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Voltaires Kalligraph
 
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Voltaires Kalligraph (Broschiert)

von Pablo DeSantis (Autor)
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1 (22. August 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3293203388
  • ISBN-13: 978-3293203389
  • Originaltitel: El calígrafo de Voltaire
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 456.432 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Als Dalessius den Hafen erreicht, hat er neben vier tintenbefleckten Hemden und seinem Schreibwerkzeug auch eine Reliquie des 18. Jahrhunderts im Gepäck: das Herz des Philosophen Voltaire, in dessen Diensten er einst stand. "Sobald irgendein Sammler in Paris einem Antiquar gegenüber vertrauensvoll den Namen Voltaire fallen lässt, wird er sofort in ein Hinterzimmer geführt, wo man ihm unter dem Mantel der Verschwiegenheit ein Herz zeigt, das eher einem Stein gleicht und in einem goldenen Kasten oder einer Urne aus Marmor ruht", heißt es im neuen Roman des argentinischen Autors Pablo De Santis. Der Kalligraph Dalessius aber behauptet, das echte Herz Voltaires in einem Glaskasten mit auf die Reise genommen zu haben. Damit seine Blätter nicht fortwehen, benutzt er es in der Folge als Beschwerung.

Pablo De Santis hat seinem Protagonisten auf jeden Fall ein echtes Herz mitgegeben, derart farbig und lebendig hat er ihn gezeichnet. Er erzählt von seiner Flucht und den Abenteuern mit Voltaire, mit dem gemeinsam er ein großes Komplott des Klerus zur Zeit der Französischen Revolution entdeckt, als wäre er bei all dem selbst dabei gewesen. Und er zeigt uns die Dialektik einer Aufklärung, die sich in falschen Automaten, merkwürdigen Bordellen, industrialisierten Hinrichtungen und einem regen, säkularisierten Reliquienhandel erging. Damit trifft er die Zeit tatsächlich auf überaus poetische Weise mitten ins Herz.

In Monsieur de Vidors Schule für Kalligraphie, in der De Santis' Protagonist sein schönes Handwerk erlernt, gibt es einen Saal, der an beiden Seiten mit Fenstern versehen ist. Diese Fenster müssen auf Geheiß der Verantwortlichen immer geöffnet sein, sogar im Winter: "Denn man glaubte, dass ein gut gelüfteter Raum die beste Voraussetzung für einen gelungenen Buchstaben war", heißt es im Roman. Wenn dem so ist, dann hat De Santis Voltaires Kalligraph wohl in absolut frostiger Kälte verfasst. Denn da ist jedes Wort so perfekt gesetzt, als habe er es im verschnörkelten Stil vergangener Jahrhunderte mit Federkiel und Tinte auf das Papier gebracht. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Kurzbeschreibung

Staunend folgen wir dem Kalligraphen Dalessius durch die Wunder des 18. Jahrhunderts: Automaten, erfinderische Henker, sonderliche Bordelle, frühe Computer, Hinrichtungsmaschinen, Teiche voller giftiger Fische, düstere Schlösser und die Linienkutschen für Leichen sind alle in den Kampf der Aufklärung gegen die finsteren Mächte des untergehenden Ancien R gime verstrickt. Voltaire und Dalessius decken einen ungeheuren Coup des Klerus auf, aber können sie ihn auch verhindern?
Pablo De Santis erzählt uns die Zeit vor der Französischen Revolution so, wie wir sie garantiert noch nie gesehen haben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Feder ist mächtiger als das Schwert , 12. März 2004
Von lostlobo (Avalon) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Diese Rezension stammt von: Voltaires Kalligraph (Gebundene Ausgabe)
„Unsere Gegner haben die Enzyklopädie und den festen Willen, alles zu erklären. Wir haben die Kalligraphie und die Pflicht, die Welt in ein Rätsel zu verwandeln", das sind Worte, die der Autor einem Abt des Dominikanerordens im Frankreich zur Mitte des 18. Jahrhunderts in den Mund legt. Es ist eine Zeit, in der sich das Ancien Régime aus Adel und Klerus im Angesicht der hereinbrechenden Aufklärung noch einmal mit aller Kraft aufbäumt, um die alten Machtverhältnisse gegen neue, rationalistisch geprägte Ideen mit Folter, Gift und Schafott zu verteidigen. In diese unruhige Umbruchsphase hineingeboren, sucht der junge Dalessius nach der Verwirklichung seines Traumes. Er will Kalligraph werden, einer jener Kunstschreiber, die mit gespitzter Feder und einem Arsenal unterschiedlichster Tinten bewaffnet, prachtvolle Bücher entstehen lassen. Sein Problem: er trachtete nach Vergangenem, denn der Berufsstand des Kalligraphen war bereits „so tot, dass wir uns als Archäologen unserer eigenen Zunft verstanden", wie Dalessius es selbst formulierte. Ergo bleibt dem 20-jährigen nichts anderes übrig, als sein Talent an Justitia zu verkaufen; Dalessius wird Gerichtsschreiber; wenngleich ein ungewöhnlicher.

