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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
There are many ways - but go your way straight., 27. März 2009
Ursprünglich wollte ich das Buch nur zum schnellen Nachlesen einiger unvergesslicher Szenen kurz zur Hand nehmen, als ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Das Ende vom Lied war, dass ich dieses magnetisierende Werk in einer Nacht durchpflügte, um am Ende ziemlich verdattert da zu sitzen. Kennen Sie die Situation, wenn Sie sich im Nachhinein über ein scheinbar total verkorkste Wendung in einem Buch oder Film ärgern, um beim nächsten Lesen oder Schauen erstaunt festzustellen, dass man sich dazumal unterhaltungssüchtig auf reichlich vernagelt stellte. Bei mir hat es immerhin ganze fünf Mal gebraucht, geschadet hat's aber auch wieder nix.
"The King Beyond The Gate" handelt von dem legendären Volk der Drenai, das unter der Tyrannei des wahnsinnigen Diktators Ceska leidet, nachdem es noch vor 100 Jahren von ihrem größten Helden Druss der Legende vor dem erbarmungslosen Stammesverbänden der Nadir gerettet wurde. Die einstige drenaische Kriegerelite des "Drachen" wurde ausgelöscht, gigantische Werwolfwesen als Verschmelzung aus Mensch und Tier vernichten jede Gegenwehr im Keim und das Volk bleibt hilflos dem Terror ausgeliefert. Tenaka-Khan, der "Prinz der Schatten" und berühmt berüchtigter Spross aus den Linien des legendären Brozegrafen und des Großkhans der verhassten Nadir begibt sich als wohl letzter Überlebender des "Drachen" auf die einsame Mission, Ceska zu ermorden.
Die Drenai-Saga ist die ausgefeilteste und epischste Saga, die ich je die Ehre hatte, kennen zu lernen. Über Jahrhunderte und 11 in sich abgeschlossene Werke hinweg wird die wechselhafte Geschichte der legendären Drenai dargestellt, in der Taten vor Jahrhunderten direkt die Gegenwart beeinflussen, selbst der kleinste nebensächliche Handlungspfad zwei Generationen später zu kolossalen Ereignissen führen kann und einzelne Helden das Schicksal einer ganzen Welt beeinflussen. So beginnt auch vorliegend eine Geschichte mit dem ersten Schritt eines einzelnen Mannes, um den sich wider Willen bald andere scharen sollen und sich die einsame Mission zusehends zum Feuerbrand einer Rebellion entwickelt: Die unterschiedlichsten Protagonisten treffen zusammen, Schlachten und Scharmützel folgen, Freud und Leid wirbeln im Gleichtakt... und die Hoffnung verdüstert sich zusehends, als Ceska seine Legionen an Soldaten, Chaospriestern und Ungeheuern sammelt. Während Tenaka-Khan seinen eigenen Weg geht, formieren seine Kampfgenossen Ananais, der Goldene, und Decado, der Eistöter, den letzten Widerstand in den Skodabergen. Mitreißende Spannung und plastische Schlachtengemälde, eloquente Dialoge und hehre Romatik, trockener Humor und tiefe Tragik, Kriegerpriester, und schöne Frauen, Mythos und Alltag verbinden sich gemmelltypisch erneut zu einer grandiosen epischen Unterhaltung, bei der man weder zum Atmen noch zu einer Pause kommt.
Aber wie echauffierte sich an einem anderen Ort ein Rezensent darüber, dass Gemmell in seinem Werken zu viele Erziehungsgedanken angedeihen lässt. Recht hat er, wenn auch nur thematisch. Gemmell wirft dem unbedarften Leser nicht wie nur allzu viele Fantasy-Autoren ein banales Märchen hin, sondern seine Unterhaltung ist nur die äußere Verpackung einer komplexen Philosophie, die man kurz zusammen gefasst auf die Worte dezimieren kann: - Geh allen Widrigkeiten zum Trotz Deinen Weg aufrecht, ehrenvoll und straight. - Leichter gesagt als getan, denn bei Gemmell geht es oft genug um Leben und Tod, um die Aufgabe eigener Wünsche und Träume und der Konfrontation mit Entscheidungen im Angesicht des eigenen Untergangs. Gemmells "Helden" sind Halunken, Egoisten, Killer, Emporkönmmlinge, Trottel, H*ren, Zweifler, Schlächter, Pedanten, Feiglinge... - und werden erst dann zu "Helden", wenn sie sich ihren eigenen Ängsten stellen und über sich hinauswachsen - unter größten Opfern und ohne Wissen über den Ausgang - während andere versagen und zu einem Leben unter einer Maske verdammt sind. C'est la vie.
Gegenüber anderen Werken ist dieser Gemmell wiederum strahlende zehn Sterne wert, aber im Rahmen eines Vergleichs mit anderer seiner Werken ziehe ich einen Stern ab, weil die zweite Hälfte zu flott, zu rastlos und zu unausgefeilt dahinprescht. Nichtsdestotrotz ein gigantisches Werk, das einen fürwahr epischen Schatten auf die gesamte Drenai-Saga wirft und vieles in ein gänzlich neues Licht rückt. Es lohnt sich, die Saga chronologisch anzugehen.
Fazit:
Geben Sie ihrem Sohnemann bis zum 12. Lebensjahr Karl May zu lesen, danach ist er reif für einen Gemmell. David Gemmel schreibt Werke, in denen man nicht nur packender Unterhaltung, sondern auch dem Autoren selbst begegnet. Ich kenne keinen anderen Schriftsteller, der so tiefgründig und ausgewogen eine so scheinbar einfach Lebensphilosophie aufzeigt, die selbst in den alltäglichen Lagen des Alltags schlichte Antworten auf hochkomplizierte Fragen zu geben vermag.
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