Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Jahrhundertroman!, 21. April 2005
Eigentlich wäre ich ratlos, wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte -- mindestens 500 sollten es schon sein, die ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen dürfte. Aber man könnte mich fragen, ob "Master i Margarita" von Bulgakov mit von der Partie wäre, und darauf würde ich sofort mit "ja" antworten.
In diesem Roman kommt unendlich vieles zusammen, und man kann ihn auf unendlich viele Arten lesen: Als bitterböse Satire auf Stalins Staat und als philosophische Abhandlung, als phantastische Abenteuer- oder Spukgeschichte, als die ultimative Liebesgeschichte schlechthin... und diese Aufzählung ist längst nicht vollständig.
Moskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Es tritt auf der Teufel persönlich, der in der Karfreitagnacht seinen alljährlichen Hexenball veranstalten will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los, und Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten und Mitläufer bekommen ordentlich ihr Fett weg. Bereits der Romananfang bei den idyllischen Patriarchen-Teichen ist ein satirisches Meisterwerk, das auf allen denkbaren Ebenen zuschlägt. Bulgakov scheint hier die alte Regisseur-Weisheit in die Literatur umzusetzen, wonach man eine Filmhandlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans.
Eigentlich geht es nämlich um Margarita und um ihre Liebe zum Meister, um die beiden Ausnahmegestalten im Roman; sie sind die einzigen Menschen, denen der Teufel nicht übel mitspielt, sondern denen er hilft. Margarita sucht verzweifelt ihren Geliebten, den Meister, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, nachdem die Literaturfunktionäre sein Werk als kontrarevolutionär gebrandmarkt haben. Sein Manuskript, ein philosophisch angelegter Pilatus-Roman, in dem es um die zentralen Themen Macht, Wahrheit und Wahrhaftigkeit geht, hat er verbrannt, und nun befindet er sich in einer Nervenheilanstalt. Um den Meister wiederzufinden, willigt Margarita ein, auf einem Hexenball als Gastgeberin aufzutreten, bei dem Dantes Inferno auch nicht mehr groß auffallen würde. Und die Suche nach dem Meister geht weiter, auf allen denkbaren und undenkbaren Romanebenen.
Den verschiedenen Handlungs- und Stilebenen in "Master i Margarita" entspricht der Aufbau des Romans; meist wechselt von Kapitel zu Kapitel der Schauplatz: Von Stalins Moskau nach Jerusalem um 33 n.Chr., vom teuflischen Generalangriff auf realsozialistische Verlogenheit hin zur Wahrhaftigkeit Margaritas und zum philosophischen Disput zwischen Pontius Pilatus und Jeschua ha-Nasri (d.i. Jesus von Nazareth) als Roman im Roman. Trotz der deutlichen Schnitte ist die Handlung nicht zusammenhanglos; ein dichtes Geflecht aus Motiven, parallel gestalteten und einander reflektierenden Figuren und Handlungen verbindet die Handlungsstränge zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Auch wenn es eine gute deutsche Übersetzung von Thomas Reschke gibt, so sollte doch jeder Leser, der genügend Russisch kann, wenigstens die Teile des Romans, die in Moskau spielen, im Original lesen, schon der vielen Wortspiele wegen, an denen auch der beste Übersetzer mitunter scheitern muss. Man kann ja die Übersetzung daneben legen...
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Master and Margarita, 19. September 2000
I'm from Russia and I have read Bulgakov's book in Russian. The reason I'm writing this review is because I would want more Westerners to read the twentieth century Russian literature. I sometimes have a perception that if people do reach for Russian literature they reach for Tolstoy and Dostoyewski, ignoring the great twentieth century writers, one of whom is Bulkagov. Master and Margarita astonished me from the first time I read it. For the second time more things occured to me and more became even more mysterious(I am not one of those people who can read one book several times). You can read this book all your life and continue to enterpret it in a different ways. Master and Margarita is one of those novel's whose main theme you would never grasp. I often times read the political interpretations of this book, which I find very narrow and plain. The beauty of the novel lays in fact that there are so many abstract and realistic themes running accross that every reader will find something interesting in it. I would advice all those who read the book, in case of visiting Moscow, to go and see the Patriarch lake and the appartament 50, which really exists. There is this unbelivably mystical atmosphere which enhances if not the comprehension of the novel, but the strong feeling to it. Master and Margarita is one of my favorite books ever, and I'm convinced I will reach for it again in twenty years from now.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Jahrhundertroman!, 20. April 2005
Eigentlich wäre ich ratlos, wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte -- mindestens 500 sollten es schon sein, die ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen dürfte. Aber man könnte mich fragen, ob "Master i Margarita" von Bulgakov mit von der Partie wäre, und darauf würde ich sofort mit "ja" antworten.
In diesem Roman kommt unendlich vieles zusammen, und man kann ihn auf unendlich viele Arten lesen: Als bitterböse Satire auf Stalins Staat und als philosophische Abhandlung, als phantastische Abenteuer- oder Spukgeschichte, als die ultimative Liebesgeschichte schlechthin... und diese Aufzählung ist längst nicht vollständig.
Moskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Es tritt auf der Teufel persönlich, der in der Karfreitagnacht seinen alljährlichen Hexenball veranstalten will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los, und Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten und Mitläufer bekommen ordentlich ihr Fett weg. Bereits der Romananfang bei den idyllischen Patriarchen-Teichen ist ein satirisches Meisterwerk, das auf allen denkbaren Ebenen zuschlägt. Bulgakov scheint hier die alte Regisseur-Weisheit in die Literatur umzusetzen, wonach man eine Filmhandlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans.
Eigentlich geht es nämlich um Margarita und um ihre Liebe zum Meister, um die beiden Ausnahmegestalten im Roman; sie sind die einzigen Menschen, denen der Teufel nicht übel mitspielt, sondern denen er hilft. Margarita sucht verzweifelt ihren Geliebten, den Meister, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, nachdem die Literaturfunktionäre sein Werk als kontrarevolutionär gebrandmarkt haben. Sein Manuskript, ein philosophisch angelegter Pilatus-Roman, in dem es um die zentralen Themen Macht, Wahrheit und Wahrhaftigkeit geht, hat er verbrannt, und nun befindet er sich in einer Nervenheilsanstalt. Um den Meister wiederzufinden, willigt Margarita ein, auf einem Hexenball von Dante'schen Ausmaßen als Gastgeberin aufzutreten. Und die Suche nach dem Meister geht weiter, quer durch die Erzählebenen, quer durch die Zeiten, quer durch Stalins Moskau...
Den verschiedenen Handlungs- und Stilebenen in "Master i Margarita" entspricht der Aufbau des Romans; meist wechselt von Kapitel zu Kapitel der Schauplatz: Von Stalins Moskau nach Jerusalem um 33 n.Chr., vom teuflischen Generalangriff auf realsozialistische Verlogenheit hin zur Wahrhaftigkeit Margaritas und zum philosophischen Disput zwischen Pontius Pilatus und Jeschua ha-Nasri (d.i. Jesus von Nazareth) als Roman im Roman. Trotz der deutlichen Schnitte ist die Handlung nicht zusammenhanglos; ein dichtes Geflecht aus Motiven, parallel gestalteter Figuren und Handlungen verbindet die Handlungsstränge zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Auch wenn es eine gute deutsche Übersetzung von Thomas Reschke gibt, so sollte doch jeder Leser, der genügend Russisch kann, wenigstens die Teile des Romans, die in Moskau spielen, im Original lesen, schon der vielen Wortspiele wegen, an denen auch der beste Übersetzer mitunter scheitern muss. Man kann ja die Übersetzung daneben legen...
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