Einmal wurde einem Todgeweihten, dessen Urteilsspruch Dalessius zu Papier bringen musste, das Verdikt samt all seinen Schnörkeln und Siegeln kurz vor dem Weg zum Henker gezeigt. Der Mann war von der Kunst des verkannten Kalligraphen so angetan, der aus seinen Verbrechen etwas derart Schönes entstehen lassen hatte, dass er aus sich hervorstieß, er würde weitere zehn Männer umbringen, bekäme er dafür nur wieder solch ein Kunstwerk zu sehen. Von diesem und anderen kuriosen Fällen wenig angetan, beschloss Marschall de Dalessius, Dalessius' Onkel, seinen Neffen weit weg zu schicken, auf Schloss Ferney, wohin ein anderes Enfant terrible seiner Zeit, der scharfzüngige Philosoph Voltaire, sich zurückgezogen hatte. Voltaire, mittlerweile ein alter Mann, findet Gefallen an der Art des jungen Dalessius und schickt ihn als seinen persönlichen Kurier nach Toulouse. Voltaire, des Klerus' schärfster Kritiker, vermutet dort eine Verschwörung fanatischer Mönche.

Dalessius reist inkognito mit der „nächtlichen Post", einem Unternehmen im Besitz seines Onkels, das die Leichen Gefallener oder Verunglückter in ihre Heimatorte überführt. In der holprigen Kutsche entdeckt er einen Glassarg, in dem eine seltsam anmutige Frau liegt, die irgendwie untot wirkt; in der Tat. Wenig später sollte er die Auferstandene in einem Freudenhaus „lebendig" wiedersehen, aber nur für kurze Zeit, denn Schergen des Dominikanerordens schneiden ihr die Kehle durch; wenngleich das auch deren Ende bedeutet; zumal die geheimnisvolle Unbekannte kein Mensch, sondern eine perfekt nachempfundene Maschine war - mit Selbstzerstörungsvorrichtung. Konstruiert wurde die explosive femme fatale vom genialen Ingenieur von Knepper nach dem Abbild seiner Tochter Clarissa, die er wie eine Gefangene von der Welt abschirmt. Als Dalessius in Paris Clarissa, das lebende Vorbild der „Untoten", trifft, nimmt eine unerfüllte Beziehung zwischen den beiden ihren Anfang. Von Knepper will den Kalligraphen nicht nur von seiner Tochter fernhalten, er steht gezwungenermaßen auch im Dienst des Dominikanerabtes Mazy, welcher ihn beauftragte, eine detailgetreue Maschine nach dem Abbild des im Sterben liegenden Bischofs anzufertigen. Mithilfe des sprachfähigen Roboters soll die Sache der Kirche gegen jene der Aufklärer und Häretiker verteidigt werden, ohne dass Außenstehende davon erführen.

Dalessius, vom Abt enttarnt, flieht zurück zu Voltaire, der ihn aber mit neuen Instruktionen ausgerüstet erneut nach Paris schickt. Voltaires Kalligraph gerät dabei immer mehr in das klerikale Komplott hinein. Schauriger Höhepunkt ist Dalessius' Zusammentreffen mit dem Meister-Kalligraphen Silas Darel, seinem einstigen Idol. Darel sitzt leichenblass in einer Verlies ähnlichen Klause und schreibt mit dem Blut seiner Feinde. Der junge Kalligraph tötet den alten. Wie? Nun, die Feder ist bekanntlich mächtiger als das Schwert. Dies bestärken auch ein von Voltaire zur Vervielfältigung gegebenes kryptisches Pamphlet sowie 42 Worte, durch die der Roboter-Bischof letztendlich enttarnt wird.

