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42 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Hochinteressante Übersicht über die Hintergründe des Nahostkonflikts, 10. Januar 2009
Die Darstellungen des Nahostkonflikts, wie man sie aus den deutschen Medien kennt, vermitteln im wesentlichen das Bild eines durch blinden Haß geprägten Gegeneinanders zweier Parteien, die beide teils Recht, teils Unrecht, aber auf jeden Fall kein Interesse an einer vernünftigen und gerechten Lösung ihrer Interessensdivergenzen haben. Nicht selten jedoch (und insbesondere von als links geltenden Organen) werden zunehmend die Israelis als hochgerüsteter Aggressor dem notleidenden, vom Flüchtlingselend gepeinigten Volk der Palästinenser, welches diese mit seltsamer Grausamkeit auch noch aus den letzten ihm verbliebenen Enklaven wegzubomben versucht, gar die "Endlösung der Palästinenserfrage" anstrebt, gegenübergestellt.
Tarachs Buch untersucht diese gängigen Klischees und bietet einen aufschlußreichen Überblick über die tatsächliche Konstellation. Er widmet die ersten Kapitel der historischen Kontinuität und Kongruenz des Antisemitismus von Christentum, Nationalsozialismus und Islam sowie der engen Zusammenarbeit ihrer Vertreter, wobei im Mittelpunkt der reaktionäre ehemalige Großmufti von Jerusalem, Amin El-Husseini, steht, der als geistiger Begründer und erster Führer der "palästinensischen Befreiungsbewegung" gelten kann.
Im Folgenden untersucht der Autor, ausgehend von der Unabhängigkeitserklärung Israels 1948 und nach dem entsprechenden Un-Beschluß vom November 1947, das Verhältnis Israels zu seinen Nachbarstaaten, zur PLO aber auch das zur Sowjetunion und nicht zuletzt zu den USA und vice versa.
Auch wenn man dem streitbaren (und offenbar eher links stehenden) Autor nicht in jedem Punkt folgt, so wird man die Genese und aktuelle Konfrontation im Nahen Osten nach der Lektüre des Buches von Tarach mit anderen Augen sehen: Ob es um die (vor allem von der Sowjetunion unterstützten) Gründung Israels geht, um die verblüffenden Sonderregelungen der UN für Palästinensische Flüchtlinge, deren Flüchtlingsstatus (weltweit einzigartig!) erblich ist, oder ob es um öffentlichkeitswirksam und weltweit durch die Nachrichtendienste verbreitete Bilder angeblicher palästinensischer Opfer israelischer Sicherheitskräfte geht, die sich bei näherer Recherche zuweilen als von palästinensischen Moslems halb zu Tode geprügelte jüdische Studenten entpuppen.
Aber auch das zweierlei Maß, mit dem israelische Militäraktionen gegeißelt werden, während den führenden palästinensischen Gruppen das Niederbrennen jüdischer Synagogen (z.B. nach dem Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen und Teilen der Westbank) oder die in den letzten Jahren fast täglichen Angriffe auf Israel, sei es durch Raketen der Hisbollah, der Hamas oder die zahlreichen Selbstmordattentate gegen israelische Staatsbürger, nicht selten verständnisvoll kommentiert oder gar als Quasi-Menschenrecht zugestanden werden, dies zweierlei Maß, welches Tarach an zahlreichen, ziemlich heftigen Beispielen belegt, stimmt nach der Lektüre dieses Buches nachdenklich: Was ist uns da eigentlich von den Medien erzählt worden?
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tarach redet Tacheles!, 1. Februar 2009
Ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen, auch wenn das Thema Nahostkonflikt ein ernstes und auch trauriges ist. Tilman Tarach liefert profundes Hintergrundwissen zu dem ewigen Konflikt und auch zu den typischen Argumenten, wie sie immer wieder auftauchen. Dabei argumentiert er mit viel Witz und für meinen Geschmack solider, eleganter und leichtfüßiger als beispielsweise Dershowitz. Manchmal kommen ironisch-polemische Bemerkungen, doch Tarach weicht Sachargumenten nie aus.
Das Buch sollte Pflichtlektüre für jeden Sympathisant der "Linkspartei" sein, aber es ist in Wahrheit auch für jeden geeignet, der die Motivlage und die inneren Zusammenhänge des Nahostkonfliktes verstehen will. Es ist angenehm zu lesen, und die Tatsache, daß die (zahlreichen!) Quellen nicht als Endnoten auf den letzten Seiten zu finden sind, sondern als Fußnoten da, wo sie hingehören, erleichtert das Lesen zusätzlich.
Elke Hartmann
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Authentizität, Sorgfalt und Klarheit, 9. November 2009
Eigentlich wäre man beinahe geneigt zu sagen, Tilman Tarach, promovierter Jurist aus Freiburg im Breisgau, habe mit seinem Buch "Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die »Protokolle der Weisen von Zion« und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt" Neuland betreten, denn nur wenige Autoren haben sich bisher der schwierigen Aufgabe gestellt, [...] eines der besten deutschsprachigen Bücher zum Thema Judentum, Antisemitismus, Israel und arabisch-israelischer Konflikt zu schreiben, wie Aviv Shir-On, stellvertretender Generaldirektor für Medien und Öffentlichkeitsarbeit im israelischen Außenministerium, treffend festgestellt hat.
