Günther Wessel hat mit diesem Buch eine sehr gelungene Biographie des Sebastian Münster, eines Humanisten und einer der bedeutendsten Kartographen des 16. Jahrhunderts, geschrieben. Er versucht vor allem anhand alter Quellen das Leben und die Persönlichkeit Sebastian Münsters zu rekonstruieren. Manchmal, wenn die entsprechenden Quellen fehlen, greift der Autor auf Spekulationen zurück, die er jedoch begründet und immer klar als solche kennzeichnet.
Im Vordergrund des Buchs steht der Werdegang Münsters und wie es dazu kam, dass er die berühmte "Cosmographie" schrieb. Gut gelingt Wessel dabei die Verknüpfung zwischen Münsters Leben, geschichtlichen und kulturellen Ereignissen, wie der Reformation oder der Entdeckung Amerikas, und anderen Kartographen/Cosmographen die Münster beeinflusst haben, wie z.B. der Grieche Ptolemei oder Münsters "Vorgänger" Schedel.
Die Cosmographie bildet dann auch den zweiten Schwerpunkt des Buchs. Mit eingeschobenen Kapiteln, die jeweils den Lebensstationen Münsters - mal mehr mal weniger gut - zugeordnet sind, geht Günther Wessel auf verschiedene Aspekte der Cosmographie ein, wie z.B. Menschenbilder von fernen Kontinenten oder Monsterdarstellungen. Gerade diese Aspekte (die ja im Untertitel des Buches "wie man sich vor 500 Jahren die Welt vorstellte" hervorgehoben werden) der Cosmographie waren für mich der interessanteste Teil des Buches. Leider kam dieser etwas zu kurz und tritt etwas hinter den biographischen Teil zurück.
Ein Punkt der dieses Buch besonders auszeichnet sind die zahlreichen Holzschnitte (Karten, Monster, Kanibalen, Stadtansichten, Portraits, etc.), die dem Text beigefügt sind. Diese Holzschnitte (nicht alle sind aus der Cosmographie) sind optimal in den Textzusammenhang eingeordnet und veranschaulichen das Beschriebene sehr gut.
Alles in Allem eine gelungenes Buch, das ich der Kategorie "Verständliche Wissenschaft" zuordnen würde. Sehr zu empfehlen für alle, die sich für Sebastian Münster und dessen Cosmographie im Speziellen und für das Weltbild und die Kartographie des 16. Jahrhunderts im Allgemeinen interessieren.