Während die meisten Bücher über den Nahost-Konflikt 1948, dem Jahr der Gründung Israels beginnen, setzt Segev bereits kurz vor Ende des ersten Weltkriegs an und richtet das Augenmerk des Lesers auf die Epoche, in der die wahren Wurzeln des Konflikts liegen. Segev beschreibt mit schon fast belletristischem Stil die Entwicklung der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zum Staat Israel. Dabei gelingt ihm, was wenigen Sachbüchern glückt: Den Leser zu fesseln, als läse er einen Roman. Besonders trägt dazu bei, daß er die geschichtliche Entwicklung nur in zweiter Linie aus der Perspektive der großen politischen Führer erzählt, sondern zu allererst aus der Sicht der weniger bekannten Figuren oder auch aus der Sicht von Menschen, die scheinbar nie am Rad der Geschichte gedreht haben. So kommt eben nicht nur Ben Gurion zu Wort, sondern auch eine englische Volksschullehrerin, ein Soldat oder ein nur mäßig prominenter Mitarbeiter einer staatlichen Bildungsbehörde. Dies alles ermöglicht einen abgerundeten Blick auf die Geschichte. Wegen dieser Herangehensweise eignet sich das Buch aus meiner Sicht auch und gerade für Leser, die die Geschichte Palästinas noch nicht kennengelernt haben; vorausgesetzt, man macht sich die Mühe, das Buch von vorne bis hinten zu lesen. Denn ein Nachschlagewerk ist es nicht. Kritisch ist allenfalls anzumerken, daß Segev die Personen, aus deren Sicht er schreibt, manchmal etwas abrupt zur Sprache kommen läßt, ohne sie dem Leser zunächst vorzustellen. So kann es passieren, daß der Leser die politische Bedeutung einiger Figuren zunächst nicht erkennt, weil Segev offenbar voraussetzt, daß sie jedem ein Begriff sind. Wer das Buch zu Ende liest, bemerkt aber, daß die ein oder andere Figur, die zunächst nur als Privatperson in Erscheinung trat, später maßgeblich auf die weitere Entwicklung Palästinas eingewirkt hat.