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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Der große Meaulnes
OT Le grand MeaulnesOA 1913 DE 1930 Form Roman Epoche Moderne
Alain-Fournier bereitete mit Der große Meaulnes den Weg für den modernen, psychologischen Roman. Der fließende Wechsel zwischen Wirklichkeit und Traum, Realität und Irrealität, Erdachtem und Erlebtem, entstanden aus der Sehnsucht nach Liebe, Glück und Geborgenheit, führt den Leser in eine Welt voller Symbole und Bilder, eine Welt des kindlichen Staunens.
Inhalt: François Seurel findet in dem 17-jährigen Augustin Meaulnes den lang ersehnten Freund. Doch bald verschwindet Augustin spurlos und kehrt erst nach Tagen zurück. Seine wundersamen Erlebnisse berichtet er François: Nach einer Irrfahrt mit der Kutsche der Seurels findet sich Augustin in einem geheimnisvollen Schloss wieder, wo eine Hochzeit gefeiert werden soll. Doch der junge Schlossherr Frantz de Galais wartet vergebens auf seine Braut Valentine. Bevor das Fest abgebrochen wird, lernt Augustin Yvonne, die Schwester des Bräutigams, kennen und verliebt sich in sie. Nach Hause zurückgekehrt, kann er sich nicht mehr an den Weg zum Schloss erinnern. Vergeblich suchen Augustin und François den mysteriösen Ort, den sie »das verlorene Land« nennen.
Eines Tages begegnen Augustin und François zufällig Frantz, der immer noch seine Braut sucht. Aber er kann Augustin sagen, wo sich Yvonne aufhält. Im Gegenzug muss er versprechen, Frantz bei der Suche nach Valentine zu helfen, wenn dieser es verlangt. Als er Yvonne findet, erkennt er, dass sein »Traum« Realität war. Obgleich des mythischen Zaubers der ersten Begegnung beraubt, heiratet Augustin Yvonne. In der Hochzeitsnacht muss er jedoch sein Versprechen, das er Frantz gegeben hatte, einlösen. Yvonne, inzwischen schwanger, stirbt kurze Zeit nach der Geburt, ohne ihren Mann wiedergesehen zu haben. Augustin kehrt noch einmal in das Schloss zurück, um seine Tochter von François entgegenzunehmen und dann mit ihr in die Welt zu ziehen.
Aufbau: Die Geschichte um das wundersame Abenteuer des großen Meaulnes wechselt von der Perspektive des Ich-Erzählers François Seurel in die Perspektive eines allwissenden Erzählers, der die Erlebnisse von Meaulnes schildert. Mit diesem Kunstgriff ist der Leser unmittelbar am Geschehen beteiligt und erlebt mit der Figur das Fest. Derselbe Perspektivenwechsel wird noch einmal am Ende des Buchs angewandt: Ein Erzähler fasst die Geschehnisse der Hochzeitsnacht zusammen. Durch die verschiedenen Erzählhaltungen stellt der Autor einen effektvollen Spannungsbogen zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Wiedergabe her.
Wirkung: Als der Roman kurz nach seinem Erscheinen für den Prix Goncourt vorgeschlagen wurde, erklärte Alain-Fournier, ihm sei es lieber, wenn der Roman gelesen werde. Doch die Suche eines jungen Mannes nach der Traumwelt seiner Jugend konnte die Zeitgenossen nicht begeistern. Zu sehr standen sie unter dem Einfluss des drohenden Kriegs, als dass sie sich auf eine irreal anmutende Welt einlassen wollten. Erst nach 1920 faszinierte die deutliche Bildersprache die Leser. S. W.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.