Was für eine erstaunliche Geschichte! Der Titel ist in diesem Fall wirklich einmal Programm. Die Geschichte des Max Tivoli, Sohn einer Frau aus gutem Hause und eines dänischen Aus- beziehungsweise Einwanderers, je nach Perspektive.
Max Tivoli, der, alt geboren, im Laufe seines Lebens immer jünger wird. Und es ist die Geschichte einer Liebe, die Liebe Max Tivolis zu Alice, die er als siebzehnjähriger älterer Herr kennen lernt, sie vierzehn. Alice, die Anfang dreißig und Witwe ist, als Max sie mit Mitte dreißig, in der Blüte seines Lebens, wieder trifft, sich verstellt, die Identität wechselt, um sie in der Folge zu heiraten. Und später, nachdem die Ehe in die Brüche gehen musste, schließlich wurde Max von Tag zu Tag jünger, seine Gattin aber täglich älter, sucht er sie erneut auf, als elfjähriger Junge, gesegnet mit dem Wissen eines nahezu sechzig Jahre langen Lebens und lässt sich von ihr adoptieren. Wird damit Bruder seines Sohnes, Sohn seiner Mutter.
Klingt verrückt? Sagen wir mal auf den Kopf gestellt. So wie das Leben Max Tivolis eben. Lesenswert aber allemal und unbedingt.
Bleibt die Frage, warum es im deutschen Sprachraum nicht viele Erzähler des Formats eines Andrew Sean Greers gibt. Dafür in der amerikanischen Literatur so viele. Jonathan Franzen, Jeffrey Eugenides, Matt Ruff, Jonathan Lethem, um nur einige wenige zu nennen. (Die immer noch schreibende Generation der Irvings, Roths, Updike, Begleys gar nicht zu nennen.)
Mein Urteil: Lesen! Und sich an einer Geschichte erfreuen, die einem im Gedächtnis haften bleiben wird und die einem den unerfüllbaren Wunsch, jünger werden zu wollen, aus dem Kopf schlägt.