Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Baby ich liebe dich!", 16. Februar 2009
Irgendwo im Nirgendwo hält sich Zorg, Mitte 35, im Nichts der Pampa auf. Doch was ist schon dieses Moloch von Bungalows, wenn man ein so vollkommenes Mädchen, namens Betty, sein Eigen nennen darf. Gepaart mit circa mehreren Hektolitern Bier, die der Protagonist während des Romans in sich hineinkippt, und der Zigarettenfabrik nebenan, blauer Himmel, das reinste Paradies. Eines Tages nachdem das Mädchen wieder einen ihrer hysterischen Anfälle hatte, der Leser darf immer gespannt sein, was ihr wieder kreatives in den Sinn kommen würde, wem sie diesmal an die Gurgel geht, und kann nur herzhaft über die Folgen lachen, entdeckt sie die Manuskripte ihres Lovers und ist ganz begeistert. Doch nachdem sich der Besitzer der Bungalow Gemeinde über die Anwesenheit Bettys stört und das Paar nicht die geringste Lust hat die verbleibenden 24 Bungalows einen neuen Anstrich zu verpassen, setzt Betty dem Lebenabschnitt in der Kolonie der Durchreisenden ein würdiges Ende: der einstige Bungalow in lodernenden Flammen und ein Besitzer der vor Wut fast platzen würde.
Also machen sich die beiden nach dem würdigen Abschied auf zu Bettys Schwester, Lisa, wo sie sich erstmal niederlassen. Betty beginnt mit dem Abtippen der Manuskripte und ist ganz besessen von der Idee, dass das Buch eines Tages verlegt würden werde. Doch es hagelt nur Absagen, was dem zuckersüßen verbissenen Mädchen immer mehr zu schaffen macht, und sie in immer schwerwiegendere Ekstasen der Zerstörung treibt. Das Paar schuftet in der Pizzeria von dem Freund von Lisa. Und man wartet schon gespannt wann dem Engel wieder die Gäule durchgehen. Und so kommt es, dass Betty wieder einen ihrer Tobsucht Anfälle bekommt und es zeichnet sich schon ab, das sich dies im Verlauf des Romans nicht zum Besseren wenden würde.
Der Anlass, dass Eddies Mutter stirbt und ihr Haus nun leer steht bekommt Eddie offenbar nicht allzu gut. So lassen sich Betty und ihr Schriftsteller nieder und verkaufen nach und nach die Klaviere die um Parterre Laden ausgestellt sind, lieben sich leidenschaftlich und machen sich Szenen, wie das halt so ist in einer Beziehung. Nach einigen bedeutenden Nebensächlichkeiten, wie einem "Bank"-Überfall, wunderschünen gemeinsamen Stunden an einem Ort des Himmels und Dingen des ganz normalen wahnsinnigen Alltags, lässt die Zeitbombe Betty nicht lange auf die nächste Reaktorschmelze warten und puhlt sich ein Auge aus. Ja, sie ist nahe dem innerlichen Verfall, um so tragischer, das Richard ihr im Krankenhaus nicht mehr mitteilen kann, dass sein Buch verlegt worden ist. Das Krankenhaus, ist auch der Ort, in dem der angehende Schriftsteller seinen Engel alles andere als sanft entschlafen lässt.
Und es ist das einzige mal in dem Roman, wo Djian einen Mord nicht einfacher darstellen könnte, während er sonst immer mit einem sprachlichem Tempo von 180 km/h erzählt. Die Charaktere die Djian zeichnet sind skurril, monströs aber auch wiederum so liebevoll. Er schreibt in einem Ton der unverkennbaren Realität und schmückt seine Alltagsgeschichten mit einer Sprache aus, die man vergeblich sucht.
Letztendlich bleibt es dem Leser überlassen, ob er eine Nachricht in dem Buch erkennen will, oder doch nur einen glamourösen sprachlichen Stil den man lange nicht wieder findet. Vor allem ist es ein Roman über die Leidenschaft und die Tragik der Liebe, der Wut und Bessesenheit und vielleicht auch der Trauer. Der Vorwurf, es handele sich nur um schlichte Aufzeichnungen eines angehenden Schriftstellers, der banal gesagt verliebt ist, sind keineswegs gerechtfertigt, das Buch ist gespickt von unzähligen Seiten reiner Philosophie über die Liebe, das Leben und den Platz im Leben. Ein geniales Werk! - Julian Friesinger
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30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein literarisches Denkmal, 11. Juli 2004
Von Ein Kunde
Jaja, da ist dieses Buch schon fast 20 Jahre alt und trotzdem wirkt es noch immer bzw. immer wieder. Als Büchermaniac und lesender Weggefährte von Philippe Djian ist man mit dem Autor gewachsen und gereift, betrachtet Dinge natürlich im Laufe der Jahre aus einem anderen Blickwinkel. Doch auch heute ist BETTY BLUE noch immer eines der ganz wenigen Bücher, das nichts von seiner Magie verloren hat - im Gegenteil, es gewinnt sogar noch an Tiefe, Nähe und Intensität. Betty und Zorg sind zwei Charaktere, die ebenso zeitlos sind, wie das Leben und die Liebe an sich. Und DJIAN hat mit diesem Buch (zusammen mit EROGENE ZONE) einen Meilenstein der zeitgenössischen Literatur gesetzt, unumstößlich und wetterfest. In den letzten Jahren war es vielleicht noch HARRY SCHWARZKOPFS Debütroman "MAGENGRUBE", der mich in ähnliche, gute Schwingungen versetzte. DJIAN selbst lascht da doch etwas ab, leider. Aber ich denke, er hat sich sein eigenes Denkmal schon geschaffen und kann sich durchaus zufrieden mit sich und der Welt zurücklehnen...
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Traumhaft schön, 18. Mai 2003
Was besaß Phillipe Djian in den 80ern, was ihm jetzt abhanden gekommen ist? Heute wird er von seinen Lesern als abgehalftert, verbrannt, ausgeschrieben und tot betitelt. Und diejenigen, die ihm diese Attribute ankreiden, sind dieselben Leser, die nach Betty Blue zu Frankreichs aufsteigendem Stern am Schriftstellerhimmel wie zu einem Gott aufgeschaut haben. Es gibt nur wenige Schriftsteller, die so polarisieren wie Djian. Und das, mit einer schlichten einfachen, auch in der Übersetzung simplen Alltagssprache. Die Geschichte von Betty und Zorg ist einer der Meilensteine der Geschichten von Frau und Mann. Betty, das ist der heimliche Traum, den jeder von uns (damit meine ich das männliche Geschlecht) schon immer geträumt hat. Djian verpackt alltägliche Situationen und haarsträubende Abenteuer in einen Mix aus Sätzen, dem man nur schwer widerstehen kann. Wenn es noch Bücher gibt, die man, wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat, nicht mehr aus der Hand legen kann, dann ist dies eines davon. Sich zu verlieben, ist nicht einfach. Die Liebe des Lebens zu finden, fast unmöglich. Aber Betty...die wäre es gewesen. Immer wieder schön und absolut empfehlenswert. Vergesst Beneix's Film und lest lieber das Buch noch einmal...und noch einmal...und
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