Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Literarische Parabel der Vergeblichkeit, 6. März 2005
Bei den Griechen hieß er „Atlantis", bei den Spaniern „El Dorado", die Turk Völker nannten ihn „Kizil-Alma" - den „einzigen Ort", den Fluchtpunkt von Mythos und Geschichte, nach dem sich die Völker unter immer neuen Namen verzehrten. Für Thomas Stangl ist das sagenumwobene Timbuktu „der einzige Ort", und er hat die fast gleichzeitige Reise zweier Europäer nach Timbuktu in eine literarische Parabel von Entzauberung und Vergeblichkeit verwandelt. Umrahmt von der stupenden Gelehrsamkeit des Autors bewegen sich der Engländer Gordon A. Laing und der Franzose René Caillié ab 1825 von ganz unterschiedlichen Ausgangspunkten aus dem „einzigen Ort" entgegen - Laing beginnt seine offizielle Expedition als englischer Major im libyschen Tripolis, während der französische Schuster und Abenteurer René Caillié, getarnt als mohammedanischer Abdallah mit einer erfundenen Vita, vom Senegal aus alleine nach Mali reist. Berichtet wird dabei vornehmlich aus den Innenperspektiven der Reisenden: die immer düsterer wird, je tiefer sie sich in das Innere Afrikas verlieren. Weite Passagen des Werkes bestehen schließlich nur aus der Beschreibung der Qualen, die die beiden Forschungsreisenden zu erleiden haben, und was es da über Eiterwunden und Skorbut (S.105), Delirium und Durstphantasien zu lesen gibt, wird keinen Leser ungerührt lassen. Während Caillié vom Senegal aus schließlich Djenne erreicht, die große Stadt am Niger, reist Laing von Tripolis nach Ghadames, dann nach In Salah mitten in die Sahara. Zwischen In Salah und Timbuktu werden Laing und seine Gefährten in den Krieg der Hoggar Turegg verwickelt, in deren Verlauf sich einige Tuaregg unter die Karawane mischen, ehe sie sich eines Nachts um Laings Zelt versammeln und aus allen Rohren auf den schlafenden Engländer feuern. Nur noch als ein zerschmetterter Leib wird Laing nach Sidi Mohammed geschafft, fünf Tagesreisen von Timbuktu entfernt, wo er in der Obhut des Cherifen Mohammed Muktar unwahrscheinlicherweise wieder zu Kräften kommt. Nach einer letzten Reiseetappe erreicht Laing schließlich Timbuktu (S. 312), ebenso wie Caillié, der nach einer wundervoll beschriebenen Flussreise (S. 283-295) die Tore des „einzigen Ortes" passiert. Danach verknäuelt sich die Darstellung des Buches - Laings und Cailliés Impressionen gehen ineinander über, obgleich Laing Timbuktu 1826 und Caillié die Stadt erst 1828 erreichte. Beide durchstreifen wie beträubt den „einzigen Ort", der sich als eine unbedeutende Lehmstadt erweist, erspüren aber auch die Stimmung einer anwachsenden Bedrohlichkeit und reisen schließlich ab - Caillié im Rahmen einer fast tödlich verlaufenden Wüstenreise nach Marokko(S. 350-55), Laing mitten hinein in einen von Mörderhand verursachten Tod, dessen Einzelheiten letztlich ungeklärt bleiben (S.376,379). Nur neun Jahre nach seiner abenteuerlichen Heimkehr nach Frankreich, wenige Jahre nach der Veröffentlichung der drei Bände seiner „Voyages" stirbt auch Caillié an den gesundheitlichen Folgen seiner Reise. Zurück bleibt ein Leser, der von dem Buch fast so erschöpft ist wie die beiden Hauptprotagonisten - erschöpft, weil er ein anspruchsvolles, ein stellenweise überaus anstrengendes, aber auch ein packendes und faszinierendes Werk gelesen hat, ein Buch, das sich mit seinen komplexen Textreliefs gegen jedes Überfliegen wehrt und das den Leser am Ende in einer zwiespältigen Befindlichkeit zurücklässt: einerseits ist er der Zeuge eines dramatischen Doppelabenteuers geworden und hat bei aller Psychologisierung auch tief hineinblicken dürfen in eine grandios präsentiertes Afrika - zugleich aber erkennt er aber auch, dass die Suche nach dem einzigen Ort letztlich an Verruchtheit grenzt, ist sie in der Perspektive des europakritischen Autors doch nur die Vorstufe der Umwandlung eines Mythos, der uns zum Träumen bringt, in einen heruntergekommenen kolonialen Besitzstand.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Land geschrieben, 31. Dezember 2007
