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50 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Porsche als Symbol für alles, was im Leben falsch ist, 23. Mai 2001
Max Breslauer, 36jähriger Sohn eines reichen jüdischen Geschäftsmannes ohne Zeugnisse und Bildung, hatte eigentlich Jura studiert, um sozial Schwachen beistehen zu können. Dann tritt er in das Textilimperium des Vaters ein, dessen Erbe er schließlich wird, als der Vater, der der Hölle des Holocaust entkommen ist, in seinem gepanzerten Mercedes in einem See bei Amsterdam ertrinkt. Er wird - zunächst zu seiner eigenen Überraschung - genauso ein Vollblutkaufmann wie sein Vater. Nach einem für ihn peinlichen Unfall, bei dem er mit seinem Porsche am Schabbesmorgen infolge viel zu hoher Geschwindigkeit einen chassidischen Jungen auf dem Weg zur Synagoge in der Amsterdamer Innenstadt angefahren und diesem ein Bein gebrochen hat, kommt er schließlich zur Besinnung. Mit therapeutischer Hilfe versucht er zu ergründen, was er eigentlich ist, was er vom Leben will, und reflektiert, was überaus unterhaltsam und oft auch amüsant dargestellt wird, seine Kindheit als Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, den Verlust von Esther, der Frau seines Lebens, die er ohnmächtig an den orthodoxen Glauben verliert, und den Verlust des jüngeren Bruders Boy, der von einer Geschäftsreise nach Casablanca nicht zurückkehrt, weil er sich in eine marokkanische Jüdin, Tochter einer gläubigen Familie, verliebt. Die ihm am nächsten stehenden Menschen hängen nicht gerade an dem Leben, in dem Max voll aufzugehen scheint. Erstmals sieht Max seinen Werdegang und sich selbst kritisch, seinen Materialismus, seine offenkundig vom Vater geerbte Unbeherrschtheit und Arroganz gegenüber anderen und stellt fest, was in seinem Leben schiefgelaufen, wie es ihm aus den Händen geglitten ist, um schließlich, geläutert, trotz alledem zu akzeptieren, dass er der Erbe seines Vaters ist, der die Hölle überlebt hat, also so was wie ein Heiliger sein muß. Das Besondere an dem Buch ist die Leichtigkeit, mit der das alles erzählt wird, immer wieder gespickt mit amüsanten Einfällen. Ganz nebenbei erfährt man eine Menge über den jüdischen Glauben, das Leben von Juden im Allgemeinen und speziell die Probleme von Nachkömmlingen von Holocaust-Überlebenden, für die ihr späterer Reichtum im Grunde selbsr immer ein bißchen unfaßbar bleibt. Allein schon wegen der jüdischen Sprichwörter lohnt es sich, das Buch zu lesen. Den Sprichwortreichtum, die Quintessenz des jüdischen Alltagslebens, die mittlerweile von Max traditionell übernommen wurde und mit Leben erfüllt wird, hatte dem Vater im Arbeitslager ein Mann beigebracht, der schon 1933 das Ende des ostjüdischen Judentums kommen sah. Aufgrund der intelligenten witzigen undeutschen Auseinandersetzung mit alles andere als leichten Themen - welche Schwere hätten manche Autoren in diese Problematiken wohl hereingebracht - und der wunderbaren Selbstironie ist der durchweg bestens unterhaltende Roman für mich einer der besten der 90er Jahre.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Welches Buch soll man lesen? Dieses!, 15. Februar 2004
Nebenbei bemerkt: ‚SuperTex' hat einen super interessanten Umgang mit der Erzählperspektive - es ist schon erstaunlich, wie hier erzählt wird. Und was wird überhaupt erzählt? Erzählt wird von einem Juden im Porsche, der uns einen Blick in den Hintergrund des Textil-Geschäftes werfen lässt. Doch hauptsächlich geht es um das Leben der Juden in Amsterdam heute, um ihr Schicksal, in der Fremdheit und Verlorenheit eine Heimat in der alten Tradition zu finden. Wir lernen die Alltagskultur, die Sprichwörter, die Weisheiten und den jüdischen Witz kennen. Hier zum Beispiel argumentiert er gerade mit seinem unglücklichen kleinen Bruder: „Warum liest du dieses Buch?" fragte er mich einmal./ „Weil ich es lesen will."/ „Mußt du's für die Schule lesen?"/ „Nein."/ „Und du liest es trotzdem?"/ „Es macht mir Spaß."/ „Spaß macht dir das? Aber warum gerade dieses Buch?"/ „Es ist ein wichtiges Buch."/ „Was glaubst du, wie viele Bücher sind auf der Welt geschrieben worden? Vielleicht hundert Millionen?"/ Ich nickte. „Warum? Was willst du damit sagen?"/ „Wieso liest du gerade dieses Buch und kein anderes?"/ „Weil ich dieses Buch lesen will."/ „Aber wenn du dich für dieses hier entscheidest, kannst du ein anderes dafür nicht lesen."/ „Dann lese ich das andere eben morgen."/ „Aber man hat doch nie im Leben genügend Zeit, um alle zu lesen!"/ „Na und? Das macht doch nichts, oder?"/ „Doch, finde ich wohl." ... Ja, tatsächlich ein großes Problem. Und wie lösen wir das? Welche Bücher sollen wir denn nun in unserem kurzen Leben lesen? (Der Held liest übrigens ‚Türkische Früchte' - von wegen: ein wichtiges Buch). Nun, ich weiß, welches Buch man lesen soll: dieses! Dieses Buch lohnt sich so sehr, dass man dafür getrost ein anderes erst morgen lesen kann.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterlich, 15. August 2006
Der Amsterdamer Jude Max Breslauer, Ende dreißig, Erbe der Billigtextilienkette "SuperTex", steckt in der Sinnkrise. Auf der Couch einer Analytikerin entdeckt er, daß sein Problem nicht etwa darin besteht, zu dick zu sein oder mit der Kurtisane seines verstorbenen Vaters herumzumachen, sondern in der nie beantworteten Frage nach Herkunft und Ziel.
Das vor mehr als zehn Jahren entstandene "SuperTex" ist, wenn man so will, das jüdischste Buch des kongenialen niederländischen Schriftstellers. De Winters Fähigkeit, Gefühlswelten zu offenbaren, zeigt sich hier fast in Vollendung, und wie im später entstandenen "Malibu" erreicht sie bei der Schilderung des Verlustschmerzes Meisterschaftsstatus. Ein sehr nahegehendes, lehrreiches und rasantes, schnell lesbares Buch, das man nur empfehlen kann.
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