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83 von 101 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein lange verdrängtes Kapitel israelischer Geschichte sichtbar gemacht, 21. Oktober 2007
Es gibt Bücher, die unsere Buchhandlungen nicht im Sortiment vorhalten. Handelt es sich um ausländische Neuerscheinungen, ist eine der gängigsten Begründungen, daß die Titel möglicherweise nicht ins Deutsche übertragen wurden. Das 1992 in New York erschienene Buch "Profits of War. Inside the Secret U.S.-Israeli Arms Network" des ehemaligen israelischen Geheimdienstoffiziers Ari Ben-Menashe gehört ebenso dazu, wie die im Jahr 1995 erschienene Veröffentlichung von HRH General Khaled Bin Sultan "Desert Warrior. A Personal View of the Gulf War by the Joint Forces Commander", jenes saudi-arabischen Generals, der neben dem hinlänglich bekannten US-General Norman Schwarzkopf ein "parallel command" im Zweiten Golfkrieg 1991 innehatte.
Bei näherem Hinsehen könnte neben der fehlenden deutschen Übersetzung jedoch auch noch ein anderer Grund dafür in Frage kommen, nämlich, daß der Inhalt dieser Bücher sich nicht für eine Diskussion in unserem Lande eignet! Denn wer möchte schon darüber nachlesen, daß Israel dem Iran, der das Land heute mit seiner Vernichtung bedroht, in seinem Krieg gegen den Irak von 1980 bis 1988 mit Waffen beliefert hat? Und wen interessiert schon, daß die arabischen Staaten für die Befreiung Kuwaits ihre Streitkräfte kaum dem Kommando eines amerikanischen Generals unterstellt hätten.
Das bereits im Jahr 2006 in Oxford/ England erschienene Buch von Ilan Pappe "The Ethnic Cleansing of Palestine" gehört seit neuestem nicht mehr zu dieser Kategorie: unter dem Titel "Die ethnische Säuberung Palästinas" liegt es dankenswerterweise inzwischen auch in deutscher Übersetzung vor, so daß sich auch jene intensiver mit der Materie auseinandersetzen können, denen wegen mangelnder Sprachkenntnisse das englische Original bisher verschlossen blieb.
In ihm beschreibt der israelische Historiker und Professor für Politische Wissenschaften der Universität Haifa den Krieg 1948 zwischen dem gerade erst gegründeten Staat Israel und Palästina. Während dieser Krieg in der israelischen Wahrnehmung als "Unabhängigkeitskrieg" bezeichnet wird, rückt Pappe die massenhafte und von der israelischen Armee mit brutaler Gewalt vorangetriebene Vertreibung der Palästinenser in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Die ethnische Säuberung großer Teile Palästinas, so Pappe, sei von Anfang an eine sorfältig vorbereitete Strategie gewesen und stelle heute eine der Wurzeln des andauernden Konflikts im Nahen Osten dar. Vor allem räumt Pappe auf mit dem Mythos des 'voluntary flight' - von der freiwilligen Flucht der Palästinenser aus ihrer Heimat - der heute immer noch weitgehend durch die Argumentation geistert. Tatsache sei vielmehr, daß an die 1 Mio. Palästinenser unter Anwendung von Gewalt gezwungen worden seien, ihre Häuser und Dörfer zu verlassen. Dieser Vorgang, der teilweise unter den Augen von UN-Beobachtern, einer offenbar sich kaum darum kümmernden britischen Mandatsmacht und einer im allgemeinen indifferenten Weltpresse stattfand, habe, so der Autor, zu einer der größten Massenvertreibungen der neueren Geschichte geführt. Detailliert und kenntnisreich beschreibt er die Vorgänge der damaligen Zeit. Er stützt sich dabei, nicht wie etwa andere Historiker, nur auf israelische Quellen, sondern begibt sich selbst an die Orte des Geschehens, rekonstruiert die Überfälle der israelischen Armee und befragt überlebende Zeitzeugen. Pappe selbst sagt, mit seinem Buch habe er zweierlei untersuchen wollen, zum einen, wie 1948 bei der ethnischen Säuberung vorgegangen wurde, und zum andern, die Art und Weise, wie diese anschließend in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden sei. Die nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs allenthalben voherrschende Gleichgültigkeit sowie die auffällige Zurückhaltung jeglicher Kritik gegenüber dem jüdischen Staat nur drei Jahre nach dem Holocaust, habe der Welt erlaubt, den Vorgang schlichtweg zu verdrängen und so die Verantwortlichen in die komfortable Lage versetzt, das Verbrechen, das die zionistische Bewegung 1948 an dem palästinensischen Volk begangen habe, einfach abzustreiten.
