreibstil mit hochkomplexen Zusammenhängen spickt. Jedoch sind zu komplexe Formulierungen nicht immer Ausdruck von hoher Intellektualität. Dies trifft für den Autor nicht zu, er ist ein sehr belesener Schreiber. Wird sein Stil zukünftig flüssiger, dann wird Misik auch von der Jugend gelesen - dies wäre empfehlenswert. R. M. filetiert alles was heute nach Revolution, Heldenmythos, ultralinkem Denken u. einfach in (und sei es das Konterfeit von Che am T-Shirt Busen von Kate Moss) ist. Er verwebt faktenreiches Marxismuswissen mit trendigen Interpretationen der modernen Generation "Wir sind Helden". Misik lässt sich nicht all zu tief in eine intellektuelle Diskussion über psychologische Motive einzelner, gesellschaftliche Zusammenhänge usf. ein, denn er möchte bloß ein aktueller Beobachter und Beschreiber sein. Sehr treffend erkennt M. dabei den Mainstream des Popkults um linke Helden wie Che, Trotzki, Baader/Meinhof od. Mao. Dabei kommt ans Tageslicht, dass der Paradekritiker des Bush-Regimes gar kein Revolutzer ist, sondern eher in die Kategorie - Vertreter der Popkultur - fällt. Ob dieses Buch unsere Jugendlichen verstärkt dazu anregt, kritisch-revolutionär zu denken bleibt offen. Zu wünschen wäre es, denn nur durch kritisches Denken können sich Menschen und Gesellschaften weiterentwickeln. Dieses Buch regt zu kritischem Denken an. Dieses Buch ist ein Must für die von F. Illies gepriesene Generation Golf, denn - wer rastet der rostet. Wer nicht kritisch denkt, trägt nichts zur Veränderung der Welt zum Positiven bei, da ohne Kritik keine Reflexionsschleife möglich ist.
Ein Buch von einem Paradelinken aus Wien - für alle!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Brilliant und bekannt, 6. Februar 2009
Man könnte den Inhalt von Misiks Buch in dem bekannten Satz Adornos zusammenfassen: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Wobei das richtige in diesem Falle die linke Utopie, das falsche der kapitalistische Verwertungszusammenhang ist, aus dem die Anti-Haltung ihre Kritik und damit ihre Legitimation speist.
Auch hinsichtlich seiner stilistschen Brillianz erinnert der Autor ein ums andere Mal an den Vordenker der "negativen Dialektik", ohne es jedoch zu schaffen, sein Kaleidoskop aus Charakterisierungen vornehmlicher gegenwärtiger Ikonen des kritischen Bewusstseins (ein leichter Etikettenschwindel im Buchtitel)zu irgendeiner Aussage zu verdichten: Zum Beispiel zu der, dass die Fähigkeit des Kapitalismus, seine Negationen zu integrieren und zu vermarkten etwas damit zu tun haben könnte, dass es dem einen oder anderen kritischen Geist, der an der Aporie des allesverwertenden Systems mitunter lukrativ verzweifelt, vielleicht einfach etwas an individueller Substanz und damit an eigener Meinung mangelt.
Wie gesagt: Das Buch ist stilistisch exzellent geschrieben, doch hat man den Eindruck das Ganze eben schon mal bei Adorno und in allgemeinerem Zusammenhang gelesen zu haben.
Wer, wie ich, in der Popkultur nicht so bewandert ist hat manchmal den Eindruck, der Autor habe etwas zu viel fern gesehen und kuriert in seinen Texten die erfolgten geistigen Verdauungstörungen aus.
Trotzdem: Eine lohnende Lektüre für Zeitgeist-Interessierte.
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