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Postfeministische Mädchenbilder in Jugendbüchern Eigenartige Glückskinder bevölkern derzeit die Mädchenliteratur. Sie wachsen in brüchigen oder schon zerbrochenen Familien auf, doch alle Schwierigkeiten perlen an ihnen ab. Hinter diesen Mädchenfiguren steht ein postfeministisches Konzept: die Absage an normierte Identitätsentwürfe und die Anerkennung radikaler Differenzen. «Ich bin ein Glückskind», behauptet die 15-jährige La Vaughn. Dabei lebt sie allein mit ihrer berufstätigen Mutter im Slum, «in einem armen Viertel in einer scheusslichen Zeit». Als Kleinkind hat sie ihren Vater verloren, der zufällig in eine Schiesserei zwischen zwei Banden geraten ist. Obwohl dieses Mädchen für sein junges Leben viel Elend erfahren hat, hält es sich mit erstaunlichem Mut und Überlebensgeschick nicht nur über Wasser, sondern sogar für glücklich. Die beiden Bände «Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus» und «Fest dran glauben» der amerikanischen Jugendbuchautorin Virginia Euwer Wolff zeichnen in knapper, unverblümter Sprache eine Protagonistin, die flexible psychologische Abwehrkräfte entwickelt hat, eine Art imprägnierten Schutzanzug zu tragen scheint, der all die Widrigkeiten des Lebens abstösst. Im Innern dieser Hülle befindet sich ein Ich, das in Auseinandersetzung mit seiner schwierigen Umwelt immer stärker wird, ohne je in einer festen Identität zu erstarren. Während die Heldin im ersten Band bei einer siebzehnjährigen zweifachen Mutter mit Babysitting ihr Collegegeld verdienen möchte, jedoch immer mehr in deren Notsituation mit hineingezogen wird, muss sie sich im zweiten Band mit verschiedenen Zurückweisungen abfinden. Normative Vorgaben bezüglich konkreter, positiver Rollenbilder gibt es in La Vaughns Verhältnissen nicht. Flexibel muss dieses Ich offensichtlich sein, um sein fixes Rahmenziel zu erreichen: «Eines Tages, in nicht zu ferner Zukunft, würde ich hier rauskommen.» Deutsche Mittelschichtsverhältnisse Das deutsche Mittelschichts-Pendant zu La Vaughn ist Lelle. «Ich habe einfach Glück» heisst der inzwischen preisgekrönte zweite Band einer Trilogie der Berliner Autorin Alexa Hennig von Lange . Auch diese Hauptfigur ist 15 Jahre alt und schildert in Ich-Perspektive ihr Teenager-Dasein. Die Autorin vermischt das berichtete Geschehen geschickt mit Abschweifungen und Phantasien zu einem gewollt subjektiven, turbulenten Familienporträt. Lelles Leben in einer bürgerlichen Kleinfamilie verläuft verglichen mit La Vaughns zwar dem Schein nach harmonisch. Aus den erzählten Episoden geht allerdings hervor, dass die Schwester im Jähzorn Geigen zertrümmert, die Mutter ihre Töchter so stark überbehütet, dass diese mit dem Messer auf sie losgehen, während der Vater ständig vor allen Konflikten davonrennt. Auch in diesem Roman stellt die Heldin sich immer neu auf akute Situationen ein, schottet sich jedoch innerlich mit lakonischer bis sarkastischer Distanz gegen ihre nächste Umgebung ab. Nur für die Lesenden werden die Konsequenzen als Überforderung erkennbar: Lelle ist magersüchtig und verweigert so ihr Frauwerden. Wie nebenbei erzählt und von der Protagonistin unreflektiert belassen, wird diese Thematik gänzlich undogmatisch als Folge der unsicheren Identitäts- und Rollenmuster dargestellt und dies alles mit einer solchen Leichtigkeit und Lockerheit, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Reaktion auf den Postfeminismus Warum nur werden diese weiblichen Helden von ihren Autorinnen in so missliche Verhältnisse hineingeschrieben? Dieses jugendliterarische Verfahren ist wohl als eine Reaktion auf den Postfeminismus zu sehen. Der meint nicht etwa eine Verabschiedung des Feminismus, sondern vielmehr einen konzeptionellen Wandel, nach dem binäre Festschreibungen zugunsten einer Anerkennung radikaler diskursiver Differenzen aufgegeben werden. Indem die aktuellen Mädchenbücher nun Verhältnisse kreieren, in denen konkret positive, normativ vorgegebene (Geschlechts-)Identitäten von vornherein ausgeschlossen sind, müssen ihre Protagonistinnen neue, flexible Lebensentwürfe erproben. Der amerikanische Autor Brock Cole geht dabei in seinem Roman «Was wisst ihr denn schon» sogar noch weiter als Wolff und Hennig von Lange. Ein Mord ist der Auslöser, dass Linda einer Sozialarbeiterin ihr Leben geradezu unheimlich emotional unbeteiligt berichtet: Ihre beziehungsgestörte, alkoholsüchtige Mutter überlässt die 13-Jährige sich selbst und lädt ihr auch noch die Verantwortung für die Geschwister auf. Ein väterlicher «Freund» hält sich Linda schliesslich als Geliebte, bis er vor ihren Augen vom Exfreund der Mutter erschossen wird. Die Strategien, die Linda wie La Vaughn und Lelle entwickelt, um zu überleben, sind freilich fragil und brüchig, lassen aber dennoch, immerhin, ganz persönliche Glücksgefühle zu, die die Lesenden in Staunen versetzen.
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Aber letzten endes bleibt es jedem selbst überlassen diese Buch zu lesen.
Die Leute die meinen das sie sich so in die Rolle eines Jugendlichen hinei versetzen können deren Kindheit muss weit zurückliegen.
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