Der bekannte Autor einiger exzellenter Sachbücher ("Das Auge Davids", 1982; "Die letzten Dikatoren", 1991) und Journalist beim "Spiegel" versucht sich - meines Wissens erstmals - in "Wer erschoß Jesus Christus?" als Romancier. Und das ging daneben. An und für sich ist die Story durchaus romanwürdig: Bei den Passionsspielen in Oberammergau wird der Darsteller des Jesus Christus bei der Premiere erschossen. Die Ermittler, das BKA, der BND und die örtliche Polizei, tappen im Dunkeln. Nur der zurückgezogen in Oberammergau lebende Ex-Journalist Richard Renberg weiß wie es langgeht. Zuerst sucht er - mit Unterstützung einer Agentin des Mossad - den Mörder in Brooklyn im Umfeld fundamentalistischer Juden, dann in Kiryat Arba, einer Siedlung radikaler Zionisten nahe Hebron, und zuletzt im Kreis rechtsradikaler Skinheads in Berlin. Doch letzten Endes stellt sich heraus, daß der Täter nirgendwo anders als in Oberammergau selbst zu finden ist. So die sich über 475 Seiten hinziehende Story, die zweifelsohne ohne die langatmigen Schilderungen der Geschichte und des Lebens der fundamentalistischen Juden in Brooklyn/der radikalen Zionisten von Kiryt Arba/der rechtsradikalen Skinheads in Berlin auskommen könnte, was die Spannung des Buches sicher erhöht hätte. Weniger wäre mehr gewesen. Positiv ist zu vermerken, daß man nach Lesen des Buches deutlich mehr über die Passionsspiele in Oberammergau weiß und das Bedürfnis fühlt, sich diese einmal (2010?) anzuschauen.