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Produktinformation
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In Der einzige Mann auf dem Kontinent geht es um einen Helden, der sich und seine Beziehungen im Arbeitsstrudel zu verlieren droht. Und es gibt um Mitmenschen, die ganz unterschiedliche Wege finden, um mit Arbeitsüberlastung oder unfreien Produktionsverhältnissen umzugehen. In der DDR groß geworden, trennen sie sich von ihren Partnerinnen, um im Westen Karriere als Unternehmer zu machen (wie der Vater des Protagonisten). Sie gewinnen im Lotto und verschwinden auf Nimmerwiedersehen (wie der Pförtner in Darius’ Bürokomplex). Oder sie fallen einfach tot vom Fahrrad.
Moras schlecht vernetzter Netzwerkmann, der sich eines Tages mit Burnout-Syndrom auf dem Büroteppich liegen sieht, findet eine andere Möglichkeit – und die verdankt er nicht zuletzt seiner bezaubernden und hoch sensiblen Gattin Flora, die er gerade noch rechtzeitig wiederfindet. So wohnt dem Roman auch ein tröstlicher Zauber inne, der den Leser aber irgendwie auch nicht so richtig beruhigen kann. Diese bleibende, verstörende Unsicherheit macht Der einzige Mann auf dem Kontinent über Kommunikationslosigkeit im Kommunikationszeitalter, ebenso wie Moras Sprache, zu einem kleinen Meisterwerk. -- Stefan Kellerer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Über die beschäftigte Leere,
Von Th. Leibfried (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (TOP 500 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Terézia Moras Erstling "Alle Tage" war ein Überraschungserfolg, den die aus Ungarn stammende Autorin, die zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus ihrer Muttersprache ins Deutsch zählt, erzielte. Sie ist für ihre Erzählungen, Übersetzungen und auch ihren ersten Roman vielfach preisgekrönt. Fünf Jahre später veröffentlichte sie ihren zweiten Roman "Der einzige Mann auf dem Kontinent". Und damit platzierte sie sich immerhin auf der Long List zum Deutschen Buchpreis im vergangenen Jahr.Darius Kopp, Anfang vierzig, ist der einzige Mann auf dem Kontinent eines amerikanischen Unternehmens für drahtlose Netzwerke in den DACH-Ländern (Deutschland - Österreich - Schweiz). Er hat ein Büro in einem Bürokomplex, in dem er sich aufhält, tagsüber und auch schon mal nachts, in dem er aber auch unter Beweis stellt, dass er die Arbeit nicht erfunden hat. Er tut nichts Nennenswertes und es gibt im Großen und Ganzen auch nichts zu tun. Dass man trotz Tatenlosigkeit gestresst sein kann, stellt der Protagonist eindrucksvoll unter Beweis. So füllt er seinen Tag mit Essen und Trinken, im Internet surfen und jeder Menge Belanglosigkeiten. Zu den wenigen Dingen, die er erledigen sollte, lässt er sich nicht kommen. Sein Job ist sinnfrei, von Verwirklichung keine Spur. Wichtig genug kommt sich Darius Kopp allerdings vor. Terézia Mora hält einer ganzen Branche einen Spiegel vor. Und das nicht ganz ohne Hintergrund, denn ihr Ehemann ist in der IT-Branche genauso tätig, wie viele gemeinsame Bekannte, wie die Autorin bei einer Lesung erzählte. Neben seinem Job und dem Essen und Trinken (Kopp wiegt einhundertsechs Kilogramm) gehört die Ehefrau Flora zu den drei wichtigsten Dingen in Kopps Leben. Allerdings hat er auch kein glückliches Händchen im Führen einer Beziehung. Und so darf man sich fragen, in was genau ist Kopp denn gut? "In gar nichts!" bleibt als einzige Antwort. Doch, korrigiere ich mich, im Zeittotschlagen. Sein Leben, beispielhaft geschildert in einer Woche, zerrinnt einfach so. Mora hält nicht nur der IT- und TK-Branche einen Spiegel vor, sondern einer ganzen Generation. Verglichen mit "Alle Tage" ist "Der einzige Mann auf dem Kontinent" leicht zu lesen, zumindest mir ging das so. Ist "Alle Tage" ein wirklich erstaunlicher und außergewöhnlicher, philosophischer Roman, so ist "Der einzige Mann auf dem Kontinent" gute bis sehr gute zeitgenössische Literatur mit einem doppelten Boden, über den nachzudenken lohnt, und viel Humor. Vielleicht schaut einem aus dem Spiegel, den Mora hält, ja das eigene Gesicht an. