50 einfache Dinge über unsere Wirtschaft sollte man nach Heiner Flassbecks Meinung wissen. Allerdings entpuppt sich zuweilen, dass die Dinge doch gar nicht so einfach sind, wie sie scheinen. So wie es logisch ist, im Fußballstadion aufzustehen, um eine bessere Sicht zu erlangen, kann sich das Ergebnis schnell umkehren, sobald die Masse es einem gleich tut - mit dem Unterschied, das jetzt alle stehen müssen und doch genauso viel(wenig) wie vorher sehen. Ähnlich verhält es sich mit unserer Wirtschaft und den Debatten um "zukunftsorientierte" Politik: Was aus einzel-/betriebswirtschaftlicher Sicht logisch und fördernswert erscheint, kann aus gesamtwirtschaftlicher Sicht negative Folgen haben. Genau diese zweite Sichtweise versucht uns Heiner Flassbeck in seinem Buch näher zu bringen, manchmal allerdings mit nur mittelmäßigem Erfolg: Zum Einen, weil der Autor zum Teil nebensächliche Punkte erläutert - man hätte hier durchaus einige Punkte zusammenfassen bzw. streichen können (die Kapitel und Plänkeleien über Hans-Werner Sinn interessieren wahrscheinlich keinen, der sich zum ersten Mal mit gesamtwirtschaftlichen Sichweisen beschäftigt); zum Zweiten, weil sich einige volkswirtschaftliche Sichtweisen entgegen der medialen Dauerbestrahlung als zu erstaunlich ausnehmen, zu unbekannt, zu fragwürdig, ob es denn wirklich so sein könnte, hört man es doch seit Jahren immer wieder und v.a. anders (z.B. die Mär von den zu hohen Lohnnebenkosten, der Kult um den Abbau der Staatsschulden, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, etc pp...). Auch ist der Autor entgegen seiner Ankündigung im Vorwort doch zuweilen parteiisch, da man deutlich eine keynesianische Grundeinstellung erkennen kann.
Das alles ist allerdings kein Beinbruch: Positiv ist besonders hervorzuheben, dass sich Herr Flassbeck in seinem Buch so gar nicht als Ökonom outet. Keine komplizierten Begriffe, keine schwierigen Formeln, zuweilen aber (leider) auch zu wenig Fakten, dafür bestechende Logik die dem entgegensteht, was man zumeist täglich zu hören kriegt. Das wird vor allem Jene erfreuen, die sich nicht mehr auf das Verlassen, was Wirtschaft und Politik schon seit Jahren propagieren und nun auch nach anderen Meinungen ausschau halten, die Sparen, Sozialabbau und den Gürtel enger schnallen nicht als einzig gehbaren und alternativlosen Weg ansehen. Und so ist das Buch auch zu verstehen: Als Einführung in eine alternative Sichtweise ohne zuviel Schnickschnack und drumrum. Durchaus Lesenswert!