Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine Taube, die keinen Frieden bringt, 20. Juli 1999
Von Ein Kunde
Ganz anders als "Das Parfüm" und doch ein typischer Süskind ist der Roman "Die Taube". Diesmal nimmt Süskind den Leser nicht mit in die faszinierende Welt der Düfte, er läßt ihn teilhaben an jenen vierundzwanzig Stunden, die einen so großen Einschnitt im Leben des Jonathan Noel bedeuten. Jonathan ist seit Jahrzehnten Wachmann einer Pariser Bank, lebt in einem kleinen Chambre de Bonne im 7. Arrondissement und hat sowohl seine winzige Behausung als auch sein Leben wohlgeordnet. Nein, sein Leben ist nicht wohlgeordnet. Es ist penibel geordnet, übergenau legt Jonathan seine täglichen, immer gleichen Abläufe fest, ein Pedant des Monotonunaufregenden. In diese Welt des Engstirnigen, Ängstlichen, fast Autistischen bahnt Süskind dem Leser einen Eingang,die Räume, das innere, zwanghafte Gefangensein des Jonathan in seiner Welt läßt er den Lesenden ähnlich intensiv spüren und nachempfinden wie die Macht des Duftes im "Parfüm". Plötzlich wird Jonathans abgeschottet-friedlicher Lebensraum durch das bloße Auftauchen, der kurzen Begegnung mit einer verirrten Taube aus dem Lot gerissen. Komplett und scheinbar unwiderruflich scheint sein sorgsam aufgebauter Mini-Kosmos zerstört. In völliger Not gerät Jonathan in schier ausweglose Panik und mit ihm der Leser, der einerseits nicht versteht, warum eine Taube eine solche Wirkung haben kann, der andererseits aber mitgefangen ist in Jonathans Hilflosigkeit, die Süskind so vortrefflich darstellt in detaillierten, fesselnden Beschreibungen, in oft Thomas-Mann-artigen Satzlängen und kunstvoller Darstellungen menschlicher Neurosen und Zwänge. Einmal in die Hand genommen, legt man das Buch erst mit der letzten Seite wieder fort. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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18 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein eleganter, schöner Literatursnack, 22. Juni 1999
Von Ein Kunde
Der erste Satz sagt eigentlich alles: "Als ihm die Sache mit der Taube wiederfuhr, die seine Existenz von einem auf den anderen Tag aus den Angeln hob, war Jonathan Noel schon über 50 Jahre alt, blickte auf eine zwanzigjährige Zeitspanne von vollkommener Ereignislosigkeit zurück und hätte niemals mehr damit gerechnet, daß ihm überhaupt noch irgendetwas anderes wesentliches würde wiederfahren können als dereinst der Tod. Und das war ihm durchaus recht."Süskind malt wie in DAS PARFÜM wieder das Bild eines Einzelgängers, der einen Aspekt seines Lebens bis zum Exzeß steigert. Hier ist es ein Bankangestellter, der aus Angst vor Welt und den Menschen sein Leben in eine vollkommene, absolute Routine verwandelt, so absolut, daß die Nichtigkeit einer Taube auf seiner Türschwelle für ihn ein unüberwindliches Hindernis wird. Sie zwingt ihn aus seinem bequemen leblosen Leben und seiner Wohnung in die Gefahren des Alltags: Im Freien essen! Die Hose stopfen lassen! Ein Hotelzimmer mieten! Im Laufe dieser Erlebnisse erfährt Noel, wie die Routine ihn beherrscht, was die Ursache seiner Angst ist, und erlebt eine Wandlung, die ihn als einen freieren Menschen hinterläßt. Das alles erzählt Süskind mit seiner eleganten, leicht dahinfließenden Sprache in schönen, plastischen Bildern, so daß man die Geschichte in einem Rutsch durchliest (es sind bloß 100 großgedruckte Seiten). "Ernsthaften" Literaten mag DIE TAUBE etwas zu plakativ und offensichtlich sein. Schöne Literatur bleibt sie allemal. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
durch die Pfützen gepatscht, ein unbeschreibliches Vergnügen, 1. August 2004
Nach dem ersten Durchlesen fällt die Detailtreue auf. Meisterhaft die Beschreibung des Zusammentreffens von Jonathan Noel mit der Taube. Ihr kaltes ausdruckloses Auge, das ihm das Blut in den Adern gefrieren lässt (vielleicht dem „Geierauge" des Alten aus der Kurzgeschichte „Das verräterische Herz" von Edgar Allan Poe entlehnt?). Meiner Meinung nach lebt das Büchlein von den Begebenheiten, die allesamt banaler nicht sein könnten, im pedantischen Räderwerk des Wachmannes aber zur existentiellen Bedrohung werden: die regungslos verharrende Taube vor seinem Zimmer, der Wechsel ins Hotelzimmer, das Mittagessen im Park unweit eines Clochards, der rücklings auf der Bank sein Mittagsschläfchen hält, der Riss in der Hose... Gegen den Schluss der Geschichte verfliegt die Verzweiflung und die Wut des Hauptdarstellers, er scheint gar Lust am neuen Lebensgefühl zu bekommen, indem er mit kindlicher Freude und Ausgelassenheit auf dem Nachhauseweg keine Pfütze auf den Gehsteigen Paris auslässt und sich über die Spritzer amüsiert. Ein geradezu anarchistisches Gebaren für Jonathan Noel ... Unklar bleibt mir der Schluss, wo der ordentliche Wachmann alles wieder so vorfindet, wie ers Jahrzehnte hindurch gewohnt war. Kein Taubenkot mehr verspritzt auf der Diele, weit und breit auch keine Taube mehr. Kehrt Jonathan Noel in sein gewohntes Leben zurück als wär alles nur ein böser Traum gewesen? Oder werden die so einschneidenden Erlebnisse ihn aus seiner Bahn werfen? Der Schluss lässts offen.
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