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Puh, das war knapp: von der Schwierigkeit, eine Reisekostenabrechnung zu erstellen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein umfänglicher Roman ohne nennenswerte Handlung, der auch nicht durch gedankliche Höhenflüge glänzt. Das Fehlen der üblichen Hauptbestandteile irritiert zwar (sagen wir ein- bis zweihundert Seiten lang), muss aber irgendwann doch in Bewunderung umschlagen.Denn die beachtliche Leistung der Autorin besteht darin, den auf wenige Tage begrenzten Ausschnitt aus dem stinknormalen Leben eines uninteressanten Protagonisten in Form literarischer Haute Cuisine aufzubereiten. Dabei spielt zwar Essen und Trinken eine quantitativ überragende Rolle, beschränkt sich indes vollständig auf die gierige Einnahme von Fertigkost. Was macht also den Lesespaß aus. - Das Buch ist ein Wortfilm, wir bekommen die Brille des "Darius Kopp" aufgesetzt und erleben hautnah (in Echtzeit?) seine Eindrücke, Gefühle, Überlegungen. Wir fressen Hühnerschenkel und gefüllte Croissants, bekleckern uns ständig, schwitzen und stinken, die Füsse schmerzen beim Gehen ... der Verdauungsapparat spielt nicht immer mit, manches Ekelhafte ist dabei, Ersatzbefriedigung für Unangenehmes ständig verfügbar (schnelleres Laptop, neues Hemd, neue Schuhe, noch mehr Fressen und Saufen ...). Was er beim Telefonieren denkt und statt dessen sagt, was er beim Eintreten in einen Raum erwartet und dann wirklich sieht, wie sein schlechtes Gewissen ihn peinigt und zu irrationalen Handlungen verleitet: alles spielt sich so unvermittelt auch im Kopf des Lesers ab. Kleine überraschende Wendungen, witzige (auch Slapstick-hafte) Reaktionen, ein laufender Wechsel von Innen- und Außensicht, ein ständiges Versagen mit eingebildeten Erfolgserlebnissen - wie zum Hohn wird alles chronologisch sauber in Reihe erzählt. Und das Ende ist (wider Erwarten) weder happy noch finales Scheitern, sondern: irgendwie weiter so - halt wie im richtigen Leben. Personen wie Darius Kopp stellen offenbar eine literarische Herausforderung dar. Auch D.Kehlmann hat sich in seinem Erzählungsband "Ruhm" auf ähnlich humorvolle Weise einer Figur angenommen, die in der Erlebniswelt der Computerbranche aufgeht und dem "wahren Leben" nicht gewachsen ist. Damit geraten Lebensentwürfe in den Blickpunkt, deren Sozialisation (sorgenfrei aufgewachsene Muttersöhnchen?) mit der dazu passenden bindungslosen beruflichen Existenz (Globalisierung, Verantwortungslosigkeit) Einiges über den Zustand unserer Gesellschaft aussagen. Obwohl (oder gerade weil) jeder Bezug zum politisch-weltanschaulichen deutlich ausgeklammert bleibt. Sogar das Zwischenmenschliche dient rein der Bedürfnisbefriedigung bzw. Stressminimierung. Moras Konstruktion des Alltags und der auftretenden Charaktere erscheint in allen Details stimmig und erfrischt durch ihre moderne und kaum aufgesetzt wirkende Erzählweise. Kein Buch für die einsame Insel aber eine hochwertige Alternative zum liebgewordenen Fernsehabend. