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77 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Augen öffnend, bereichernd, 17. Juni 2006
Es gibt Themen, für die sich ein Mensch einmal im Leben Zeit nehmen sollte, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Antisemitismus gehört mit Sicherheit zu diesen Themenkreis und das Buch von Broder gibt eine gute, herausfordernde Übersicht über die Problematik.
Broder hält sich dabei nicht mit den unterschiedlichen Ausprägungen und Wandlungen auf, die der Antisemitismus im Laufe der Geschichte erfahren hat. Sein Buch will vielmehr das Wesen, die Erkennungsmerkmale des antisemitischen Lebensgefühls herausarbeiten und seine gegenwärtig vorherrschende Erscheinungsform bloßstellen.
Hauptanliegen des Buches ist es, aufzuzeigen, dass Antisemitismus nach Auschwitz eben nicht unmöglich geworden ist, sondern sich eine neue, salonfähige Ausdrucksform verschafft hat. An die Stelle der Verfolgung, Drangsalierung und Ermordung des jüdischen Nachbarn um die Ecke ist eine groteske Dauerkritik an Israel getreten (mit selbem Endziel???), die verblüffenderweise denselben Regeln gehorcht, die in allen Zeiten das antisemitische Lebensgefühl beherrscht und ausgemacht haben.
Dies weist Broder nicht nur politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen in Deutschland nach (man lese und staune welchen!), sondern auch der Politik der (in der UN vertretenen) internationalen Staatengemeinschaft. (Wer den Wandel des vor-Auschwitz'schen Antisemitismus zum modernen Antizionismus auch geschichtlich-politisch nachvollziehen möchte, sollte sich unbedingt zusätzlich "Djihad und Judenhaß" von Matthias Küntzel durchlesen.)
Zweck des Buches ist es dabei nicht, Israels Politik zu legitimieren. Der Nahost-Konflikt ist gar nicht Thema des Buches. (Ein gutes Buch zum Nahostkonflikt wäre z.B. "Plädoyer für Israel" von Dershowitz.)
Ein ganz großes Plus des Buches ist sein kurzweiliger Stil. Mit viel Ironie und Witz entkleidet Broder immer wieder die Argumente der Antisemiten soweit, bis das Gedankengerüst, das ihre Position tragen sollte, dem Leser klar vor Augen steht - und in Stücke fällt, weil augenscheinlich wird, das die Position logisch-rational nicht haltbar ist und ganz offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird.
Alles in allem ein interessant geschriebenes Buch von einem kompetenten und scharfsichtigen Autor über eines der zeitgemäßesten Themen unseres Tages.
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31 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Titel, Thesen.....und viel mehr!, 30. November 2006
Hach! Ich kenne und liebe dieses Buch seit über 20 Jahren; habe es schon in den 80gern gekauft. Lea Fleischmann schrieb damals über Deutschland: "Dies ist nicht mein Land". Henryk M. Broder sah die Dinge wesentlich differenzierter. Polemisch und manchmal auch bitter, ja. Aber er sah auch seine eigene "Paranoia" und die "der Deutschen". Er thematisierte, und ich glaube, da war er einer der ersten, diese gewisse "Arroganz der WiedergutmacherInnen". Er drückte das in einem der (allesamt) absolut genialen Kapitel-Titel des Buches so aus: "Der Boden der deutschen Geschichte reicht bis Palästina". "Der ewige Antisemit" ist, aus meiner Sicht, ein sehr gutes, ein heilsames, unterhaltsames, durchaus polemisches und auch selbstkritisches Buch. Trotzdem und gerade deshalb ist da ein Augenzwinkern zu spüren, welches mir die Lektüre immer wieder zum Vergnügen macht. Broder ist ein wunderbarer Autor; er spielt virtuos mit Titeln und Wörtern und fordert so die LeserInnen heraus, sich selbst Gedanken über das Thema zu machen. Fünf Sterne für dieses wichtige und gelungene Buch!
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72 von 101 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
intelligente Analyse und hervorragende Kompilation, 14. August 2005
Broder stellt in diesem intelligenten und hervorragend geschriebenen Buch den Antisemitismus in seinen vielfältigen Erscheinungsformen dar, wobei sich die Belege auf die letzten 300 Jahre konzentrieren. Er betrachtet die verschiedenen Aspekte aus ebenso verschiedenen Perspektiven, räumt spielend mit den dämlichsten Mythen in Bezug auf Israel auf und demonstriert, daß das Bedürfnis nach geschlossenen Weltbildern und der Antisemitismus Hand in Hand gehen. Die Klasse des Autors zeigt sich auch darin, daß Zusammenhänge nicht übermäßig vereinfacht werden, das Buch aber dennoch ab der 10. Klasse ohne weiteres gelesen werden kann. Ein Pamphlet ist es nur der literarischen Gattung nach.Übrigens bescheinigt er Israel im Umgang mit den Palästinensern keine weiße Weste. Der Nahost-Konflikt ist allerdings auch nicht Thema des Buches, er muß es auch nicht sein. Broder weist aber nach, daß syrische Massenmorde an Palästinensern als legitimer Freiheitskampf betrachtet werden, hingegen - überspitzt - jede Regung Israels als Völkermord gebrandmarkt wird. Diverse Farcen in den UN zu beschreiben ist auch mehr als angebracht. Wer als Antisemit selektiv wahrnimmt und jeden Juden zu "Wohlverhalten" drängen will, sollte noch einmal genau nachdenken.
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