Mehr als 17 Jahre danach hütet Dalessius das konservierte Herz des längst verstorbenen Voltaire und sinniert: „Herzen verausgaben sich im Leben. Danach kann ihnen nichts mehr Schaden zufügen." Eine wunderbare Metapher für den hart erkämpften Sieg der Aufklärung.

Wie schon in „Die Übersetzung" bzw. „Die Fakultät" versteht es der argentinische Schriftsteller, Elemente verschiedener Genres perfekt zu etwas literarisch völlig Neuartigem zu vermengen, das weder Krimi, Horror, noch Historie, sondern ein Kunstwerk für sich ist. Besonders faszinierend die Doppelfigur Clarissas, einmal als unerreichbar Schöne, dann als mechanischer Golem. Sie zieht nicht nur Dalessius und den Leser in ihren Bann, sondern treibt den Bildhauer Mattioli in den Freitod. Mit einem nach ihrem Abbild gemeißelten Statuenkopf um den Hals gebunden, macht der moderne Pygmalion seinem Leben in der Seine ein Ende. Ein bizarr-romantischer Todesfall á la de Santis.

Pablo de Santis legte mit „Voltaires Kalligraph" ein weiteres Meisterwerk an skurrilem Humor, Wortwitz wie pointierter Satire hin. Als roter Faden durch alle drei bisherigen Romane bleibt de Santis' Besessenheit für Bücher, die in düsteren Bibliotheken, blutgetränkten Seiten und mordenden Archivaren Niederschlag findet. Wer Pablo de Santis einmal gelesen hat, wird seinen Stil unter tausend Werken sofort wiedererkennen.

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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen und wieder ein Meisterwerk...., 10. Juli 2005
Von Alexandra Egli (Frankfurt/M.) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Voltaires Kalligraph (Gebundene Ausgabe)
aus der Feder des unvergleichlichen Pablo De Santis. Wie schon in "Die Fakultät" und "Die Übersetzung" entführt der Autor uns in eine ganz und gar skurile Geschichte, deren Fortgehen den Leser mit jeder Zeile aufs Neue überrascht. Diesmal begleiten wir den jungen Kalligraphen Dalessius, angestellt vom scharfzüngigen Voltaire, durch die Wunder des 18. Jahrhunderts: Menschenautomaten, Postkutschen, die Leichen transportieren, Bordelle, in denen er die Körper von Frauen mit Nachrichten beschreiben soll, ein erfindungsreicher Henker, usw.
Auf knapp 180 Seiten schafft es der Autor eine Geschichte zu packen, für die andere das dreifache an Platz benötigen würden. Bei Pablo De Santis ist kein Wort zuviel, kein Satz nur zur Ausschmückung, keine Seite zum Überlesen geeignet. Hier muss der Leser aufmerksam sein, nur dann wird sich der grandiose Schreibstil des Autors voll entfalten können.
Ich bin wieder einmal begeistert von De Santis. Seine Bücher kann man nicht beschreiben - man muss sie einfach lesen!
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5.0 von 5 Sternen Lesevergnügen allererster Güte, 13. August 2008
Diese Rezension stammt von: Voltaires Kalligraph (Gebundene Ausgabe)
Ein grandioses Buch! Wie in Löhrs "Der Schachautomat" spielt es im 18. Jahrhundert und dreht sich um "Maschinenmenschen". Doch während Löhrs Roman manchmal zu langatmig wird, sitzt bei Pablo De Santis jeder Satz. Der Roman greift sehr gut die Strömungen des 18. Jahrhunderts auf, den Widerspruch zwischen Aufklärung und Aberglauben, den Kampf zwischen dem aufkommenden Rationalismus und der brutalen Gegenwehr der (katholischen) Kirche, die geistig immer mehr an Boden verliert aber vielerorts immer noch über große Macht verfügt. Auch das Metier des Protagonisten, die Kalligraphie, befindet sich genau in diesem Spannungsfeld: Es handelt sich um eine aussterbenden Kunst, die immer mehr durch Maschinen (Buchdruck) ins Abseits gedrängt wird. Ironischerweise spielt auch ein Schreibautomat eine tragenden Rolle. Diese Ironie ist Absicht, denn De Santis' Buch ist weniger Historienroman als vielmehr auch Satire. Das gilt auch für das Format der "gothic novel", die der Autor gekonnt paradiert. Heraus kommt ein Lesevergnügen allererster Güte, denn man kann den viellschichtigen Roman eben einfach auch als spannende Story genießen.
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