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Wirtschaftskrise hat ihren Antihelden,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Der einzige Mann auf dem Kontinent" ist ein großartiges Buch. Die erzählte Geschichte lässt sich schnell zusammenfassen. Wir erleben mit dem Protagonisten des Buches, Darius Kopp, eine Woche seines Lebens in Berlin. In dieser Woche zeigt sich, wie Darius' Leben mehr und mehr zerfasert. Beruflich entgleiten ihm sicher geglaubte Konstanten, im Privaten ist die Partnerschaft zu seiner hypersensiblen Frau Flora bedroht. Im Umgang mit seiner Familie fordern ihn die charakteristischen Dispositionen der kauzigen Mutter und der labilen Schwester heraus. Ein stets wiederkehrendes und damit zentrales Motiv sind vierzigtausend Euro, die ihm durch ein geplatztes Geschäft und dessen Rückabwicklung ohne Kenntnis des in den USA sitzenden Arbeitgebers in die Hände fallen. Es ist klar: Mit vierzigtausend fängt man kein neues Leben an. Gleichzeitig schuldet ihm die Firma noch Geld. So kann wahrscheinlich ein klärendes Telefonat mit der Buchhaltung auch noch bis morgen warten... Außerdem ruft auch in diesem Moment Juri, der beste Freund an ("Wo ißt Du?"), eine E-mail pingt auf den Rechner bzw. gelüstet es Darius nach dem zweiten Maschinencappuchino des Tages. Extra Zucker.Darius lässt sich treiben - und gleitet, unterbrochen von Treffen mit seinen Freunden und kulinarischen Genüssen, in einen seltsamen Existenz- und Gefühlsnebel. Dies im Kontext der globalen Wirtschaftkrise, die ebenfalls ein Motiv darstellt. Mora verblüfft mit der Fähigkeit, das Leben, die Gefühlswelt und die Untiefen eines Mannes in den Vierzigern so glaubwürdig und plastisch zu schildern, daß insbesondere der männliche Leser immer wieder ungläubig auf das Autorinnenfoto im Einband blickt und sich fragt: Wie kann man so auf den Punkt schreiben? Kopp als Mann und die Spur verlierendes Individuum in einer grenzenlosen Welt ist ein Antiheld. Was ihm beruflich widerfährt, erinnert an Kafkas Gregor Samsa. Kopp flüchtet sich angesichts der beruflichen Schwierigkeiten in die Virtualität des Internet, das allerdings statt Antworten lediglich die bekannten, aufgeblasenen Selbstdarstellungen von ihm Bekannten auf sozialen Netzwerken, eine tägliche Newsletterflut und eine Fülle an wirtschaftlichen Hiobsbotschaften bereit hält. Trotzdem gerät der Roman nicht zur platten Globalisierungs- oder Kapitalismuskritik. Vielmehr handelt es sich bei "Der einzige Mann auf dem Kontinent" um einen hervorragenden Gegenwartsroman, der mit einem leicht melancholischen Unterton die Befindlichkeiten unserer Tage anhand derer des Hauptdarstellers dokumentiert. Das Buch wird trotzdem - angesichts des eher unaufgeregten Plots wohl paradoxerweise - zu einem geradezu rasanten und höchst unterhaltsamen Leseerlebnis. Dafür ist neben den vielen treffenden großen und kleinen Beobachtungen vor allem die Sprache Moras verantwortlich. Dialoge werden mit Innenansichten so eng verwoben, daß es ein Vergnügen ist, selbst den kürzesten und belanglosesten Gesprächen Kopps zu folgen. Auch die Sicht des Lesers wechselt: Gerade hat man sich an die Ich-Perspektive des Erzählers gewöhnt, erfolgt im nächsten Absatz der Wechsel ins "Er". Der Leser geht diesen Gedanken mit, findet sich jedoch gemeinsam mit der Erzählerin im nächsten Part im saloppen "Wir" wieder. So unkonventionell und anstrengend wie dies klingen mag, ergibt sich jedoch ein herrlicher Lesefluss, denn Mora passt die Perspektiven jeweils dem Inhaltlich gesagten an. Literaturwissenschaftler mögen sich tiefergehend damit beschäftigen - für den unbedarften Leser jedoch ist das Ergebnis dieses Spiels schlicht ein großes Lesevergnügen. In Summe ein höchst unterhaltsames Buch, das nicht nur durch den Schlußakkord eine berührende Note erhält. Es ist für mich der Roman der Krise, und wenn ich es in 10 Jahren wieder einmal zur Hand nehme, werde ich mich nicht nur an die Arbeits-, Wirtschafts- und Lebenswelt des Jahres 2009 erinnern. Sondern sicher auch, vielleicht mit leichter Melancholie, vielleicht mit einem Lächeln, vielleicht mit beidem, an meine persönliche, damalige Lebensphase. Ein sehr gut geschriebener, höchst lesenswerter Roman! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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