Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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71 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
tragisch-ehrlicher Monolog eines Unauffälligen, 10. Juni 2005
Er lebt in einer schallisolierten Wohnung, er, der mittelmäßige Musiker, er, der den Kontrabass spielt. Für ihn existieren nur noch die Musik, seine philosophischen Gedanken und seine große unerfüllte Liebe zur Sopranistin Sarah. Er, der Kontrabassist, spricht zu einem Bekannten, doch stimmt das wirklich?Es ist eigentlich ein Monolog, ein Selbstgespräch über seine große Hassliebe - seinem Kontrabass. Dieses Musikinstrument bestimmt, ja es ist sein Leben, mit ihm teilt er seine Wohnung, er ist sein Freund, sein Feind, sein Lebensinhalt und zugleich Verhinderer eines normalen Lebensweges. Sogar sein Liebes- und Sexualleben bestimmt er, es ist so als wären sie ein altes Ehepaar das nur noch aus Gewohnheit zusammen lebt und vom Partner nichts mehr zu erwarten hat. Anfangs zeichnet er ein sehr positives Bild von seinem Instrument: ohne Kontrabass kommt kein Orchester aus, man hört ihn zwar nicht heraus, er geht sogar darin unter - aber wehe er fehlt! Doch mit zunehmender Dauer des Gesprächs - und mit zunehmendem Alkoholgenuss - zeichnet er ein Bild des Hasses über seinen „Dreckskasten", der ihn eigentlich nur an allem hindert und behindert; nie steht er im Mittelpunkt, immer ist er nur Mitläufer - er leidet unter seiner Unauffälligkeit, erleidet eine Art Festanstellungspsychose, nie darf er wirklich frei sein! Schließlich beschließt er auszubrechen, will „ihn" loswerden und seiner geliebten Sarah mit einem lauten Schrei mitten im Konzert seine Liebe gestehen - er wartet auf die große Wende in seinem Leben ... Patrick Süskind ist mit diesem Buch eine kleine Meister-Novelle geglückt - kurzweilig, humorvoll, einfühlsam, voller Esprit. Er zeichnet in diesem Plot ein humoristisch-soziales Bild eines Außenseiters, eines Vereinsamten - ohne Spannungsbogen, frei von Action - mit offenem Ende. Sie werden diese liebeswerte Etüde nicht mehr aus der Hand legen, Sie wollen unbedingt wissen wie dieser tragisch-ehrliche Monolog endet: schreit er oder schreit er nicht? Fazit: Ein Meisterwerk voller Emotionen, Musikalität und Esprit!
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klangvoll, 8. Juni 2004
Mit unbeschreiblichem Charme, Witz, aber auch mit großer Wärme und Zärtlichkeit beschreibt ein Musiker seine Beziehung zu seinem Instrument, dem Kontrabass. Als wären sie schon ein altes Ehepaar, das schon viel zu lange zusammenlebt, tadelt der Mann sein Instrument und macht es für sein prosaisches Leben verantwortlich. Sein Kontrabass ist gleichzeitig ein dummes klobiges Ungetüm, aber auch ein einzigartiges und missverstandenes „Objekt" - gewöhnlich aussehend, aber voller Überraschungen. Über wen spricht der Musiker eigentlich? Über sich oder über seinen Instrument?Man sollte „Kontrabass" nicht mit „Parfüm" vergleichen; es sind ohnehin zwei unterschiedliche Welten. Doch den Sprachwitz und die Intelligenz, die findet man hier genauso. Ein Beweis? Hier: „Wenn die Pauke einmal hinlangt, das hört sich bis in die letzte Reihe, und jeder sagt, aha, die Pauke. Bei mir sagt kein Mensch, aha, der Kontrabass, weil ich geh ja unter der Masse." „Ich bin nach einem Konzert vollständig durchgeschwitzt, ich kann kein Hemd zweimal anziehen. Ich verliere bei einer Oper durchschnittlich zwei Liter Flüssigkeit; bei einem Sinfoniekonzert immerhin noch einen Liter. Ich kenne Kollegen, die machen Waldlauf und Hanteltraining. Ich selber nicht. Aber mich wird es eines Tages mitten in Orchester so zusammenhaun, dass ich mich nicht mehr davon erhole. Weil Kontrabass spielen ist eine reine Kraftsache, mit Musik hat das erst einmal nichts zu tun."
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein einsamer Monolog, 14. September 2002
DunkelheitStraßenlärm Ein einsamer Mann mit Bierdose im Sessel. Und dann beginnt der Mann einen Monolog - auf der Bühne annähernd zwei Stunden / und einhundert Seiten in einem Buch. Doch was wie eine Folterstunde für Theaterbesucher oder eine Hungertour für Leser klingt, eröffnet einen unglaublichen, sehr facettenreichen Einblick in das Leben des mittelmäßigen Kontrabassisten ..aber auch in dessen Kopf. Was Patrick Süsskind mit diesem Roman gelungen ist, zählt zum besten, was in den letzten 30 Jahren an deutschen Bühnen gegeben wurde. Süsskind, einer der erfolgreichsten deutschen Autoren, ist bekannt für seine Menschenscheue und seine Abneigungen gegen Interviews. Ob die einsamen Monolog autobiographische Züge tragen oder zumindest durch das Wesen des Autors inspiriert wurden ? Ein weites Feld für Spekulationen. Der Kontrabassist entführt den Leser in den Mikrokosmos eines Orchesters, fügt eigene Ansichten hinzu und entwickelt- unter Ausschluss seiner Umwelt- daraus triviale wie irrwitzige Ideen. Der Leser identifiziert sich dabei Seite für Seite mehr mit dem Menschen, der hinter dem Musiker steckt. Er wägt die Thesen ab, amüsiert sich über ungewöhnliche Einfälle, leidet wenn sich der Protegé weiter und weiter in eine Idee hineinsteigert. Das ganze endet mit dem Abgang des Musikers aus seiner Wohnung, und dessen erklärtem Ziel, mit einem grotesken Befreiungsschlag aus dem Schatten der eigenen Mittelmäßigkeit zu entkommen. Ein einsames Buch über einen einsamen Mann- als Roman von schlichter, gerader Brillanz. Tagische Komik, aufs unterhaltsamste in ein Buch gepackt. Und auch als Theaterstück einsam... einsam an der Spitze.
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