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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine der schönsten Autobiographien überhaupt, 2. März 2008
Der Rezensent hat "Der erste Mensch" im Jahr des Erscheinens 1994 gelesen. Es handelt sich um Camus' Autobiographie, aus dem Nachlass, 34 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1960, herausgegeben. - Das Ganze wie eine Art großes Fragment, unvollendet, und doch oder gerade deswegen so faszinierend.
Ich bin ein ausgesprochener Camus - Anhänger, seit meiner Jugend, als die französischen Existentialisten, allen voran Sartre, in politische Diskussionen eingriffen, Politik machten, humanitäre Ideale verfolgten.
"Der erste Mensch" handelt von Camus' Kindheit und Jugend, in Algier, da wo die Armut zu Hause war, wo sich das Leben als ein alltäglicher Überlebenskampf entpuppte, wo man besser nicht zuviele Hoffnungen in die Zukunft hegte.
Camus ist der "erste Mensch", dem es gelang, irgendwann dieser Armut zu entkommen, seine Lebenspläne in Angriff zu nehmen. - Die Welt, die dieser Autor mit einer ungemeinen Sprachgewalt und - beherrschung beschreibt, darstellt und analysiert, um sie dem Leser nahe zu bringen, wirkt wie eine fremde Welt, mit der wir im 21. Jahrhundert vielleicht nicht mehr so viel anfangen können.
Man sollte dieses Buch dennoch oder auch deswegen lesen. Auf einer höheren Ebene erweist es sich auch als eine Metapher: für die Möglichkeiten, die ein junger Mensch dennoch nutzen kann, für die schönen Momente einer so traurig wirkenden Kindheit, für den Selbstbehauptungswillen. - Ein hochphilosophisches Buch, das allein schon durch seine Sprache besticht!
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fasziniernde Autobiographie, 12. Dezember 1999
Von Ein Kunde
In dieser Autobiographie schildert Camus seine ersten Jahre in Algier. Er erzaehlt von der Armut und Vielfalt in den Strassen Algiers, von den Gedanken und Hoffnungen der aermeren Menschen dort. Vor allem aber erzaehlt er, wie schwer es fuer einen intelligenten und begabten jungen Menschen ist, Bildung zu bekommen und aus den armen Gassen der Stadt auszubrechen. Auch die Beschreibung seiner Familie und des Miteinanders in der Familie sind faszinierend. Er schildert Lebensumstaende, die den meisten seiner Leser (zumindest heutzutage)vermutlich total fremd und unbegreiflich erscheinen. Der Stil ist sehr angenehm, Camus erzaehlt und laesst Bilder mit einer Deutlichkeit entstehen , die mich immer wieder fasziniert. Das ploetzliche Ende des Buches,bedingt durch den fruehen Tod Camus' tut der Schoenheit des Buches keinen Abbruch. Es ist schade, das es so frueh endet, denn man moechte wissen, wie er sein Leben weiter beschrieben haette, aber die Beschreibung der Kindheit und Jugend alleine ist lesenswert genug. Was diese Ausgabe des "Ersten Menschen" besonders interessant macht, sind die Randbemerkungen Camus. Der Herausgeber hat das Exemplar als Vorlage genommen, das Camus dabei hatte, als er einen toedlichen Unfall hatte. Man bekommt so einen viel aktiveren Eindruck vom Schaffensprozess des Autors, sieht, welche Woerter er als Alternativen gedacht hat, welche Stellen er noch einmal besonders ueberdenken wollte. Dieses Buch ist sowieso allen zu empfehlen, aber besonders denen, die gerne Camus lesen, denn es macht Spass und ist sehr interessant, sich Camus als Jungen vorzustellen, der um seine Bildung kaempfen muss. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Mektoub" - Arabisch: "Es stand geschrieben im Schicksal" (Camus), 4. Januar 2010
"Wir lassen nie vom Suchen ab, und doch, / am Ende unseres Suchens, sind wir
am Ausgangspunkt zurück und werden diesen Ort / zum ersten Mal erfassen."
(T.S. Eliot)
Heute, am 4. Januar 2010 jährt sich der Autounfall des Albert Camus' zum 50sten Mal. Jener Tag im Jahre 1960 war zugleich sein Todestag, gestorben auf einer Landstraße in Frankreich, dabei ein Manuskript einer besonderen Biographie. Sein Leben unter dem Aspekt der Menschwerdung. Der Ursprungstitel: Adam. Nun: Der erste Mensch; erschienen 1994 aus der ersten Handschrift ohne Änderungen.
Wenn man Camus fragte, wie der Rezensent vor kurzem in "DIE ZEIT" las, was die zehn wichtigsten Worte für ihn sind, dann bekommt man diese seine berühmte Antwort: die Welt, der Schmerz, die Erde, die Menschen, die Mutter, die Wüste, die Ehre, das Elend und die Sonne, das Meer. Dem Schicksal mit Verachtung zu entfliehen, so sein Mythos des Sisyphos, den Tod als glücklich zu empfinden, - natürlich und bewusst - ist Thema im Essay: Der glückliche Tod. Weiterhin: Der Fremde, Die Pest - diese herausragenden Stücke in seinem Schaffen sind die Hinführung zum Menschen in der Revolte, die nur mit dem letzten Menschen endet. Seine Kleine Prosa mit den berühmten Briefen wie auch seine Tagebücher sind bedeutende Meilensteine auf dem Verständnis seines letzten Werkes, eines Fragmentes mit - wie der Rezensent hervorhebt - bedeutender Wirkung und Relevanz in der Betrachtung des Lebens von Albert Camus (1913-1960) zwischen dem Ich und dem Wir und dem Menschen in seiner brüchigen Existenz an sich.