Wer immer sich mit dem Problem 'Naher Osten' und den Befindlichkeiten der sich nahezu unversöhnlich gegenüberstehenden Parteien befaßt, und wer vor allem nach Erklärungen für das heutige Verhalten der Palästinenser sucht, für den ist Ilan Pappes Buch ein absolutes Muß!
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43 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es wurde Zeit..., 19. Februar 2008
Durch Zufall stieß ich auf einen Artikel eines Herrn H.M.Broder ,in dem dieser mit den übelsten Beschimpfungen gegen den Autor zu Felde zog.Hetztiraden gegen Moslems,speziell Palästinenser, sind ja nun schon Massenware.Deshalb erstaunte es mich,das Herr Broder gegen einen israelischen Historiker zu Felde zog.Dabei aber kein Wort zum Inhalt des Buches verlor.Das machte mich neugierig.Nach dem lesen wusste ich,warum...
und warum man Ilan Pappe in Israel terrorisierte,so dass dieser Asyl in Grosßbritanien suchte.Wer sich für die Geschichte des Nahost-Konfliktes interessiert,kommt an diesem Buch nicht vorbei.Gut dass es ein israelischer Historiker war,der dieses buch schrieb;jedem anderen hätte man Antisemitismus unterstellt,um von den unbequemen Wahrheiten abzulenken!
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein hervorragendes Werk!, 4. August 2008
Seit langem beobachte ich, wie Israel das Flüchtlingsproblem der Palästinenser beinhart ignoriert und zugleich seine Siedlungspolitik unbeugsam vorantreibt. Das hat mein Bedürfnis nach detaillierter Information über die historischen Wurzeln dieser Tatsachen geweckt. Die ebenso heftigen wie argumentationsschwachen Angriffe von Broder und anderen gegen Pappe haben mich zusätzlich neugierig gemacht.
Jetzt habe ich das Buch fast ausgelesen und meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen.
Der wissenschaftliche Apparat erscheint mir absolut solide. Die schrittweise Ausformung und schließlich immer aggresivere Durchsetzung der Verteibunsgpolitik, ausgehend von zionistischen Grundorientierungen und Leitlinien wird umfassend durch Quellen belegt. Die Rolle Ben Gurions wird dabei besonders herausgearbeitet, auch seine Taktik bei der propagandistischen Absicherung des verbrecherischen, menschenverachtenden Vorgehens.
Man spürt, daß der Autor seinen Gegenstand nicht nur rational durchdrungen hat, sondern auch mit Herzblut schreibt. Neben den "großen Ereignissen" der Königsebene finden auch Details und Einzelschicksale ihren Platz.
Das Buch wird, meine ich, seinem Thema voll und ganz gerecht. Keinen Mangel, eher eine Stärke sehe ich darin, daß es neue Fragen auslöst:
Was genau machte diesen historischen Moment aus, in dem diese Katastrophe der Palästinenser fast unbemerkt geschehen konnte?
Welche Rolle haben besonders die verschiedenen sozialistischen und kommunistischen Kräfte gespielt?
Wie im Einzelnen hängt die Judenvernichtung des deutschen Faschismus mit der Gründung Israels zusammen?
Gibt es nicht eine (indirekte) Verantwortung der Deutschen für das Schicksal der Palästinenser?
Pappes Buch hat bei mir neue Lesebedürfnisse geweckt. Sicher werde ich bald auch "Die Geburt Israels. Mythos und Wirklichkeit" von Simcha Flapan lesen.
Übrigens äußere ich mich auf meinem Blog "www.opablog.twoday.net" noch ausführlicher zu dem Buch von Ilan Pappe.
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