Zwei Reisende dürfen in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ohne Kompass ins "Innere Afrikas" begleitet werden. Zwei Jahr nacheinander treten der Engländer Gordon Laing und der Franzose Rene Caillie die Entdeckungsreise zur mystischen und von keinem Europäer bislang betretenen Stadt Timbuktu an. Während der Arzt Laing von der Geographischen Gesellschaft nach Lybien entsandt wird, reich an Begleitern und Ansehen auf einem Reittier, reist der Bäckergeselle Caillie vom Senegal allein, zu Fuß und auf sich gestellt mit laufend wechselnden Begleitern und häufigen Krankheiten. Geleitet werden beide von Skorbut, Tuberculose, Fieber, Durst, misstrauischen und abergläubischen Eingeborenen, Kamelen und Karawanen. Begehrtes Zahlungsmittel sind Salz, Scheren und Kolanüsse. Bedroht von kriegerischen Tuarecks, Hitze oder schlammigem Regen, Sandstürmen und den Christen feindlich gesinnten Fulahs erreichen beide Timbuktu zu Land und zu Wasser. Ihre Erlebnisse während ihres Aufenthalts in der geheimnisvollen Stadt aus Lehmhütten und wunderschönen Moscheen werden sehr rasch aufeinander und ineinander erzählt und vermitteln Stolz ob des Erfolgs, unsagbare Freude und Aufregung. Die Heimreise soll Rene Caillie mithilfe des marokkanischen Vizekonsuls gelingen, ihm die Auszeichnung des Königs und der Geographischen Gesellschaft einbringen, ihm das Wiedersehen mit seiner Schwester ermöglichen und ihm eine Frau und Kinder bescheren - wenn auch nur zehn Jahre (voller Sehnsucht nach Afrika). Für Laing wird die Reise von Mörderhand bislang ungeklärt beendet.
Zwei Abenteurer, die nichts anderes vor Augen haben, als ihr Ziel und den Erfolg. Ihre Vorbilder: Mungo Park und Marco Polo. Bisherige europäische Entdeckungsreisende auf dem Weg nach Timbuktu sind tot oder verschollen. Die Sehnsucht nach geliebten Menschen zumal vorhanden aber doch zu gering, um sie wesentlich zu Wort kommen zu lassen. Dominante Gefühle und Empfindungen: Aufregung, Angst, Stolz und Gier nach dem Unbekannten. Ihre Reise reich an Empfindungen und Geschenken, Aufregung, Ängsten, Schmerz und schierer Verzweiflung. "Jede Sekunde trägt unerwartete Widerhaken in sich."
Beide Geschichten gleichen sich wesentlich und sind in ihren Details doch sehr verschieden. Dialoge sind beinahe nicht vorhanden, die Erzählung gleicht vielmehr einem Bericht, der die Schönheiten und Gefahren des muslimischen Afrikas sehr lebendig wiedergibt. Die Namen von Begleitern und Widersachern sind eben so wenig geläufig wie die afrikanische Geschichte vor der "flächendeckenden" Kolonialisierung. Unachtsamkeit während des Lesens erlauben weder Inhalt noch (wahnsinnig beeindruckende) literarische Ausführung.
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15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Happiges Buch, 26. Mai 2004
Zugegeben, dieses Buch ist ein Kunstwerk. Ich bin weniger sicher, ob das auch zur gesamten Leserschaft durchdringt. Der Text ist nicht leserfreundlich, d.h. er macht es einem nicht leicht, die Charaktere zu mögen oder ihnen mit Interesse zu folgen. Ziemlich früh kommt man in ein Wirrwarr von vielen Namen: Wer hat Caillé betrogen und warum? Wo ist Laing jetzt, und warum hasst er plötzlich seinen Begleiter? Was ich am Text so faszinierend fand, ist, dass Stangl so sehr aus den Charakteren heraus zu schreiben scheint, dass man so nah ihnen dran bleibt; man ist also so involviert, dass man sie begleiten will. Schade, dass man darum kämpfen muss, den Ueberblick zu behalten, was um sie herum passiert.
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