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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine wunderschöne, leise Geschichte, 7. März 2007
Hier wird die Lebensgeschichte der türkischen Großmutter der Autorin erzählt. Sie war eine der wenigen Kalligraphinnen in einer von Männern dominierten Zunft. Die Geschichte bringt einem die besondere Beziehung nahe, die Rikkat zur Kalligraphie, zu ihrem Schreibwerkzeug und zu ihrem Lehrer hat, der sie über seinen Tod hinaus begleitet. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, - die Sprache ist sehr poetisch, fein, hat mich sehr berührt und man kann sich sehr gut in die fremde Kultur aber auch in das persönliche Leben von Rikkat, der Kalligraphin hineinversetzen. Ein ruhiges, feines, leises Buch, das einen ganz sanft gefangennimmt.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein schönes, ein fremdes Buch, das man mit einer gewissen Ehrfrucht aus der Hand legt, 9. März 2008
Im Jahr 1928 ersetzte die türkische Republik unter maßgeblicher Führung von Kemal Atatürk die Jahrhunderte lang herrschende arabische Schrift durch eine abgewandelte Version des lateinischen Alphabets. Für die türkische Gesellschaft, islamisch geprägt über eine lange Zeit, war dies zusammen mit der gleichzeitigen Trennung von Staat und Religion und der Einführung eines vom Militär streng überwachten Laizismus ein Schock, zumal dieser Prozeß nicht unbedingt demokratischen Leitlinien folgte.
Das Ergebnis allerdings war, dass die Türkei sich entwickelte, Anschluß gewann an die industrielle Entwicklung Europas und nun sogar vor den Toren Europas auf die Aufnahme in die EU hofft. Der Historiker Dan Diner hat unlängst in einem für das Verständnis der gegenwärtigen islamischen Welt unverzichtbaren Buch mit dem Titel "Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt" (List Verlag 2007) darauf hingewiesen , dass neben anderen Faktoren das Festhalten am religiös aufgeladenen Arabischen und die fehlende Säkularisierung der Sprache und der Kultur ein wesentlicher Grund darstelle für die extreme Rückständigkeit der arabischen Welt. Und er hat für die Zukunft keine besonders optimistischen Erwartungen: "Die Entwicklung, die im Westen mit der Erfindung des Buchdrucks anhob und durch die Renaissance und Reformation beflügelt wurde, konnte in den muslimischen Ländern arabischer Sprache durch die Beständigkeit des Sakralen aufgehalten werden. Diese Entwicklung nachzuholen ist ein herkulisches Unternehmen zukünftiger Generationen."
Yasmine Ghata, 1975 in Frankreich geboren, arbeitet als Expertin für islamische Kunst. So ist ihr dieses Buch über ihre Großmutter Rikkat nicht nur ein biographisches Anliegen, sondern sie beschreibt die Leidenschaft, ja Besessenheit von Menschen, die sich, religiös berufen wähnend, einer Kunst und einem Leben hingeben, das im Westen eher an eine mittelalterliche, klösterliche Schreiberexistenz erinnert.
Atatürks Revolution beraubte die Kalligraphen ihrer traditionellen Glorie. Yasmina Ghata gibt einer der wenigen Frauen in der im wesentlichen Männern vorbehaltenen Zunft der Kalligraphen ihre Stimme zurück. Rikkat erzählt ihr Leben, von ihren beiden unglücklichen Ehen. Sie erzählt von ihrem lebenslangen, leisen Kampf gegen die Vorherrschaft der Männer, und ihrer an Besessenheit grenzenden Leidenschaft für die Kalligraphie, der Kunst der schönen Schrift, die Schreibern und Lesern religiöser Texte über das Bilderverbot des Koran hinweghalf.
Von ihrer Umgebung und dem Geschehen in der Welt bekommt Rikkat wenig mit. Wie sollte sie auch, ist sie doch mit ihrer Leidenschaft für diese aussterbenden Kunst so sehr der verklärten Vergangenheit verhaftet, dass sie nicht wahrhaben kann, was sich durch den Buchdruck wirklich verändert hat.
