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Roland Kroemers Buch beschreibt diesen endlosen Knoten' und entwirrt ihn vor dem Hintergrund verschiedener Diskurse aus Soziologie, Psychoanalyse und Philosophie. In detaillierten Textanalysen und breitgestreuten Verweisen auf diverse zeitgenössische Kontexte zeigt die Untersuchung erstmals auf, dass sich die wichtigsten von Musil rezipierten (geistes-)wissenschaftlichen Diskurse in der räumlichen wie personellen Textgestaltung wiederfinden. Der Törleß entpuppt sich als intertextueller und polyphoner Erzähltext, in dem die unterschiedlichsten Weltbilder aufeinandertreffen und um die Vorherrschaft kämpfen.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So macht Literaturwissenschaft Spaß!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ein endloser Knoten? Robert Musils Verwirrungen des Zöglings Törleß im Spiegel soziologischer, psychoanalytischer und philosophischer Diskurse (Taschenbuch)
Ich hatte den Törleß schon einmal in der Schule lesen müssen, konnte damals aber nicht viel mit dem Text anfangen. Nun behandeln wir ihn in einem Germanistik-Seminar. Und gottseidank bin ich bei meinen Recherchen bald auf Roland Kroemers Buch gestoßen. Ich habe mittlerweile einige Interpretationen zum Törleß gelesen, aber dieses Buch ist m.E. das interessanteste!Nachdem ich Den endlosen Knoten gelesen habe - was eine Freude war, denn der Text ist sehr lebendig und verständlich geschrieben, gleicht an vielen Stellen eher einem spannenden Essay als einem knochentrockenen wissenschaftlichen Text -, glaube ich, Musils Roman um einiges besser zu verstehen. Roland Kroemer gelingt es, darzustellen, was es mit den Verwirrungen des Protagonisten auf sich hat. Dabei zeigt er unter anderem auf, dass sich im Roman verschiedene philosophische Strömungen eingeschrieben haben, mit denen sich Musil zur Zeit der Niederschrift des Romans beschäftigt hat. In einem Schaubild wird ungefähr in der Mitte des Buches dargestellt, inwiefern sich diese philosophischen Strömungen in der räumlichen und personellen Struktur des Romans widerspiegeln. So lernt man ganz nebenbei eine Menge über die Philosophie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Emerson, Maeterlinck, Mach, Husserl, Nietzsche u.a.) und über Freuds Psychoanalyse und kann Schritt für Schritt nachvollziehen, wie sich diese Diskurse in einen literarischen Text eingeschrieben haben. Aus der Perspektive dieser philosophischen und psychoanalytischen Diskurse wird Musils Roman schließlich analysiert und interpretiert. Damit aber nicht genug. In der Untersuchung werden Törleß' Verwirrungen auch aus der Perspektive soziologischer Diskurse interpretiert: Roland Kroemer wählt zum einen den Ansatz der phänomenologischen Soziologie (Schütz, Berger, Luckmann), zum anderen den systemtheoretischen Ansatz. Vor allem Letzteres, also ein Blick auf den Roman aus der Perspektive Niklas Luhmann, ist überaus interessant und führt zu Einsichten (etwa über die imaginären Zahlen), die in der Forschungsliteratur zum Törleß m.W. vollkommen neu sind. In einem Satz: Wer nach einer guten interdisziplinären Interpretation zu Musils Törleß sucht, bei der man eine Menge nicht nur über den interpretierten Text, sondern auch über etliche Nachbardisziplinen lernt, und darüber hinaus auch noch einen umfassenden Überblick über das geisteswissenschaftliche Spannungsfeld um 1900 erhalten will - der ist mit dem Endlosen Knoten bestens bedient. Wären alle literaturwissenschaftlichen Bücher von dieser Qualität: mein Studium würde mir noch mehr Spaß machen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der aufgedröselte Knoten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ein endloser Knoten? Robert Musils Verwirrungen des Zöglings Törleß im Spiegel soziologischer, psychoanalytischer und philosophischer Diskurse (Taschenbuch)
Die Kunst des Lesens ist mindestens dreifach entfaltbar: Das Gesagte an seiner sprachlichen Oberfläche. Hier liest ein jeder, was offensichtlich ist: Die Bedeutung ersten Grades, ausgedrückt (flach) durch die sozial angelieferte, für alle konventionell verbindliche Semantik. Der "Törleß" ist hier, auf dieser Ebene, einfach ein "Kadettenroman".Die zweite Entfaltungsebene ist etwa die der klassischen Hermeneutik (Schleiermacher, Dilthey, Gadamer, Husserl, Wittgenstein). Hier wird das sichtbar gemacht, was sich hinter der semantischen Oberfläche zeigt (sozusagen noch "von selbst", aber mit tieferbohrender Nachhilfe). Der Hermeneutiker hilft der Sprache (dem Geschriebenen) zu zeigen, was sie, neben dem offensichtlich Gesagten, noch sagen, andeuten, mitmeinen wollte und konnte. Auf dieser Ebene, der psychologisch-philosophisch erschließbaren, erscheint nun alles mehr oder weniger Verborgene: Das Denotierte UND Konnotierte, das Anklingende (Assonanz), das Mitklingende (Konsonanz) und das Angeregte (Resonanz). Auf diesen Saiten spielt der Hermeneutiker. Die dritte Entfaltungsebene, die funktional-soziale, sie macht deutlich: Sprache ist zwar kein autonomes System, aber: Sprache ist das Kopplungsmedium zwischen den psychischen Systemen (Menschen) und der SOZIALITÄT, den sozialen Systemen, den Funktionssystemen (Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Recht, Erziehung, Medizin, Kunst, Sport, Familie), also der GESELLSCHAFT. Alles, was sich auf den drei sozialen Sinnebenen zeigt (zeigen läßt) und sich abspielt auf der Sachdimension, der Sozialdimension und der Zeitdimension, dies alles macht Roland Kroemer sichtbar, indem er den von Robert Musil geschaffenen Text "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" konfrontiert mit den Erkenntnissen, die der große Soziologe Niklas Luhmann der Gesellschaft (der Sozialität), uns allen also, geschenkt hat in seiner funktionalen Systemtheorie. Diese moderne Gesellschaftstheorie, worin die Gesellschaft nicht mehr ist, was sie bis dato war: Eine Ansammlung von Menschen (also keine "Gemeinschaft" mehr), Luhmanns Gesellschaftstheorie präsentiert uns die moderne, funktional differenzierte Gesellschaft als die "Summe", als das "Erscheinungsbild", als die "Wirkebene" aller sozial einschlägigen gesellschaftlichen Kommunikationen. Bei Luhmann gilt die Gleichung: Gesellschaft IST Kommunikation, und also vice versa: Kommunikation IST Gesellschaft. Dies alles weiß und akzeptiert Roland Kroemer. Und er zeigt dem Leser des "Törleß" mit Hilfe seines "Knotenbuches" (indem er diesen Knoten, den Musil geschürzt hat, nicht, wie weiland Alexander der Große, zerschlägt, sondern ihn meisterhaft aufdröselt), was alles an WELTGEHALT durch Musils Reflektionen im "Törleß" enthalten und verborgen ist: Roland Kroemer bringt es zur Sprache und damit in die Welt: In die Welt des Lesers. Dafür müssen wir ihm danken. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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