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5.0 von 5 Sternen
Rettung im Requirements Engineering! - Endlich ist sein Buch erschienen!, 4. Juni 2009
Wenn ihre Klienten anfangen auf einem bestimmten professionellen Niveau Standardliteratur oder gute Quellen zum RE zu suchen, die über Einzelaspekte hinausgehen, so dass man sie in jeden beliebigen Projekt effektiv verwenden kann, haben Sie als Berater ein Problem: Es gab bislang keine! Sie mussten sich vereinzelte Papers mühsam im Internet, Organisationsdatenbanken und Fachzeitschriften zusammensuchen oder selbst was entwerfen.
Oft wurde ich als Consultant bei großangelegte Projekte hinzugezogen, weil dort nichts mehr klappte, um die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den Parteien zu klären und die entstandenen Probleme zu lösen, die durch äußerst seichte Kompetenzen und aus ebenso seichten Literaturwerken zum RE entsprangen. Und wenn ich dann dort meine erste Expertise erstellte, lautet mein Fazit meist, dass die fundamentalen Konzepte die der Autor Prof. van Lamsweerde hier in seinen Standardwerk endlich veröffentlichte, von den Verantwortlichen meist weder verstanden, noch realisiert wurden. Dann blieb mir oft an vielen Stellen nichts anderes mehr als zu empfehlen wieder komplett von Vorne anzufangen, weil die Ziele so nicht mehr erreicht werden konnten. Was meist politisch recht schwer durchzusetzen war, angesichts des Millionenaufwandes für die Anpassung der IT, den Mannjahren für die Konzeption und dem Gesichtsverlust der Entscheidungsträger. Besonders, da die optisch wenig attraktiven, aus den Gesamtkonzept gehobenen und stark mathematisch, logischen formulierten, wissenschaften Arbeiten des Autors bei dem gemeinen System- oder SW-Ingenieur in der Industrie kaum Anklang fanden, sondern man mehr Autoren Beachtung schenkte, die leichtverdauliche Kost verkauften, dort früh ihren Claim absteckten und sich stark als Mainstream produzierten, aber wenig Wissen über globale Zusammenhänge vermitteln. Ich schätze den direkten wirtschaftlichen Schaden in Projekten, mit denen nur ich alleine zu tunen hatte, auf etwa eine viertelmilliarde Euro, nur weil sich die Leute früh hoffnungslos verrannt hatten und primär nur auf ihr eigenes Arbeitsumfeld konzentrierten, was dann zu nicht mehr auflösbaren Inkonsistenzen an anderen Stellen führte. So gesehen, ist dieses Werk die ersehnte weltweite Befreiung, die dem einfachen Mitarbeiter zeigen könnte, worauf er zu achten hätte.
Was finden Sie in dem Buch denn so Besonderes:
Van Lamsweerde's Arbeiten über GORE (Goal-Oriented RE) und der KAOS (keep all objectives satisfied) Technik waren bahnbrechend. Nicht nur für die Prozesse und Methoden zum RE, sondern auch des Systems Engineering (SE). Dadurch sind seine Metamodelle auch wirklich überall anwendbar, egal in welcher Branche, in welchen Projekt, in welchen Fachgebiet.
Die Kernintentionen der Prozessmodelle wie CMMI ML3+, SPICE PA 2.x+; Architekture Diven Development(ADD) Frameworks wie TOGAF, ITIL V3 oder globale Interessen wie Business Engineering, Produktmanagement oder professionelles Projektmanagement (inkl. z.B. quantitives PM) etc können ohne fundamentale Kenntnisse von GORE überhaupt nicht richtig verstanden und praktiziert werden.
Der Detailierungsgrad mit dem der Autor seine Ergebnisse darstellt, ermöglichten noch ein anderes Ziel - die Automatisierung. V. Lamsweerde erbrachte wichtige Forschungsgrundlagen für die automatische Konzeptionierung, die automatisches [Requirements Management,(zu disputieren)] Requirements Engineering und Systems Engineering beinhaltet. Durch Zielorientierung können nun so automatisch (mit anderen Konzepten) neue Konzepte enstehen und aus diesen Konzepten Systeme, wie es beim Model-Driven Development (MDD) versucht wird oder die Formulierung neuer Ziele, die von Mensch oder Maschine befriedigt werden, wie es in der automatischen Planung oder komplexen kooperativen SE versucht wird. Konzepte wie Goals, Softgoals, Antigoals, Obstacles etc haben viele meiner R&D-/Beraterkollegen und ich vom Autor bereits vor vielen Jahren "geklaut", um unsere Ziele in diesen Bereich voranzutreiben.
Durch diesen Detailierungsgrad erhoffe ich mir von dem Werk einen wichtigen Beitrag, dass der seit 30 Jahren tobenen Disput zwischen den Engineering Organisationen (IEEE, INCOSE, OSF etc), dem SEI (SW Engineering Institute), diversen Alt-Gurus (Davis, Wiegers, Sommerville etc) und kleineren Fraktionen - was ist und gehört zum Requirements Management, Requirements Engineering und Systems Engineering - zu einem Ende bringt und endlich einheitlich festgelegt werden kann.
Man findet dort auch sehr viele Details zur Risikobetrachtung und Aufwandsschätzung, Traceability, Konsolidierung von Modellen, Zielen etc. auf mathematisch/logische Ebene u.s.w.
Die Autor hat die Zielgruppe Informatiker im letzten Diplomsjahr und Profis im RE und SE anvisiert. Aber ich habe keinen Grund gefunden, warum ein Fachinformatiker oder Programmierer mit guten Mathekenntnissen mit diesen Werk nicht klar kommen sollten. Dieses Buch ist aber definitiv nicht ausgelegt für Anfänger im RE und SE, Sie sollten schon einige Erfahrung mitbringen. Und man muss sich stellenweise etwas durchbeißen. Es ist also keine leichte Kost.
Einziger Nachteil: Die Einleitung zum Buch, was RE ist oder sein soll, ist an vielen Stellen höfflich gesprochen antiquiert.Z.B., ist für den Autor ein nichtfunktionales Requirement eine Einschränkung eines funktionalen Requirement. - Eine gewagte Sichtweise. Oder fachspezifische Klassifizierung der Requirements oder Böhm Spiralmodel für den Prozess sind Ansichten, die in den letzten Jahren kaum noch Anhänger finden. - Den leichten Teil kann er also nicht so gut :-)
Weiterhin konzentriert sich der Autor beim SE ausschließlich auf SW Engineering und diskutiert dies mit UML/SADT. HW-Themen/Beispiele oder Managementthemen (Projekt, Produkt, Prozess, Business, Kunden etc.) u.v.m. werden bestenfalls beiläufig betrachtet.
Ein kleines Bonbon erhält man zum Buch: Auf einer Webseite kann frei das Tool (SAT Solver), das der Autor zum GORE, GOMD, KAOS etc benutzt, downloaden.
Fazit: Fortgeschrittenen- bis Expertenbuch. Standardwerk! Zukunftsweisend. Obligatorisch für jeden der in diesen Bereich was werden will. Berater, Informatiker, Techniker, Ingenieure, Manager ...
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