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erinnerungen an die 90er jahre
 
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erinnerungen an die 90er jahre [Taschenbuch]

Gerald Fiebig
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 150 Seiten
  • Verlag: Yedermann, Riemerling (Dezember 2001)
  • ISBN-10: 3935269161
  • ISBN-13: 978-3935269162
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.208.809 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
„der himmel ist der bildschirmschoner gottes"
Meine Telefonrechnung war immens hoch letztens, weil ich alle möglichen Leute anrief, um ihnen zu sagen, wie verdammt gut und plausibel dieser Satz ist. Er stammt aus Gerald Fiebigs neuem Buch „erinnerungen an die 90er jahre".
Und? Ist dieser Satz etwa fettgedruckt, doppelt unterstrichen oder himmelgroß in Schriftgröße 10 000 im Buch zu finden? Nein! Er steht da als ein wundervoller von vielen wunderbaren Sätzen:
„die vorführerin schenkt dir zum abschied ein / standbild"
Wie viel Zärtlichkeit in diesem Satz liegt; mehr gibt es höchstens noch in einer warmen weichen Hand. Und der Verführer schenkt dir laufend solch standhafte Sätze:
„im rauschen / einer leitung / ohne nummer / singt der abgemeldete / regen sein lied"
Welchen Gesichtsausdruck mag der Herr Fiebig wohl aufgehabt haben, während und nachdem er diesen Satz zu Papier gebracht hat? Fragt mich nicht, er muss wahnsinnig gewesen sein. Wahnsinnig schön.

Anfangs hab ich das Buch nachts eingesperrt, weil ich schlicht und einfach Angst hatte, die monströsen Bilder Fiebigs würden mir die Luft und vielleicht auch noch die Nase wegbeißen, während ich schliefe.
Das Erstaunliche an Gerald Fiebigs Gedichten ist der durch und durch originäre Standpunkt, den der Erzähler einnimmt; das muss ein sehr geheimer Ort sein, noch niemand sonst hat von dort berichtet. Ich wähle den Begriff ‚Erzähler' im übrigen ganz bewusst, denn in diesen manchmal herben und fast immer hochkonzentrierten Texten werden uns oftmals Dinge erzählt, wegen denen das Zählen erst erfunden wurde: zum Luftanhalten. In diesen Sätzen erfährt man viel über sich selbst, weil man mit ihnen nachdenken kann.

Gerald Fiebig schreibt so messerscharf, als käme er aus Solingen. Dabei kommt er aus Augsburg. Das ist die Stadt Bertolt Brechts; und auch die Stadt Roy Blacks. Ganz in weiß kommt Fiebig daher
zum Schlachten.
Er kennt die Worte beim Namen und ich weiß, er mag sie auch - wenn es aber sein muss, dann staucht er sie zusammen wie jeder gute Vater
landsverräter; denn Fiebig schreibt über manche der hiesigen Hässlichkeiten, als käme er selbst aus einem schöneren Land; vielleicht gar von einem anderen Planten, so als sähe er alles „wie stumme bilder vom mond / durch die scheibe [seines] funkstillen raumhelms" („postkarten vom mond").
Da trägt ein anderes Gedicht einen Titel, der in manch einem Band anderer Autoren schon das beste Gedicht wäre: „augenlied, küchenohr". Was für ein schöner Kanon; das kann ich einen Tag und eine Nacht lang in meinem Kopf singen und das Lächeln bleibt.
Der unglaublichste Text des Buches aber ist meiner Meinung nach der, der „besuche" genannt wird. Nimm alle Romane, die du jemals gelesen hast, press die Essenz heraus, lass diese dann durch die Luft schwirren, stell dich darunter und versuch, allein auf der Welt zu sein. Du wirst dich fühlen wie ein Wunder. Oder auch so, als würdest du um halb vier Uhr morgens aufwachen und verkehrt herum im Bett liegen. Oder denk an einen Sonntagnachmittag im Regenfall. Und dann riechst du, als wärst du da draußen gewesen. Dabei sitzt du im Mutterlaib und bereitest dich darauf vor, das Geheimnis des Lebens zu vergessen. Aber jetzt kommst du damit nicht mehr durch, denn Gerald Fiebig hat es aufgeschrieben. „besuche" heißt der Text auf den Seiten 33 bis unendlich. Wenn du die Seite herausreißen und einen Flieger daraus falten würdest, er würde um die ganze Welt fliegen.

Gerald Fiebig selbst war auch viel unterwegs: er war in Portugal, in den Dummköpfen von Werbestrategen, in Trance, in Sorge, in Gefahr, in großer Form. 49 texte sind dabei herausgekommen. Il faut être absolument moderne!

Gerald Fiebig hat ein Buch geschrieben, das „erinnerungen an die 90er jahre heißt" . Mehr konnte er nicht tun. Legionen, macht euch auf!

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