Sich mit einer derartigen Herausforderung zu befassen erfordert mehr als die Inangriffnahme und Überwindung des berühmt-berüchtigten ersten leeren Blattes. Was bei der Lektüre des Buches schon nach wenigen Seiten auffällt ist die immense Sorgfalt und Präzision, mit der Tilman Tarach zu Werke geht, dazu seine instinktsichere Verknüpfung und situative Zusammenführung der historischen Dimension des Antisemitismus speziell in Nahost mit der persönlichen Verstricktheit der Protagonisten.
Exemplarisch sichtbar und konkretisiert wird dies u.a. in der Schilderung der Person des Großmuftis von Jerusalem, Amin el-Hussein, und dessen enger Verbindung zur NS-Führung, seiner Spiegelung des originär islamischen Judenhasses in der nationalsozialistischen Entsprechung und ihrer beider Übereinstimmung im eliminatorischen Antisemitismus. Und hier kommt ein Alleinstellungsmerkmal Tarachs zur Geltung, das nur wenige seiner Kollegen bieten können, nämlich seine überaus kundige und vor allen Dingen gewissenhafte Quellenarbeit.
Sehr überzeugend auch, wie der Autor am Beispiel der Dämonisierung Israels durch die UNO, vieler ihrer Mitgliedstaaten und Unterorganisationen sowie des dubiosen UN-Menschenrechtsrates und des speziell für die Palästinenser installierten UNRWA im Detail aufzeigt, was schon der SPIEGEL-Autor und Publizist Henryk M. Broder in zwingender Klarheit ausgesprochen hatte - nämlich die Projektion des verfolgten einzelnen Juden der NS-Zeit auf die Delegitimierung des jüdischen Staates Israel als Jude unter den Nationen und der Antizionismus als "legitime"Entsprechung des Antisemitismus heute - und nur deshalb weniger verdächtig und salonfähig, weil er meist im Gewande des linken Kulturrelativismus und dialektischen Marxismus daherkommt.
Ein Gegenstand spielt dabei eine zentrale Rolle, der im Zeitalter alltäglicher Medienpräsenz zunehmend an Bedeutung gewinnt: die Vermengung von linker Sozialromantik mit ihrem neuen Gegenstand der Begierde, nachdem das Lumpenproletariat in der westlichen Welt nicht mehr existiert - nämlich der "entrechteten" und "verfolgten" arabischen Nation und ihrer fanatischen Apologeten. Wie kann man linken Antisemitismus besser kaschieren als mit dem hybriden Anspruch auf den Alleinvertretungsanspruch auf das Soziale und Gerechte, wenn man es am Beispiel der angeblich von Israel unterdrückten Palästinenser demonstriert?
An dieser Stelle zeigt sich übrigens, dass eine mir bekannte Rezensentin wohl einer Fehleinschätzung aufsitzt, wenn sie Tarachs sachlich völlig zutreffenden Hinweis darauf, dass die USA dem jungen jüdischen Staat keine Unterstützung zukommen ließ und z.B. bei der förmlichen Anerkennung Israels der Sowjetunion den Vortritt ließ, ja selbst 1948 Israel in seinem ersten großen Überlebenskampf anfangs in keiner Weise beistand, indirekt als sozialistische Romantisierung der Gründungsphase Israels interpretiert. Tilman Tarach hat dieser Unschärfe entgegengewirkt, indem er klar darauf hinwies, dass die Sowjetunion allein aus praktischem Selbstzweck handelte. Auch hat er die systemimmanenten Ursachen bei den Linken richtig benannt (siehe mein Hinweis im Absatz oben).
Oft verkannt oder unter den Teppich gekehrt wird auch die Tatsache, dass literarische Scheußlichkeiten wie Die Protokolle der Weisen von Zion quer durch alle politischen Reihen und Bevölkerungsschichten einen ungebremsten Zuspruch erfahren. Der Autor geht dieser Frage intensiv nach, und spätestens hier muss sich dem (lernbereiten) Leser erschließen, warum Ultralinke, Nazis und radikale Muslime trotz vordergründiger Unterschiede eine unverrückbare Konstante in der gemeinsamen Schnittmenge "Judenhass" finden.
Von dieser Überlegung ausgehend führt Tarachs Analyse zur Berichterstattung der Medien im aktuellen "Palästina"-Konflikt und einer geradezu ins Groteske verdrehten Journalistenethik, die im Übereifer eines sozialistischen Helfersyndroms Ursache und Wirkung schamlos verdreht und Israel, den einzigen demokratischen Staat in Nahost, nahezu täglich zum Täter abstempelt.
Tilman Tarachs Buch deckt schonungslos Fakten auf (auch was "fromme" christliche Verfehlungen betrifft), und seine Sprache mag bei dem einen oder anderen um etwas mehr emotionale Zurückhaltung bemühten Zeitgenossen vielleicht ein wenig Stirnrunzeln auslösen. Aber das ist bei diesem Buch allenfalls sekundär und meines Erachtens sogar geboten. Der Autor ist ehrlich, überzeugend und geradlinig. Wer Probleme mit der semantischen Etikette hat, sollte sich mit der Süddeutsche Zeitung begnügen. Das Problem dabei ist nur, dass er dort oder bei anderen "Qualitätsblättern" selten reinen Wein zum islamischen oder linken Antisemitismus eingeschenkt bekommt.
"Israelfreunden", die Kritik an israelischen Regierungsentscheidungen mit versteckter Leugnung der Existenzberechtigung des jüdischen Staates verwechseln, ist bei der Lektüre zu wünschen, dass sie neue Einsichten gewinnen und vorherige Fehlschlüsse korrigieren. Für aufrichtige Sucher wird Tilman Tarachs Buch selbstredend ein Gewinn sein.
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