Sonne und Meer, dieses "mittelmeerische Denken" macht ihn zu einem Menschen, der die hohe intellektuelle Größe Sartres nur in der Beschreibung des Einfachen und Einsamen überwinden konnte und so nicht nur Begleiter der Denker allein wurde, sondern eben auch ein "Zeitgenosse unserer Träume" (Radisch). Seine Biographie umfasst im gespiegelten Protagonisten Camus' familiäre Herkunft, Freunde, Sand, Meer, Sonne, sein Verhältnis zur Mutter, das besondere und notwendige Schweigen und die notwendig gelebte Einfachheit, alles in einer bestechenden, sprachlich wunderschönen Betrachtung des Lebens. Eines Lebens, welches beginnt mit einer Rückbesinnung im Zeichen des Todes, nämlich am Grab seines Vaters, der im Jahre 1914 im Kriege fiel, Camus selbst gerade mal ein Jahr alt und ohne jede Erinnerung an den Erzeuger.
"Es wird ein Junge. Möge er schön sein!" So der Wunsch der Mutter im Zuge der letzten Stunden vor der Geburt. Eine wehmütig sorgende Herzlichkeit, die mit der Geburt zum Wegweiser Camus' wurde, die ihn sich erinnernd vor dem Grab seines Vaters und dem Gespräch mit seinem Freund aus der Gleichgültigkeit des Lebens herausreißen konnte in eine neue Betrachtung. Weg von den "konventionellen Gesten" in ein "Wissen, um zu sein, ein einziges Mal, eine einzige Sekunde, aber für immer". Augenblick und Ewigkeit verschmelzen in der Entscheidung, als Vierzigjähriger hinaus- und zurückzugehen an den Anfang, ein letztes Finden am Beginn, um alles neu zu erfassen. Zu finden, wer der Mann im Grabe gewesen war.
"In mir ist eine furchtbare Leere, eine Gleichgültigkeit, die nur noch weh tut ..." Camus tritt hier aus dem Absurden aus und vereinigt sich mit dem was war, er tritt gedanklich und erinnernd ein in eine erneute Jugend, in "ein von der Tragödie noch unberührtes Leben" (Whitehead) und entdeckt doch in dem familiären "Königreich des Elends" eine freie Schwerelosigkeit am Strand, in der Sonne, im Meer. Ihn formt der Respekt zur Mutter, zur Großmutter; ihn formt die klare Beziehung und Vertrautheit zu Regeln. Strafe und Züchtigung der Großmutter waren akzeptierte Maßnahmen und erträglich nur dort, wo "seine Mutter das Gesicht zu wandte, was er zu sehr liebte".
In einer Zeit, wo "selbst das Überflüssige arm war, weil das Überflüssige nicht benutzt wurde", konnte Camus für sich feststellen, dass Armut nicht gewählt wurde, aber sie kann beibehalten werden - oder nicht. In diesem Gedanken steckt die erste Regung eines neuen selbst bestimmten Lebens, um aus der "stummen Resignation" zu entfliehen, sich dem Leben selbst zu stellen. In allem, mit der "gleichen rastlosen Großzügigkeit, mit der sie ihm Gründe zu leben gegeben hatte". Aus der Geborgenheit einer liebenden Mutter, einer strengen, doch zukunftsorientierten Großmutter und einem Lehrer, der das Potential eines guten Schülers erkennt und in Bildung retten möchte, entwickelt sich dieser Autor und Philosoph.
Emotionale Stärkung und hohes Vertrauen in diese eigene Zukunft gaben ihm Großmutter und Mutter in einer Landschaft von Sonne und Meer. Camus' Botschaft mit dieser Biographie ist, dass jeder sich selbst und sein Können in den Mittelpunkt der machbaren Zukunft setzen kann, um selbst seine Lebenspläne in Angriff zu nehmen. Diese Lebensplanung wird vorausgesetzt, diesem Aufbruch aus der eigenen wie immer gearteten Existenz im kulturellen Unbehagen gibt Camus als "erster Mensch" eben personifiziertes Beispiel. Beispiel gibt er in einer Sprache, "die uns ein Element ist, in der wir leben und das unser Denken umhüllt. Sie bleibt für uns alle ein letztes Zuhausesein, ein Unvordenkliches, das eine entfremdete Welt, die alles auf das Machbare allein anzusehen gewohnt ist, uns gelassen hat, und dieses ist die ganze Welt noch einmal, - von innen" (Gadamer). Camus' Weg der Rückbesinnung wirkt im Sinne T.S. Eliots wie eine Vita a priori. Sein gelebtes Leben wird durch diese Reflexion als Wiederkehr abgestimmt zwischen faktischem Inhalt und dem familien-geschichtlichen Schemata.
"Ich habe nie vermocht, auf das Licht zu verzichten, das Glück des Seins, das freie Leben, in dem ich aufgewachsen bin", sagt Camus in der Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises am 10. Dez. 1957. Er sagt auch, dass seine Kunst Mittel ist, "die größtmögliche Zahl von Menschen anzurühren", ihnen Lebensnahrung zu geben, sei Aufgabe des Künstlers, in dem er seine Ähnlichkeit bekenne. Und in den letzten Tagebüchern von 1959 bekennt er: " [...] ich war fähig, [...] getreulich das Beste meiner selbst zu bewahren." Nichts anderes - und sehr lesenswert - erfahren Sie im letzten Werk. (Neuauflage in 2010)
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