|
|
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gutes Debut, wenn auch ohne Innovationen..., 9. Oktober 2004
Wir schreiben das Jahr 1997. Wenn man zur damaligen Zeit nach einer Gruppe names Limp Bizkit gefragt hätte, wäre man vermutlich nur auf kollektives Schulterzucken und fragende Gesichter gestoßen. Dank den New Metall-Mitbegründern KoRn (und den Tätowierkünsten von Frontmann Fred Durst) kam diese damals kleine und unbedeutende Band aus Jacksonville zu ihrer Chance eine Platte aufzunehmen. Der Produzent war kein geringerer als Ross Robinson, der dem Silberling auch sehr deutlich seinen Stempel aufdrückte. Laut, roh, ungeschliffen, aggressiv, wild, abgedreht, krank - so lässt sich diese CD beschreiben und steht somit im krassen Gegensatz zu späteren Werken der weichen Kekse. Durch das gesamte Album hindurch ziehen sich Dursts rauer (und sehr markanter) Sprechgesang sowie seine (für neuere Fans wohl verstörenden) Schrei-Attacken (ja, es mag komisch klingen, aber der Kappenträger schreit sich im wahrsten Sinne seine Seele aus dem Leib) und DJ Lethals (Ex-House Of Pain) futurischte Effektorgien. Der Mann am Mikro erzählt uns zudem in seinen sehr persönlichen Texten von gescheiterten Beziehungen und anderen Problemen mit dem weiblichen Geschlecht, Einsamkeit, Isolation sowie von falschen Freunden, die ihn nur ausnutzen oder schlicht mit ihrer Anwesenheit nerven. Das Trio Borland, Rivers, Otto macht seine Sache außerdem auch sehr überzeugend. Richtiges Neuland betritt die Band zwar zu keinem Zeitpunkt, allerdings führen sie das weiter, was Bands wie Rage Against The Machine, Helmet, Downset, Clawfinger, KoRn und die Deftones anfingen. Limp Bizkit kreiren ihren eigenen Stil, der sie aus der Menge der vielen belanglosen 08/15-Crossover/New Metal Bands hervorhebt. Ingesamt gibt es - wie bereits erwähnt - auf dieser LP für Limp Bizkit Verhältnisse ziemlich auf die Fresse, ein Brett jagt das nächste und trotzdem geht die Abwechslung dabei nicht verloren: Mal rockt der Fünfer von Beginn an ordentlich los („Pollution", „Nobody Loves Me"), anderswo steigern sie sich erst langsam hinein („Stuck", „Counterfeit", „Stalemate", „Clunk", „Stinkfinger") dann schlägt man wieder etwas ruhigere Töne an, wie in der Halbballade „Sour" oder dem genialen Abschluss der Scheibe („Everything" - eine angebliche (nur zum Teil aufgenommene) Jam-Session, die über eine Viertelstunde alle Facetten der Combo aufzeigt und einen wahren Hörgenuss darstellt), um dem Hörer dann wieder einen 2 Minuten-Kracher (der nicht umsonst mit dem Warnhinweis „Demo Version" versehen ist) in Form von „Leech" um die Ohren zu hauen. Für Party-Stimmung sorgt das George Michael Cover „Faith". Ein Song, der den Durchbruch der Band im Jahre 1998 bedeutete. Mit „Indigo Flow" kommt auch noch eine Ansammlung von Danksagungen und Grüßen (u.a. an die Deftones, KoRn und Gott gerichtet) hinzu, mit denen sich die Fünf aus Florida bei ihren Wegbereitern bedanken. Einzig das „Intro" stößt einem auf, die Jungs sind wohl fanatische Christen und befinden sich scheinbar auf einem Missionierungskreuzzug. Nach mehr als einer Stunde ist dann Schluss und hinauskommt eine gute Platte, die durch einen hohen Rock-Faktor sowie viel Abwechslung besticht. Es gibt keinen einzigen Ausfall auf dem Album und darüber hinaus ist diese Langgrille so konstant gut, dass es sehr schwer fällt einzelne Songs als Höhepunkte hervorzuheben. Es fehlen jedoch die wirklichen Innovationen und auch die Texte könnten mehr Tiefgang vertragen, deshalb reicht es nicht zu einer höheren Wertung. Fans der aktuelleren Limp Bizkit Veröffentlichungen werden hieran wahrscheinlich wenig Gefallen finden und sollten zumindest vor dem Kauf mal reinhören, denn eingängig ist dieses Album so gut wie gar nicht. Dafür tritt es ordentlich Arsch! Bewertung: 8,0/10
|