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3.0 von 5 Sternen
DEr Übermut der Ämter, 15. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau (Taschenbuch)
In diesem Buch geht es um die Wohnungspolitik im Zusammenhang mit der im 3. Reich begonnen und glücklicherweise nicht zu Ende geführten Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin. Viele der von Hitler und Speer entworfenen gigantischen Bauten sind uns erspart geblieben, leider sind durch die alliierten Bombenangriffe, durch kommunistischen Hass und durch provinzielle Engstirnigkeit dem Stadtbild Berlins in den folgenden Jahren noch weit mehr irreparable Schäden zugefügt worden als etwa durch den begonnenen Bau des „Runden Platzes" an der Potsdamer Straße .
Das Thema des Buches ist jedoch nicht keine Architekturkritik, sondern die kritische Betrachtung der Rolle, die Speers Bauamt bei der Durchführung seiner Aufgaben gespielt hat, und zwar insbesondere hinsichtlich der Behandlung jüdischer Bewohner Berlins. Die Autorin liegt mit viel Akribie die Übergriffe dieses Amtes und seiner Mitarbeiter dar und die - leider allzu menschliche - Bereitschaft vieler Menschen, von diesen Übergriffen zu profitieren.
Andererseits geht aus der Arbeit von Susanne Willems hervor, wie schwer die deutschen Behörden es sich doch in dieser Sache gemacht haben. Bei aller Willkür gab es immer noch Gesetze, Rechtsmittel, Anwälte, Einsprüche, die irgendwie aus dem Wege geräumt werden mussten, jüdische Bankkonten wurden nicht einfach gesperrt, die Gestapo versuchte, Leuten etwas am Zeuge zu flicken, flog aber bei Gericht raus und musste klein beigeben - für solche Fälle werden hier immer wieder Beispiele angeführt.
Wie solche Handlungen zu interpretieren sind, ist nicht leicht zu sagen. Die Trägheit eines gewachsenen Staatswesens machte sich zugunsten der Betroffenen bemerkbar und sicher haben Beamte versucht, eine Art passiven Widerstand gegen Übergriffe zu leisten. Dass ihnen dies mit dem fortschreitenden Krieg, den steigenden Zerstörungen und der damit einhergehenden Zunahme staatlicher Eingriffe immer schwerer fiel, liegt auf der Hand.
Formal irgendwie unschön in diesem Buch sind Zitate aus Original-Texten, in denen anstößige Wörter wie etwa gelöst, Judenfrage, Endlösung usw. noch zusätzlich hervorgehoben werden; so stand es nicht im Original und der Leser hat das Gefühl, bevormundet zu werden. Ähnliches gilt für Halbzitate, wenn etwa eine Industriefirma Sklavenarbeiter anfordert; auch das stand sicherlich so nicht in dem zu Grunde liegenden Schreiben, und es wird auch nicht kenntlich gemacht, dass dieses Wort von der Vfn. eingesetzt wurde.
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