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Philosophie des gesunden Menschenverstandes / der Vernunft, 24. März 2006
Die Philosophen haben mehr als zwei Jahrtausende gelehrt, dass der Mensch aus zwei getrennten, miteinander unverträglichen Bestandteilen besteht: Seele und Körper.Die Seele (Geist, Bewusstsein, Verstand) ist "nicht von dieser Welt" und kann aus diesem Grund die Realität nicht sehen. Erkenntnisse müssen deshalb durch "Eingebung von oben" kommen, also von Gott. Das führte zu Werten, die nicht lebbar waren. Diese Philosophie stärkte die Kirche und hat zu Glaubenskriegen, Inquisition und Kreuzzügen geführt. Der Körper ist ohne Verstand, kann also seine Sinneswahrnehmungen nicht deuten und keine Zusammenhänge herstellen. Das bedeutet, dass der Einzelne nicht denken kann; deshalb muss "die Gesellschaft" für ihn denken. (Wie ein Kollektiv aus nicht denkenden Individuen zu Erkenntnissen gelangen soll, ist mir allerdings schleierhaft.) Daraus entstehen Werte, die nicht vernünftig sind. Diese Philosophie stärkte den Staat und führte zu Revolutionen, Kommunismus und Faschismus. Kurz gesagt: Falsche Philosophien haben der Menschheit zwei Jahrtausende Leid beschert. Die Erkenntnis des Objektivismus ist eigentlich so trivial, dass man sich fragen muss, warum niemand vorher darauf gekommen ist: Das Bindeglied zwischen Verstand und Realität ist die Vernunft. Damit sind Körper und "Seele" nicht mehr getrennt. Jeder Mensch kann mittels der Vernunft ohne die Hilfe anderer die Realität erkennen und sich ihr anpassen. Wenn er so handelt, ist er objektiv (daher "Objektivismus"). Der Objektivismus erklärt, dass das oberste Ziel des Menschen das Leben sei. Zu dessen Bewältigung benötigt er seinen Verstand. Werte und Tugenden sind deshalb dazu gedacht, Leben und Verstand bzw. Vernunft zu bewahren. Arbeit ist z. B. eine Tugend, weil man zum Leben Essen benötigt und dieses entweder selbst erzeugen oder erwerben muss. Gerechtigkeit bedeutet, Menschen unter Benutzung der Vernunft objektiv zu beurteilen (damit handelt man übrigens eigennützig, weil man so keine Entscheidungen auf falscher Grundlage trifft). Daraus ergeben sich automatisch die Menschenrechte (ein Rückgriff auf Gott oder das Naturrecht ist deshalb nicht mehr notwendig): körperliche Unversehrtheit als Schutz des Lebens, freie Meinungsäußerung als Schutz der Vernunft usw. Da der Verstand individuell ist, verwirft der Objektivismus jeglichen Kollektivismus. Der Staat hat die Aufgabe, die Menschenrechte zu schützen; dazu braucht er Militär, Polizei und Gerichte. Allerdings darf der Staat die Menschenrechte nicht selbst verletzen und muss deshalb Zwangsmaßnahmen vermeiden. Der Objektivismus verlangt also nach einer freiheitlich-demokratischen Regierungsform (genau genommen: nach dem libertären Minimalstaat). Im Bereich der Wirtschaft müssen ebenfalls die Menschenrechte erfüllt werden. Das verlangt nach freiwilligen Transaktionen ohne Zwang, also Vertragsfreiheit. Die Prinzipien Leben und Arbeit verlangen das Recht auf Privateigentum. Der Staat darf sich nicht in die Wirtschaft einmischen. Demnach ist der Kapitalismus das einzig mögliche Wirtschaftssystem. Wie man sieht, ist der Objektivismus eine Philosophie des gesunden Menschenverstandes bzw. der Vernunft. Der Objektivismus ermöglicht jedem Erfüllung in einem menschenwürdigen Leben. Diese Philosophie ist vollständig, konsistent und nachvollziehbar. Der Autor lässt immer Zitate anderer Philosophen (z. B. Plato, Aristoteles, Kant) einfließen und zeigt dann, wo diese sich geirrt haben. (Erfundene) Streitgespräche tragen dazu bei, die Unterschiede zwischen den Philosophien zu begreifen. Das Buch ist logisch aufgebaut und einfach zu verstehen (was bei einem Buch über Philosophie angenehm überrascht). Ich kann das Buch jedem empfehlen, der etwas über Philosophie (Grundlagen, Geschichte, Objektivismus) erfahren möchte. Mir hat es sehr geholfen, die Konkurrenz zum Objektivismus besser zu verstehen.
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