Wie Yasmine Ghata allerdings diese Kunst, ihre Geister und Geheimtinten, ihre besonderen Schreibfedern und das Wirken der verstorbenen Lehrer im Leben ihrer Schüler beschreibt, ist von großer sprachlicher Schönheit.
Und so ist das ganze Buch ein Symbol für die Zwischenexistenz vieler moderner Muslimas, zwischen den wertvollen Traditionen ihrer Kultur und der säkularen Welt des Westens, wo sie aufgewachsen sind und leben.
Ein schönes, ein fremdes Buch, das man mit einer gewissen Ehrfurcht aus der Hand legt und dem Gefühl, dass absolut notwendige Säkularisierung ( siehe Dan Diners Buch) aber auch große, unwiederbringliche Verluste zu beklagen hat.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die ferne Welt der Kunst im Islam, 21. Mai 2007
Yasmine Ghata Die Nacht der Kalligraphen
Meridiane Ammann ISBN 3250600865
Ungewöhnlich beginnt diese kleine Erzählung von Yasmine Ghata.
Rikkat, eine berühmte türkische Kalligraphin, beginnt mit dem Bericht über ihren eigenen Tod, um dann über ihr Leben zu erzählen.
Sie war eine der wenigen weiblichen Kalligraphinnen in Istanbul, denn diese Arbeit war eigentlich den Männern vorbehalten.
Kalligraphen sind Protokollanten der Worte Gottes, hier des Islam. Sie waren Priestern gleich gestellt, umgeben von einem Nymbus der Heiligkeit und ausgestattet mit Rezepturen für ihre kalligraphischen Arbeiten wie Tinte, Feder und Vorbereitung des Papiers, die nur Eingeweihte durch die Überlieferung kannten.
Die Erzählung beginnt geheimnisvoll. Manches klingt wie ein Traum, so als sei die Kunst von göttlicher Eingebung beflügelt.
Derwischen gleich erscheinen die Toten den Lebenden, um sie zu belehren.
Mit Attatürk veränderte sich die Türkei. Die arabische Sprache wurde abgeschafft und die traditionelle Kunst der Kalligraphie verlor an Bedeutung.
Umso aufregender ist die Geschichte von Rikkat, die mit außergewöhnlichen Gaben beschenkt war und in stiller aber überschwänglicher Liebe für diese Kunst wie geschaffen schien. Sie durfte als einzige weibliche Lehrerin diese Kunst unterrichten.
Was wie eine Geschichte der Mystik beginnt, geht über in eine ganz reale Lebensgeschichte mit dramatischen und widersprüchlichen Gegenwartsbezügen.
Da geht es um Ehen ohne Liebe, Abschiede und Trennungen, die den ganz alltäglichen irdischen Schmerz heutiger Lebensgeschichten widerspiegelt. Damit leitet die Autorin über in die heutige Welt, in der es in der Türkei neben der Zwangsheirat die Ehescheidung und den Kampf um Kinder gibt. Diese Passagen sind ungewöhnlich liebevoll und empfindsam geschrieben.
Yasmine Ghata hat mit ihrem Roman vor allem ihrer Großmutter ein Denkmal gesetzt, einer der wenigen Kalligraphinnen der türkischen Geschichte.
Ghata schreibt eine blumenreiche und poetische Sprache, die zunächst dem Inhalt nach befremdlich wirkt. Die Informationen über islamische Kunst und die Kalligraphie macht neugierig und man möchte mehr darüber erfahren.
Dieses Buch öffnet Türen, sich der Welt des Islam abseits vom politischen Alltag einmal ganz aus der Sicht der Kunst zu nähern. Ein schönes, lesenswertes und Völker verbindendes kleines Buch, das man dem interessierten Leser gerne empfehlen möchte.
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